Jede Menge bunte Plättchen

Tintas

Schon seit mehreren Jahren rezensieren wir hier immer wieder sehr schöne kleine Spiele – meist für 2 Personen – des Verlages Gerhards Spiel und Design. Diese zeichnen sich stets durch sehr hochwertiges Material in einer sehr schlichten Verpackung aus, wie auch durch ein eigentlich einfaches Spielprinzip, das aber sehr viele Möglichkeiten offenlässt.

So ist das auch bei „Tintas“ – und irgendwie verwundert es mich, dass keine spanische Spielanleitung beiliegt, bedeutet das Wort doch nichts anderes als „Farben“ auf Spanisch. Und um Farben geht es auch – man möchte Spielplättchen der möglichst selben Farben einsammeln (und diese nicht dem Gegner überlassen).


In der quadratischen Schachtel findet man:
– 1 Spielbrett aus massiver Buche, geölt
– 49 Holz“plättchen“ – je 7 in 7 Farben
– 1 Spielfigur
– 1 Stoffbeutel (um selbige hineinzutun)
– Die Spielanleitung in Deutsch, Englisch und Französisch.

Das Spielbrett zeigt eine Art sechseckige Blume oder Stern aus 49 Mulden, in die die farbigen Plättchen zu Spielbeginn zufällig gelegt werden (es dürfen nur nicht alle einer Farbe genau nebeneinander liegen). Und damit ist auch schon das „Zufallselement“ und somit der Glücksfaktor dieses Spieles wieder raus. Somit bilden diese Plättchen (wobei „Plättchen“ dem Material nicht wirklich gerecht wird – allzu flach sind die nicht, eher handliche kleine Zylinder) Reihen in bis zu sechs Richtungen, je nachdem ob sie mitten im Spielfeld oder eher am Rand liegen.

Der erste Spieler nimmt nun die Spielfigur und ersetzt genau einen dieser Zylinder damit (und nimmt sich diesen) – dann ist sein Zug aber auch schon vorbei. Der andere Spieler muß sich nun eine Farbe aussuchen, die in direkter Linie von diesem Punkt aus erreichbar ist (also in diesem Fall direkt benachbart), tauscht dann einen entsprechend farbigen Zylinder gegen die Figur, und darf so lange so weitermachen, wie er die Farbe nicht wechselt. Dabei können leere Felder übersprungen werden, andersfarbige Zylinder aber natürlich nicht. Und – es besteht kein Zwang, alle möglichen Steine einzusammeln – warum das manchmal Sinn machen kann, welche übrig zu lassen, merkt man recht schnell.

Dann ist wieder der Gegner an der Reihe, wählt seinerseits eine Farbe, und geht genauso vor. Ausnahmen sind die Fälle, wo kein Zylinder mehr in gerader Linie erreichbar ist, aber noch nicht alle abgeräumt – dann darf der Spieler einen beliebigen Zyinder auswählen, aber dann endet wieder sein Zug – wie beim Spielstart. Um das Spiel zu gewinnen, muss man entweder alle sieben Zylinder einer der sieben Farben ergattern – dann endet es sofort – oder am Ende die einfache Mehrheit an Zylindern haben. Da deren Zahl ungerade ist, gibt es also nie ein Unentschieden.

Was auf den ersten Blick wieder einmal schlicht klingt, ist doch ein recht komplexes Spiel mit vielen Möglichkeiten – man muss eben schon ein wenig vorausplanen, wo man denn entlang ziehen will, um einerseits möglichst viel der gewünschten Farbe zu hamstern, aber auch dem Gegner keine allzu lukrativen „Buffets“ zu eröffnen, die vielleicht besser noch versperrt blieben (wie war das noch mit „stehenlassen“?). Führt dies zu allzu großen Verzögerungen bei Analyseparalytikern? Jein. Ein wenig überlegen sollte man schon, denn wer einfach „drauflos“ spielt, wird meist irgendetwas übersehen. Insofern wird man ein wenig Überlegen schon jedem Gegner verzeihen, und – man kennt ja seine Pappenheimer.

Bei einigermaßen gleich taktisch spielenden Gegnern ist das „Endspiel“ bis zum letzten Zylinder wahrscheinlicher – den „Siebener“, mit dem man sofort gewinnt, schafft man wenn am ehesten durch ausweglose Situationen – indem man so zieht, dass der Gegner einem so oder so zumindest eine Farbe „öffnen“ muss, aber ob das gelingt ist natürlich sowohl von der (immer anderen) Lage der Zylinder wie auch vom Spielverhalten des Gegners abhängig.

Allein durch die zufällige Anordnung der Zylinder ist ein recht hoher Wiederspielwert gegeben – etwas, was bei Zweipersonenspielen ja oft nicht so sehr der Fall ist. Und natürlich – im wahrsten Sinne des Wortes – weiß das Spielmaterial zu punkten. Hochwertiges Holz, angenehme Haptik und auch eine schöne Optik, dazu gut unterscheidbare Farben – das Spiel weiß zu gefallen. Wer also noch ein schönes, etwas edleres Spiel für zwei sucht – zugreifen. Tintas ist direkt bei Gerhards erhältlich.

Hersteller Gerhards
Autor Dieter Stein
Künstler
Spieler 2
Denken 8
Glück 1
Geschicklichkeit 0
Preis ca. 32,90 €

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