Früh sprüht sich

Graffiti – Das Spiel

Das geplante deutsche Cover

Künstler haben es heutzutage schwer. Nicht nur, dass die Mäzene ihre Protegés eher knapp halten – wenn sie überhaupt noch gewillt sind, für ihre Kunstwerke zu zahlen. Auch Museen sind eher zurückhaltend, wenn es um moderne bildende Kunst geht. Hinzu kommen noch die Schwierigkeiten, die beim Erstellen der Kunstwerke auftreten: Hausbesitzer haben traditionell etwas dagegen, wenn ihre Wände besprüht werden (auch wenn Aktivitäten im Sinne von „meine Wand steht euch frei“ bereits in den siebziger Jahren beispielsweise in Hönnepel am Niederrhein bekannt waren), manche Leinwände bewegen sich plötzlich im S-Bahn- oder U-Bahn-Tempo davon, und die Treibgase sind ja auch nicht ganz gesundheitsfreundlich.

Die nicht-finanziellen Probleme moderner Künstler umgeht das neue Graffiti – das Spiel, das aus einem japanischen Kleinverlag stammt, demnächst aber auch in Deutschland direkt erhältlich sein soll. Im Stile vom Nilpferd in der Achterbahn, Activity oder auch Pictomania darf man sich hier als Graffitikünstler betätigen.

Das Spiel wird in einer langen Öltuchtasche vertrieben, in der sich folgendes befindet:

  • ein Holzgestell zum Aufbauen,
  • eine imprägnierte Stoffleinwand
  • sieben Sprühflaschen mit Pumpmechanismus (wahlweise kann man sie auch mit kleinen Pressluftpatronen bestücken)
  • einem Dutzend Aquarellfarben
  • 250 Aufgabenkarten
  • eine Sanduhr
  • die Spielregel auf Japanisch, Koreanisch, Englisch, Deutsch, Russisch und Niederländisch

Das Material hat grundsätzlich gute Qualität, besonders schön ist, dass die Aufgabenkarten aus Plastik bestehen, wodurch sie nach Gebrauch relativ leicht wieder zu reinigen sind. Die Sanduhr läuft 2 Minuten.

Die Aufgabenkarten geben jeweils etwas vor, das gesprüht werden muss, wobei sie grundsätzlich zu unterscheiden sind in Texte („Neue Männer braucht das Land“ oder „heute noch“), Motive (wobei die Auswahl im japanischen Original auch stark japanzentriert ist: Samurai, Detektiv Conan, Shinzo Abe, Kamen Rider) und abstrakte Begriffe (Gerechtigkeit, Religion usw.).

Vor dem Spiel muss zunächst das Holzgestell aufgebaut werden und die Leinwand darauf angebracht. Hiermit steht den Künstlern dann eine Arbeitsfläche von etwa 1,80 m Höhe und 4,5 m Breite zur Verfügung. Die Sprühflaschen werden mit (zufällig ausgewählten) Farben ausgestattet und mit Wasser gefüllt. Durch Aufpumpen oder Einsetzen einer Pressluftpatrone werden sie anschließend scharf geschaltet

Jetzt erhält der erste Spielereine Sanduhr lang Zeit, die Aufgabe einer Aufgabenkarte mit den Sprühlaschen auf der Leinwand darzustellen. Innerhalb dieser Zeit dürfen die anderen Spieler raten, was dargestellt werden sollte – auch wenn das richtige genannt wurde, sollte der aktive Maler aber seine Aktionen nicht unterbrechen. Die Sanduhr läuft immerhin weiter.

Anschließend erhält der Spieler, der das Motiv richtig erraten hat, eine,n Punkt, bevor die anderen Spieler ebenfalls eine Sanduhr lang Zeit haben, die Aufgabe auf die Leinwand zu sprühen. Da sie hierbei aber nicht alleine sind, kommt es oft zu Übermalungen bereits bestehender Motive und andere Konkurrenzaktionen.

Wenn die vorgegebene Zeit abgelaufen ist, entscheidet der erste Maler, welches Malergebnis der anderen die vorgegebene Aufgabe am besten erfüllt. Auch der Maler dieser Malerei erhält einen Siegpunkt.

Das Spiel endet in der Regel, wenn die Leinwand so durchtränkt ist, dass keine weitere Farbe mehr an ihr haften bleibt (durch die Imprägnierung kann man sie aber gut in der Waschmaschine wieder sauber machen und für ein späteres Spiel wieder wiederverwenden) oder wenn die Spieler laut Spielregel „nicht mehr von der Leinwand unterschieden werden können“. Es gewinnt der Spieler, der die meisten Punkte gewonnen hat.

Das Spiel hat etwas von einem Partyspiel, wobei durch die Größe der Leinwand eine natürliche Grenze der Spieleranzahl gegeben ist. Mehr als sechs Spieler führt zu einem heillosen Chaos (immerhin versuchen dann fünf Spieler gleichzeitig sich als Graffitikünstler). Viel Laune und viel Spaß macht es aber trotzdem.

Der recht hohe Preis dürfte dem – nicht unbedingt billigen – Spielmaterial geschuldet sein. Für den Spielspaß ist er aber auf jeden Fall angemessen.

Man muss nur aufpassen, dass man, wenn man Farben nachfüllt, auch wirklich wasserlösliche Farben verwendet…

Hersteller Gokiburi Games
Autor Gianuse‘n Mikaeru
Künstler Amusafija
Spieler 3-6
Denken 4
Glück 4
Geschicklichkeit 9
Preis ca. 17.400 Yen (zur Zeit nur in Japan erhältlich)

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