Spion gegen Spion

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Agent Undercover

Agent UndercoverDer Begriff "Partyspiel" wird oft falsch verwendet. Ich persönlich finde, dass ein Partyspiel mindestens fünf Spieler benötigen sollte und auch mit einer zweistelligen Anzahl Spieler noch gut spielbar sein sollte. Viele Verlage stempeln das Etikett "Partyspiel" aber schon auf alles, was mit mehr als sechs Spielern gespielt werden kann – und wenn dann noch mindestens drei Spieler dabei sein sollten, ist das Etikett beinahe schon automatisch zu finden.

So auch bei dem "kreativen und kommunikativen Partyspiel" Agent Undercover von Piatnik. Einer der Spieler ist ein Undercover-Agent, der nicht weiß, wo er sich befindet, und aus den Unterhaltungen der anderen Spieler herausfinden muss, wo er oder sie sich befindet. Die anderen Spieler müssen die Identität des Agenten herausfinden. Für das ganze haben beide Seiten acht Minuten zur Verfügung.

In der Schachtel findet sich

  • die Spielregel auf Deutsch und Ungarisch
  • 26 Plastikhüllen
  • 208 Karten: 25 Ortsdecks zu je 8 Karten sowie acht Übersichtskarten

Die Karten in Normalqualität sind bei Auslieferung leider bunt gemischt; vor dem ersten Gebrauch muss man sie daher einmal sortieren. Jedes Ortsdeck besteht aus sieben Ortskarten mit Angabe des Ortes und einer zum Ort passenden Rolle (auf der Polizeistation findet man u.a. einen Archivar, einen Gefangenen, einen Strafverteidiger etc.) und einer Geheimagentenkarte. Die Beutel sind Ziplock-Beutel; die Kartenstapel sollten so eingelegt werden, dass die Geheimagenten-Karte auf der Bildseite der übrigen Karten liegt, damit man von außen nicht erkennen kann, welches Ortsdeck es ist.

Eine Sanduhr ist leider nicht dabei – hier muss man sich mit einer Eieruhr aus der Küche oder einer entsprechenden App im Smartphone behelfen.

Zu Spielbeginn einigt man sich auf eine Rundenanzahl und auf einen Startspieler (ab der zweiten Runde ist jeweils der Agent der letzten Runde der neue Startspieler). Auch die Zeit pro Runde sollte abgesprochen werden – acht Minuten ist für Experten gedacht, für die ersten Partien darf es gerne auch etwas länger sein. Vor dem Spiel sollten alle Spieler sich die Ortsübersicht in der Mitte der Spielregel bzw. auf den Übersichtskarten ansehen – es würde beim Agenten auffallen, wenn er sich die Übersicht während des Spiels ansieht: Alle anderen Spieler wissen über die Ortskarte, wo sie sich befinden…

Die 25 Ortsdecks werden in den Plastikhüllen bereit gelegt. Der Startspieler eine Runde nimmt sich in beliebiges dieser Decks, nimmt es aus der Hülle, mischt die Geheimagentenkarte mit so viel Ortskarten, dass jeder Spieler genau eine Karte erhält (der Rest wird unbesehen verdeckt weggelegt) und verteilt an jeden Spieler eine Karte. Bis zu diesem Zeitpunkt darf auch der Startspieler die Ortskarten nicht angesehen haben.

Jetzt darf sich jeder Spieler seine Karte verdeckt ansehen und dann vor sich ablegen.

Anschließend wird die Sanduhr / Stoppuhr gestartet und der Startspieler beginnt, indem er einen beliebigen anderen Spieler eine Frage stellt, die mit dem Ort zu tun hat, wo man sich befindet. Ein Beispiel wäre, in der Bank zu fragen, wann den geschlossen werde. Auch die hierauf gegebene Antwort sollte mit dem Ort zu tun haben, an dem man sich befindet – die Form der Antwort ist beliebig. Der soeben gefragte Spieler stellt nun seinerseits einem Spieler (aber nicht dem, der ihn gerade gefragt hat) eine Frage und so weiter.

Das Problem des Agenten ist nun, dass auf seiner Karte zwar steht, dass er der Agent ist, aber nicht, wo er sich befindet. Er muss also bei der Antwort und seiner Frage einerseits allgemein genug sein, dass seine Antwort und Frage zum Ort passen (sollten), andererseits darf er aber auch nicht zu allgemein antworten, denn dann macht er sich wieder verdächtig.

Eine Runde kann auf drei Wegen beendet werden.

Sie endet auf jeden Fall, wenn die abgesprochene Zeit vorbei ist. In diesem Fall gibt jeder Spieler, beginnend mit dem Startspieler, seine Stimmt ab, wer denn der Geheimagent ist. Der Agent selber gibt zur Verwirrung auch eine Stimme ab. Fällt die Mehrheit der Stimmen auf den Agenten, het er verloren, wird mehrheitlich für einen "Akteur vor Ort"gestimmt, gewinnt der Agent die Runde.

Vorzeitig darf jeder Spieler während der Runde einmal das Spiel (und auch die Stoppuhr) stoppen, um einen Verdacht zu äußern. Wenn alle anderen – mit Ausnahme des Verdächtigen – zustimmen, kann aufgedeckt werden (ansonsten wird weiter gespielt). Wird der Agent beschuldigt, verliert er, ansonsten gewinnt er. Man darf aber nur einmal pro Runde stoppen – dies kann der Agent auch nutzen, um einen anderen Spieler verdächtig zu machen.

Und schließlich kann der Agent sich auch selbst enttarnen, indem er seine Karte aufdeckt. Wenn er jetzt korrekt ansagen kann, wo er sich befindet, hat er die Runde gewonnen, liegt er falsch, hat er verloren.

Punkte gibt es für die Seite, die die Runde gewonnen hat. Wenn der Agent gewinnt, erhält er zwei Punkte. Es gibt noch einmal zwei, wenn er vorzeitig gestoppt hat und richtig errät, wo er sich befindet, oder wenn die Mitspieler einen unschuldigen Spieler verdächtigen.

Wenn die Agenten vor Ort gewinnen, erhalten sie je einen Punkt. Einen Bonuspunkt gibt es, wenn ein Spieler das Spiel stoppte und korrekt und erfolgreich den Agenten beschuldigte, für diesen Spieler.

Am Ende gewinnt natürlich, wer die meisten Punkte gesammelt hat.

Beim Spiel ist es wichtig, nicht allzu deutlich zu machen, wo man sich befindet. Schließlich ermöglicht man hiermit dem Agenten, gute Antworten zu geben und Fragen zu stellen und sogar, vorzeitig zu gewinnen. Andererseits darf man auch nicht zu allgemein fragen, weil dann der Agent eventuell mit genauso allgemeinen Antworten seine Identität verschleiern kann.

Wichtig ist vor allen Dingen auch, zu wissen, welche Orte verfügbar sind. Dies zu wissen, ist gerade für den Agenten wesentlich, denn ein Blick auf die Übersicht kann mehr als nur verräterisch sein.

Die richtige Formulierung raffinierter Fragen und Antworten, der Bluff des Agenten … all das sorgt dafür, dass Agent Undercover ein sehr nettes Spiel ist, das meiner Meinung nach zwar das Label 'Partyspiel' nicht wirklich verdient (wenn auch mehr Spieler besser sind), aber andere Label wie 'spannend', 'interessant' oder 'Kaufempfehlung' sehr wohl.

Hersteller Piatnik
Autor Alexander Ushan
Künstler Uildrim & Sergei Dulin
Spieler 3-8
Denken 8
Glück 4
Geschicklichkeit 0
Preis ca. 25 €

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