Aliens spielen Bridge

Flattr this!

PaiMiAhhh

PaiMiAhhhNach einer SPIEL spielen wir in der Redaktion gerne "heiteres Länderraten"; d.h., wir sehen uns die Spiele an, ignorieren bewusst die Herstellerangaben und versuchen zu erraten, aus welchem Land ein bestimmtes Spiel stammt. Bei diesem Spiel – dessen Titel auf keine bestimmte Sprache hinweist – tippten wir auf Korea (obwohl uns die Schriftzeichen nicht gerade als koreanisch vorkamen). Für chinesisch wollten wir das Spiel eigentlich nicht halten, mussten dann aber feststellen, dass der Herausgeber HomoSapiensLab als Taiwanese wohl doch unter chinesisch fällt.

Es ist ein Kartenspiel, auf dem mehr oder weniger quadratische Gesichter in verschiedenen Farben die Kartenwerte darstellen. Die Illustrationen wirken auf den unvoreingenommenen Betrachter eben tendenziell koreanisch-japanisch, was unseren Irrtum wohl erläutern dürfte. Schon beim ersten Überfliegen der Spielregel (ohne den Text zu betrachten, nur aus den Illustrationen) weckte PaiMiAhhh den Eindruck eine Bridge-Variante zu sein.

In der Spieleschachtel im Mitnehmspiele-Format steckte:

  • die Spielregel auf Chinesisch, Japanisch und Englisch
  • 45 Zahlenkarten
  • neun Spezialkarten (davon eine Starterkarte )
  • 30 Punkte-Marke
  • ein Bonusmarker
  • ein Trumpf-Marker
  • ein Standfuß

zu Spielbeginn werden die vier Spieler auf zwei Zweierteams aufgeteilt, sie sitzen sich auch wie bei Bridge am Tisch gegenüber. Die Punktemarker werden nach Farben getrennt und nach Wert sortiert in Spalten abgelegt, wobei der niedrigste Wert (die eins) ganz unten liegt und die sechs ganz oben. Die Zahlenkarten und drei Spezialkarten – im Normalfall die Starterkarte und zwei andere – werden gemischt und die 48 Karten gleichmäßig an die Spieler verteilt (je zwölf Stück).

Wie beim klassischen Bridge "ersteigern" die Spieler jetzt das Recht, als sozusagen Einzelspieler zu versuchen mindestens die Hälfte der Stiche des Spiels zu erringen. Wie bei Bridge muss man hierbei entweder mehr Stiche bieten oder genau so viele Stiche in einer höheren Farbe wie der bislang Höchstbietende. Und wie bei Bridge bietet man genau die Anzahl Stiche, die man mehr machen will als die Basis sechs Stiche, die genau das halbe Deck ausmachen. Hierfür wird der Trumpfmarker auf den..Punktemarkern entsprechend vorwärts bewegt. Für die Übersichtlichkeit steht auf diesen Markern noch rechts unten die genaue Zahlstiche, zu denen man sich verpflichtet.

Natürlich darf man während des Bietens niemandem verraten oder gar zeigen, was man auf der Hand hat.

Das Bieten endet, wie beim Bridge, wenn drei Spieler nacheinander gepasst haben, der Spieler an der Reihe also sein eigenes Gebot erhöhen müsste.

Den ersten Stich spielt jetzt der Spieler aus, der die Starterkarte hat – und muss auch genau diese Karte ausspielen. Bevor der Partner des Solospielers seine erste Karte ausspielt (auch wenn dies die Starterkarte sein müsste), muss er seine Karten offen legen und spielt anschließend in der laufenden Runde auf Zuruf des Einzelspielers, darf aber diesen auch nicht überstimmen. Auch dies also wie der Dummy beim Bridge.

Wie beim Bridge (oder beim Skatsspiel, Doppelkopf, oder ähnlichen Spielen) muss die angespielte Farbe, wenn möglich, bedient werden, wenn man das nicht tun kann, wirft man eben ab. Auch das Ausspielen eines Trumpfs oder einer Spezialkarte wird hier also als Abwerfen bezeichnet – mit gutem Grund. Wenn man nämlich eine Farbkarte abwirft, darf man sich den jeweils untersten Punktemarker der entsprechenden Farbe nehmen. Wenn die abgeworfenen Karte ein Trumpf ist, erhält man entsprechend den untersten Marker der Trumpffarbe, aber wenn auf diesem Marker der Trumpfmarker steht (der ja auch anzeigt, wie viele Stiche der Einzelspieler machen will), wird die Spalte der Trumpffarben-Marker von oben her abgebaut.

Die Runde endet, wenn alle zwölf Stiche ausgespielt sind. Zunächst wird überprüft, ob der Einzelspieler sein Gebot erreicht hat. Beide Parteien erhalten für jeden Stich so viele Punkte wie der Punkt-Marker angibt, auf dem das Gebot verzeichnet ist – der Einzelspieler aber nur, wenn er sein Gebot auch tatsächlich erreicht hat.

Außerdem erhält jede Seite die Punkte aus den Punktmarkern, die sie durch Abwerfen gewonnen hat.
Das Spiel endet, sobald eine Seite 150 Punkte erreicht – allerdings ist es ja möglich, dass beide Seiten gleichzeitig über 150 Punkte kommen, in dem Falle gewinnt die Seite, die mehr Punkte gewonnen hat.

Die Spezialkarten verändern das Spiel noch ein wenig. So gibt es eine Karte, die als "Trumpf-0" zählt, eine Karte, die den aktuellen Stich auf jeden Fall gewinnt, eine Karte, die die Spielrichtung ab dem nächsten Stich für die ganze laufende Runde umdreht, eine Karte, die eine Spalte Punktemarker aus der Auslage entfernt, eine Karte, die dem Gewinner des aktuellen Stichs Bonuspunkte gibt usw.

Die Auswirkung einiger dieser Karten wird gerne unterschätzt. So dürfte erst dem geübten Bridgespieler auffallen, dass ein Umdrehen der Spielrichtung so manches im Bridge übliche Manöver kaputtmacht. Auch muss man die Auslage mit Punktemarkern im Auge behalten, denn je mehr Karten einer Farbe bereits abgeworfen wurden, desto mehr werden die Punktemarker wert.

PaiMiAhhh teilt mit vielen Variationen auf einen Klassiker das Schicksal, das Spieler des Klassikers die Varianten nicht mögen, weil sie das Original verändern, während Leute, die den Klassiker nicht spielen (bzw. nicht mögen) auch die Variante nicht mögen. Ich persönlich mag solche Varianten aber, und habe schon in einigen Fällen durch die Variante eine bessere Einsicht in das "Originalspiel" erhalten.

Entsprechend kann ich für dieses Spiel auch nur eine Empfehlung aussprechen, man muss sich nur im klaren sein, dass Bridge-Puristen hier eine ganz andere Meinung hegen dürften. Man kann das Spiel auch als Zwischendurchspiel am Spieleabend spielen, aber auch wie bei Bridge oder Skat einen ganzen Abend damit verbringen.

Hersteller Homosapiens Lab
Autor Chih-Fan Chen
Künstler Chih-Fan Chen
Spieler 4
Denken 9
Glück 6
Geschicklichkeit 0
Preis ca. 14 €

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.