Enten gegen Roboter

Flattr this!

RevoltaaA

RevoltaaA?!? …das war zumindest der erste Gedanke, als ich RevoltaaA in die Finger bekam. Was ist denn das? Ein Stichspiel offenbar, aber ein Knizia… dann ist da sicher mehr als nur ein Trick dabei…

Und so ist es auch. Der niederländische Verlag PLAYthisONE liefert hier in der kleinen quadratischen Schachtel ein ungewöhnliches Stichspiel, bei dem man nicht nur einmal um die Ecke denken muss, um zu gewinnen. Dass hierbei gerade Enten gegen Roboter antreten, ist dabei eher nebensächlich – man kann (und wird auch bald) die Stichfarben genauso gut als rot und blau bezeichnen.

In der Schachtel befinden sich 66 Spielkarten (gute Spielkartenqualität), und zwar je Farbe 7 x 0, 6 x 1, 5 x 2, 5 x 3, 5 x 4 und 5 x 5, außerdem die Spielregeln in Deutsch, Englisch, Französisch und Niederländisch. Und was tut man nun mit den Enten, respektive Robotern, die auf den Karten abgebildet sind?

Nun, erst einmal mischt man die Karten, dann verteilt man an jeden Spieler 11 Karten, und weitere 11 kommen in einen „neutraler Stapel“. Wenn weniger als fünf Leute mitspielen, spielen einige Karten nicht mit. Und dann geht es auch schon los: Vom neutralen Stapel wird eine Karte umgedreht, und dann überlegt sich jeder Spieler, welche seiner Handkarten er dazuspielt – diese werden dann gleichzeitig dazugespielt.

Das gleichzeitige ist wichtig, da es um das Voraussagen geht, was die Mitspieler machen werden – könnte man reagieren, hätte man ein komplett anderes Spiel. Man reagiert also nur auf den neutralen Stapel, der grundsätzlich aufspielt.

Wie wird der Stich nun gewertet? Zunächst einmal wird die Farbe Trumpf, von der der höhere Gesamtwert gespielt wurde. Bei einem Gleichstand ist die Farbe Trumpf, die vom Stapel angespielt wurde. Mitnehmen tut den Stich aber die niedrigste Karte der Trumpffarbe, die nicht doppelt (oder häufiger) gespielt worden ist. Alles klar, oder verknotet das schon das Hirn?

Wichtig für die Wertung ist nachher nur die Trumpffarbe des Stichs – nach 4-7 Runden ist nämlich die Runde schon vorbei, nämlich, sobald 4 Stiche in einer Farbe gemacht wurden (egal von wem, und ja, der neutrale Stapel kann auch Stiche machen). Dann zählt jeder Stich dieser Farbe einen Punkt, ebenso aber auch jede Handkarte in der Farbe (die andere Farbe ist nichts wert). Wenn man das im Hinterkopf hat, merkt man, dass hier weit mehr taktische Möglichkeiten drinstecken als man auf den ersten Blick denkt. Und Hölle, hat das ein Ärgerpotential!

Wie man auf welche angespielte Karte reagieren sollte, hängt also sehr davon ab, welche Karten man so zur Verfügung hat und wie man vorgehen will. Es kann durchaus taktisch sinnvoll sein, anderen Spielern Stiche zuzuschustern, wenn man dadurch die Runde mit der richtigen Trumpffarbe früh beendet und so mehr wertvolle Karten auf der Hand hat (für die Wertung ist aber nur deren Farbe relevant, nicht der Wert). Auch ist es oft ein Vabanquespiel, eine Null zu spielen – erstens machen das meist auch Gegner, dann nimmt die 1 mit (oder die 2, wenn noch jemand so schlau war), oder aber einer spielt als einziger die andere Farbe als 5 und kassiert damit – auch das geht, je nachdem wie gespielt wird. Das einzige was „sicher“ ist, ist, wenn der Stapel eine Null ausspielt – dann wird man den Stich in der Farbe wohl nicht bekommen, denn wieso sollte da noch jemand eine Null draufspielen? Eben… Will man aber diese Farbe als Gewinnerfarbe, macht es durchaus Sinn, eine hohe Karte dieser Farbe zu spielen, dann landet der Stich eben beim Stapel…
Insgesamt ein lustiger Hirnverzwirbler der sich schnell spielt, sofern die Spieler einmal das Um-die-Ecke-Denken raus haben.

Natürlich spielt man mehrere Runden und zählt die Ergebnisse zusammen, sonst wäre der Spaß zu schnell vorbei.

Wem traditionelle Stichspiele zu langweilig sind aber ‚was schnelles für zwischendurch sucht, der ist bei RevoltaaA richtig. So hoch wie man zuerst meint, ist der Glücksfaktor nämlich gar nicht (Kartenverteilung eben), es kommt vielmehr darauf an, zu sehen, wie man möglichst viele Punkte aus seinen Karten herausholen kann, und dementsprechend zu spielen.

Wenn das Spiel sicherlich auch für Gelegenheitsspieler ansprechend wirkt, kann es den reinen Bier- und Brezelspieler schon ziemlich fordern. Zockermentalitäten die gut voraussagen können sind hier im Vorteil (und ein Pokerface sicherlich auch). Praktisch: Das Spiel hat Jackentaschenformat und passt daher immer noch „mit rein“.

Hersteller PLAYthisONE
Autor Reiner Knizia
Künstler Franz und Imelda Vohwinkel
Spieler 3-5
Denken 8
Glück 4
Geschicklichkeit 0
Preis ca. 10,50 €

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.