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Ninja Arena – Erstverkaufstag

Erstverkaufstag

Was bringt jemanden dazu, ein Spiel zu entwerfen, und dann auch noch auf den Markt zu bringen? Nun, sicherlich eine Idee, und unter Umständen einfach die Tatsache, dass es noch nichts vergleichbares gibt, und man so etwas gerne hätte. Und wenn man dann ein wenig herumprobiert, kommt eben etwas dabei heraus, was auch andere begeistert.

Ninja Arena

So ähnlich ist auch Ninja Arena entstanden – 2mt ist eigentlich in der Computerbranche tätig, aber die Autoren haben eben Spaß an Strategie, außerdem Interesse an fernöstlicher Kampfkunst, Ninjas und was so dazugehört. Und was bisher in diesem Bereich an Spielen vorlag, war ihnen nicht genug. Wichtig war zum einen, dass der Glücksfaktor völlig außen vor gelassen wird, und andererseits dennoch ein flexibles, variables Spiel herauskommen sollte – eben kein statisches, wie Schach (auch wenn dieses Quadrilliarden an Möglichkeiten hat, ist es doch „unflexibel“). Zu guter letzt sollte noch das Material hochwertig sein – das Motto „Weil ein gutes Spiel nicht immer aus Plastik sein muss“ erkennt man am Material definitiv wieder.

Schauen wir also mal in die Schachtel, die nicht nur ganz schön schwer, sondern auch gut gefüllt ist, und auf der auch auf den hohen Qualitätsstandard hingewiesen wird. Darin befinden sich:

– Spielbrett (massives Buchenholz, 8 x 8 Felder)
– 16 Hindernis-Oberteile (massives Holz)
– 10 Hindernis-Mittelteile (massives Holz)
– 4 Ninja-Spielfiguren (2 Schatten, 2 Waffennarr, Zinn)
– 8 rote (schnelle) Aktionswürfel (Holz)
– 8 blaue (normale) Aktionswürfel (Holz)
– 4 weiße (langsame) Aktionswürfel (holz)
– 5 naturfarbene Anwendungswürfel
– 6 Ninjakarten (3 Varianten Schatten, 3 Varianten Waffennarr)
– 8 Fernkampfwaffenkarten (beidseitig)
– 6 Nahkampfwaffenkarten (beidseitig)
– 4 Lebenspunkteklammern (Holz)
– 28 Marker (stabile Pappe – 8 x Initiative, 6 x Waffen, 14 x Beute)
– 1 Jutesäckchen für die ganzen Kleinteile
– Die Spielanleitung auf Deutsch

Das Jutesäckchen unterstreicht einmal mehr den Qualitätsanspruch des Spielmaterials: Kein Plastik oder Gummi, es braucht keine Ziplocks, Spielbrett und Hindernisse sind aus massivem Buchenholz und bieten eine modulare Bauweise, die Miniaturen sind sehr schön modelliert und fast aus Reinzinn (bleifrei), selbst die Klammern, mit denen die Lebenspunkte markiert werden, sind aus Holz (Miniatur-Wäscheklammern) – alles made in Germany und Handarbeit – das erklärt dann auch den Preis, der auf den ersten Blick hoch erscheinen mag, aber wenn man genau hinsieht, relativiert sich das.

Obwohl sehr viele Würfel zum Spielmaterial gehören, wird im Spiel absolut nichts gewürfelt – die Würfel dienen als Marker und sind lediglich praktisch, da jeder Würfel die sechs Symbole seiner Geschwindigkeitsklasse anzeigt; die Anwendungswürfel dienen zum Nachhalten der Munition von Schuss- bzw Wurfwaffen. Die Hindernisse sind ebenfalls würfelförmig und mit Zapfen zu verbinden – man kann das Spielfeld individuell gestalten wie man möchte. Einige Vorschläge findet man in der Anleitung, aber der Phantasie und Kreativität sind hier nur insofern Grenzen gesetzt, wie Teile vorhanden sind.

