Duell in den Finnischen Wäldern

Kaleva

KalevaDuellspiele gibt es viele – sowohl solche mit gleichen als auch mit asymmetrischen Startbedingungen. Zu denen mit gleichen zählen unter anderem Klassiker wie Schach, Shogi, Stratego, sogar Schiffe versenken… wichtig ist hierbei, dass beide Spieler über die gleichen Ressourcen verfügen, die sich nur z.B. durch die Farbe unterscheiden.

Zu dieser Kategorie zählt auch Kaleva aus dem Hause Mindwarrior. Der finnische Verlag hat hier ein zunächst schlicht anmutendes Spiel in ein Ambiente der finnischen Folklore verpackt, und das schlägt sich im Material nieder. Was soll man da also erwarten?

In der quadratischen Schachtel befinden sich:

  • der Spielplan
  • 2 x 6 Spielsteine
  • 2 x 27 Karten
  • die Spielanleitung in Deutsch, Englisch, Französisch, Niederländisch, Polnisch, Schwedisch, Norwegisch, Dänisch und natürlich Finnisch

Die Karten haben gute Spielkartenqualität und zeigen verschiedene Gestalten aus der Kalevala (finnischer Nationalepos), sowie einen Wert von 0 bis 9 (0, 1 und 9 sind je zweimal, der Rest je dreimal vorhanden). Die Spielsteine sind aus stabilem Kunststoff und wirken wie Münzen aus patiniertem Silber bzw. Gold. Der Spielplan besteht aus 5 × 6 Feldern für die Spielsteine sowie je sechs Plätze zur Kartenablage hinter jeder der sechs Reihen. Die jeweils erste Reihe vor den Karten stellt den "magischen Schild" des jeweiligen Spielers dar – hier beginnen alle sechs Spielsteine, und auf die andere Seite möchte man drei seiner eigenen Steine bringen, ehe der Gegner das tut.

Zunächst mischt jeder Spieler seine Karten, zieht davon sechs und legt diese offen aus – damit man weiß, was der Gegner hat. Danach nimmt man sie wieder auf, und legt sie – wie man möchte – verdeckt auf die sechs eigenen Felder. Steine in einer Reihe haben jeweils die Kraft der zugehörigen Karte – wobei die 0 und die 1 noch Sonderfunktionen haben. Wer an der Reihe ist, zieht einen Spielstein genau ein Feld in beliebiger Richtung (also wie der König beim Schach), es gibt aber zwei Ausnahmen: Um in den gegnerischen magischen Schild zu ziehen, darf man nicht diagonal ziehen, und man darf nicht diagonal zwischen zwei gegnerischen Steinen hindurchziehen (wohl aber zwischen eigenen). Außerdem darf man nicht auf ein von einem eigenen Stein besetztes Feld ziehen. Zieht man auf ein Feld, auf dem ein gegnerischer Spielstein steht, kommt es zum Angriff.

Bei einem Angriff werden die zugehörigen Karten aufgedeckt – die Verteidigerkarte der Reihe, wo der Stein steht, und die Angreiferkarte aus der Reihe, aus der der Angriff erfolgt. Die höhere Zahl gewinnt (bei Gleichstand der Angreifer), der unterlegene Spielstein wird (zunächst) entfernt, beide Karten kommen auf den Ablagestapel und werden durch eine neue Karte ersetzt (verdeckt, aber der Spieler darf sie sich natürlich vorher anschauen). Geschlagene Spielsteine können statt eines Zuges wieder eingesetzt werden, aber nur, wenn mindestens eines der Randfelder des eigenen magischen Schildes frei ist, denn dort müssen sie hin.

Wird durch einen Zug (ob mit oder ohne Angriff) ein Feld des gegnerischen magischen Schildes besetzt, wird der Stein dort "eingefroren" und bewegt sich für den Rest des Spieles nicht mehr. Zudem darf der Spieler, dessen Schild hier durchdrungen wurde, wenn er möchte, zwei seiner ausliegenden Karten vertauschen. Wie erwähnt gibt es Sonderfunktionen für die Karten 0 und 1: Wen man einen Stein aus der Reihe mit der 0 bewegt (auch wenn man nicht angreift) darf man eine gegnerische Karte aufdecken, die dann offen liegen bleibt; die 1 wird im Falle eines Angriffs nicht geschlagen, sondern tauscht den Platz mit dem gegnerischen Stein (es sei denn zwei 1er erwischen sich gegenseitig, dann gewinnt der Angreifer wie üblich).

Insgesamt ein eher schnelles, taktisches Duellspiel, das stellenweise einen ähnlichen Charakter wie Stratego hat, aber durch die Kartenmechanik weit mehr Bluffs erlaubt und flexibler ist. Wenn man es einmal kennt, spielt es sich recht fix (etwa 20 Minuten pro Partie), und es weiß durchaus zu gefallen – der Glücksfaktor ist zwar vorhanden (durch die gezogenen Karten), aber überschaubar, man muss eben aus dem, was man hat, etwas machen, und darin liegt die Kunst. Opportunisten und Bluffer sind hier die Zielgruppe, wer lieber offen spielt, ist hier verkehrt.

Das Spiel an sich weiß zu gefallen, das Material ist hochwertig, die Spielsteine haben eine angenehme Haptik – allein, das Drumherum hätte ruhig etwas ausführlicher sein dürfen. Zu den zehn Figuren, die sich auf den Karten finden, werden gerade mal zwei oder drei Zeilen geliefert (und nun wissen wir, dass Väinämöinen auch gerne mal mit Väinö abgekürzt wird), aber das wars dann auch – irgendwie schade, da wäre weit mehr drin gewesen, und wenn es in reinem Flufftext daherkäme. Okay, man kann natürlich selbst recherchieren, aber mit dem Spiel hat der Hintergrund herzlich wenig zu tun, man hätte genauso gut einfach Zahlen auf die Karten malen können. Hübsch mutet es dennoch an, und gehört durchaus zu den besseren Zweispielerspielen. Wem also Stratego zu unflexibel ist, und wer gerne auch mal schnellere Partien spielt – bitte, das ist euer Spiel.

Hersteller MInd Warrior Games
Autor Esa Wiik
Künstler Pasi Juhola
Spieler 2
Denken 7
Glück 2
Geschicklichkeit 0
Preis ca. 27 €

Die günstigsten europäischen Angebote für Kaleva, die wir finden konnten, waren bei Boardgamer in Dänemark und bei Philibert in Frankreich. Die einzige deutsche Bezugsquelle zum Zeitpunkt der redaktionellen Bearbeitung war Osiander.

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