Wassermusik

Erdenstern: Aqua

Erdenstern - AquaSchon seit vielen Jahren ist Erdenstern in Rollenspielerkreisen ein Begriff für gelungene Hintergrundmusik. Die Bibliothek der Fantastischen Musik ist mit acht Titeln (anders als auf der eigenen Webseite angegeben also neun CDs, denn Into the Light ist eine Doppel-CD) ja abgeschlossen, dennoch kann das Trio es nicht lasen und produziert weiter.

So erschien auch Aqua, eine neue CD zum Thema Wasser und Tiefsee. Anders als bei Into the Blue geht von dem Verkaufserlös ein Zehnt(el) an die XCetacean Research and Rescue Unit, eine schottische NGO zum Schutz der Wale. Eva-Maria Irek, ein Drittel von Erdenstern, ist dort ehrenamtliche Mitarbeiterin.

Anders als Beyond the Library kommt Aqua als ganz 'normale' CD daher, in einer durchsichtigen CD-Hülle mit einem dicken Booklet. Auf dem Titel – ganz in blau gehalten, abgesehen vom Erdenstern-Logo rechtsunten – sieht man neben dem Schriftzug eine Art Schneckengehäuse und sonst nichts – das wirkt durch seine Schlichtheit besonders gut.

Die Trackliste besteht aus folgenden Titeln:

  1. The Ocean – Einleitung
  2. The Origin of Life – episch, erwartungsvoll
  3. Sahallow Waters – fließend, schwebend
  4. The Dolphins‘ Coast – imposant, schnell
  5. Exciting Chase – imposant, schnell
  6. Strong Current, Large Shoals – gleitend, treibend
  7. Off Shore – sanft, fließend
  8. Sinking – sphärisch, ruhig
  9. Aquatic Life – anmutig, getragen
  10. Deeper – geheimnisvoll, unwirklich
  11. Predators – kaltblütig, urtümlich
  12. Streams and Storms – drängend, gefährlich
  13. Kings of the Deep – anmutig, majestätisch
  14. Beyond the Rays of the Sun – unwirklich, ungewiss
  15. A Light in the Dark – hoffnungsvoll, verheißend
  16. Kraken – fremdartig, unerbittlich
  17. Black Smokers – verheißungsvoll, rhythmisch
  18. Like Xdemons and Fairies – unheimlich, bezaubernd
  19. Abyss – mächtig, anmutig
  20. Pitch Black – einsam, verloren
  21. Is There Anything Beyond? – fragend, unwirklich
  22. The Last of Their Kind – hoffnungsvoll, sich steigernd

Die Beschreibungen sind so aus dem Booklet übernommen, man sollte sich aber vor dem Einsatz als Hintergrundmusik die Titel genau anhören, denn an manchen Stellen werden meiner Meinung nach Erwartungen geweckt, die dann mit dem Titel selbst zielsicher verfehlt werden.

Besonders auffällig fand ich das bei Titel 5 – Exciting Chase: Hier hatte ich weniger eine wilde Verfolgungsjagd vor dem inneren Auge, sondern mehr ein – gerne auch tödliches – Versteckspiel in einem bunten Korallenriff. Extrem treffend fand ich hingegen die Beschreibung bei Track 9 Aquatic Life: graziös und feierlich trifft es auf den Punkt. Im folgenden beschreibe ich einen Gutteil der Titel, aber nicht alle – aus Zeitgründen.

Die "Einleitung" der CD, The Ocean hat, ein wenig wie bei Donovan’s Atlantis, einen vorgelesenen englischsprachigen Text vor einer Musikuntermalung. Das leitet zwar die CD gut ein, bedeutet aber auch, dass man den Titel (der knappe zwei Minuten lang ist, was zu verschmerzen ist) nicht für Rollenspielrunden verwenden kann, denn die Lesestimme lenkt ab.