Das Grundspielprinzip ist an sich denkbar einfach, aber trotzdem durch das Material sehr schön variabel: Jeder Ninja hat pro Runde drei Aktionen (zB Drehung, Sprung, Angriff, Konter…), und diese sind jeweils mit einem entsprechenden Würfel zu markieren. Bei einigen Aktionen ist auch die Richtung maßgeblich (insbesondere bei Angriffen), von daher ist darauf zu achten, wie herum man den Würfel legt. Hat man seine drei Würfel positioniert, greift man sich den gewünschten Initiativmarker (solange den noch kein anderer Spieler gegriffen hat), und wenn das alle getan haben, wird die Runde in der entsprechenden Initiativreihenfolge, möglicherweise durch die verschiedenen Geschwindigkeitsaktionen modifiziert, abgehandelt (Initiative zählt bei gleicher Geschwindigkeit, schnelle Aktion „überholt“ aber normale und normale „überholt“ langsame Aktion). Ob dann das gewünschte Ziel wirklich da steht, wo der Angriff hingeht – sieht man dann.

Zudem ist jeder Ninja mit einer Nahkampf- und einer Fernkampfwaffe ausgestattet. Defaultmäßig sind das Schwert und Wurfsterne, aber da sind auch andere Ausrüstungsoptionen möglich, wobei trotz der schon jetzt vorhandenen Varianz an Waffen das Spiel sehr ausgewogen ist – der wichtigste Knackpunkt ist vor allem, den oder die Gegner richtig einschätzen zu können. Wer das kann, und seine eigenen Motive und Pläne vor den Gegner zu verbergen weiß, hat die besten Chancen, als letzter in der Ninja-Arena zu stehen.

Dementsprechend hat man hier einen echten Schnell-Taktik-Hinverzwirbler, in dem man sich absolut nicht über „schlechte Würfel“ beschweren kann. Gerade im Spiel mit mehr als zwei Spielern wird die Situation schnell komplex, und man tut gut daran, sich nicht nur auf einen Gegner zu konzentrieren. Merke: Die erste (schnellste) Initiative ist nicht immer die erste Wahl, je nach Situation und was man daraus machen möchte, aber wer als erster seine Manöver gewählt hat, hat zumindest die größte Auswahl (und darf sogar bewußt warten, was denn vielleicht ein Gegner greift, und dann vielleicht noch umstellen bevor er selbst wählt). „Hellseher“, die auch noch schnell denken können, sind also klar im Vorteil.

Hat man das Spiel erst einmal verstanden (zum Einstieg empfiehlt sich ein schnelles Match mit Schwert und Shuriken und ohne Sonderfähigkeiten und weiße Würfel), geht es erstaunlich flink, und eine Partie spielt sich auch mit voller Ninjazahl in unter einer halben Stunde. Aufgrund des variablen modularen Spielbretts und unterschiedlichen Ausrüstungsoptionen ist der Wiederspielwert enorm, zumal man sich auch weitere Optionen schlicht ausdenken kann (und da wird auch noch etwas kommen – das Waffenarsenal zu erweitern ist ja nicht schwierig). Wer mag kann auch Szenarioregeln nutzen, Teamspiele veranstalten, oder auch zwei Arenen verbinden – dann mit bis zu 8 Ninjas bespielbar. Das wirklich hochwertige Material ist ein Grund mehr, Ninja Arena auf die Wunschliste zu packen. Man sollte es auf jeden Fall im Hinterkopf behalten, wenn man den Preis ansieht – der zwar hoch ist, aber für das, was man dafür bekommt, eben nicht zu hoch.

Ab heute ist das Spiel derzeit nur vom Hersteller direkt erhältlich, der auf seiner Seite auch Downloads der Regeln und eines Sichtschirms anbietet (wenn die Hand nicht reicht…). Die Regeln werden regelmäßig auf den neuesten Stand gebracht, zumal ja auch noch die ein oder andere Erweiterung anstehen. Und auf die freue nicht nur ich mich, die Testspieler ebenso.

Hersteller 2mt Games
Autor Oliver Schneider, Rainer Schoof
Grafik/Design Lindsey Baquero, Mareike Rosanski, Stefan Wäcken
Spieler 2-4
Denken 10
Glück 0
Geschicklichkeit 0
Preis ca. 79,95 €

Ninja Arena bei 2mt Games

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