Interessant auch Titel wie Sinking – bei dem man nicht so sehr die Szenen über Wasser vor Augen hat, bei denen alles rennt und sich in Sicherheit zu bringen versucht, sondern sich an Bilder aus Filmen und Fernsehserien sieht, wenn das Schiff bereits unter Wasser ist und langsam in die Tiefe gleitet.

Sehr gelungen fand ich Predators – ob es jetzt ein Kaiju-Monster betrifft, Bruce aus dem Weißen Hai oder auch ein menschengemachter Gegner wie ein feindliches U-Boot, die Musik transportiert die Gefahr hervorragend.

Streams and Storms (sinking / dangerous) ist zweigeteilt: zuerst recht ruhig und getragen, wird das Stück nach etwa einem Drittel unruhig und bedrohlich, nach zwei Dritteln dahingegen wieder eher majestätisch – aber auch der Todesstern war, als er das allererste Mal zu sehe war, eher majestätisch, wenn man nicht wusste, was sich darin verbarg. Durch diese Dreiteilung wird der Titel allerdings nicht mehr loopfähig – was die meisten Titel auf dieser Scheibe sowieso nicht sind.

Die Kings of the Deep sind mir ein klein wenig zu ruhig. Der Titel passt meiner Meinung nach her zu Unterwassergeländebildern und weniger zu Tieren oder gar Intelligenzwesen.

Gut gelungen wieder Kraken, bei dem sich durch einen harten Rhythmus und passende Instrumentierung gut der Eindruck einer übermächtigen Bedrohung einstellt. Ob in Kampfszenen, einer Verfolgungsjagd (hier passt die Musik auch dazu) oder einem besonders spannenden Versteckspiel – der Titel ist vielseitig einsetzbar. Die ein wenig Carmina-Burana-artigen Vokaleinsätze gegen Ende – die aber unterhalb der Verstehensschwelle bleiben – wirken hier sehr gut.

Eine Zäsur macht wieder Like Demons and Fairies nach etwa der Hälfte des Stücks – was bis dahin Erinnerungen weckte an ein Quallenballett oder ähnliches, wird plötzlich bedrohlich, als verstecke sich hinter (oder in) den Medusen etwas ganz anderes, schreckliches. Dabei bleibt der verträumte Ton auch in diesem Teil erhalten – nur die unterschwellige Bedrohung kommt noch hinzu. Durch diese Zweiteilung wird bei dem Stück im Loop relativ schnell auffallen, dass es in einer Schleife läuft.

Abyss hingegen weckt die Stimmung, die ich bei einer Erforschungs-Tauchfahrt erwarte, recht gut, hat aber auch eine Zäsur. Im ersten Teil ist es eher ruhig, im zweiten will man sich unwillkürlich umdrehen, weil man das Gefühl hat, dass einem ein Riesenfisch im Nacken sitzt.

Pitch Black hingegen ist zwar düster, enthält aber auch hoffnungsvolle Töne, die nicht so recht zum Thema "Einsam / verlassen" passen wollen.

Die letzten beiden Titel wiederum transportieren ihre Intention sehr gut. Is There Anything Beyond nutzt noch einmal Gesang – diesmal allerdings textfrei, was ganz gut passt. Beim Last of Their Kind schließlich wurde ich ein wenig an Jean Michel Jarre erinnert – das Stück ist zwar nicht elektronisch, Erinnerungen an Oxygen kamen bei mir aber auf.

Etwa eine Stunde zwanzig Minuten für etwa 15 Euro – für eine Rollenspielmusiksammlung ist die CD sicher hervorragend geeignet, und auch als Ambientmusik für 'zum Zwischendurchanhören'ist die CD gut geeignet.

Ich kann sie jedem Rollenspielleiter – vor allem, wenn er/sie Wasser- und Unterwasserabenteuer plant – nur empfehlen.

Hersteller Erdenstern
Autor Erdenstern
Künstler Erdenstern
Spieldauer 79:41 Min.,
Preis ca. 14,99 €

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