Aus dem Prager Umland

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Böhmische Dörfer

Böhmen ist nicht nur die Heimat manch braven Soldaten, es ist auch bekannt für gutes Bier – und für ziemlich schwer verständliche Sprache. So sagt man gerne „das sind für mich böhmische Dörfer“, wenn man etwas nicht versteht, was sich darauf bezieht, dass die Ortsnamen der Dörfer in Böhmen für das deutsche Ohr gerne einmal etwas ungewohnt klingen.

Wer jetzt erwartet, in einem Spiel mit dem Titel Böhmische Dörfer ginge es jetzt beispielsweise darum, auf einer Landkarte entsprechende Orte zu finden, irrt. Stattdessen lässt der dlp-Verlag aus Herzogenrath die Spieler eher als Dorfschulzen oder Ältestenrat einer Schicksalsgemeinschaft mehrerer Dörfer selbige ausbauen, auf dass diese produktiv werden mögen

In der Spieleschachtel findet sich:

  • die Spielregel auf Englisch und Deutsch
  • 81 Münzplättchen
  • ein Bischofs-Plättchen
  • 6 Mehl-Plättchen
  • 7 Glas-Plättchen
  • 8 Wirtshaus-Plättchen
  • 7 Sonderaktionsplättchen
  • 5 Übersichtskarten
  • 9 böhmische Dörfer
  • 65 Holzfiguren (je 13 in fünf Farben)
  • 4 Würfel

die Würfel sind einfache Sechsseiter, die Holzfiguren Standard-Meeple. Alles andere steckt in Stanzbögen, aus dem sich die Marker aber gut herauslösen lassen.

Zu Spielbeginn werden, je nach Spieleranzahl, sechs bis alle neun Dörfer ausgelegt, wobei nicht beachtet wird, welche Seite der Dorfkarten oben liegt – auf den Karten sind auf Vorder- und Rückseite verschiedene Dörfer abgebildet mit entsprechend unterschiedlichen Gebäuden im Dorf.

Wer an der Reihe ist, würfelt einmal mit allen vier Würfeln. Aus diesen Würfeln kann man eine oder zwei Summen aus jeweils mindestens zwei Würfeln bilden, die den Zahlen an den Gebäuden entsprechen. Einzelne Würfel verfallen. Anschließend setzt der Spieler je eine Figur auf ein Haus, dass der gebildeten Summe entspricht; dies darf in jedem beliebigen ausliegenden Dorf geschehen. Gibt es von einer Gebäudeart keine freien Gebäude mehr, darf/muss man eventuell eine bereits bestehende Figur aus dem Gebäude entfernen. Ausnahme: Figuren auf Herrenhäusern (zwölf) sind auf jeden Fall sicher. Zu verschiedenen Zeitpunkten im Spiel kommt es zu Zwischenwertungen, zu denen erste Siegpunkte verteilt werden in Form der Münzen.

Wenn die letzte Mühle oder die letzte Manufaktur besetzt wird, kommt es zu einer Zwischenwertung, bei der alle Spieler, die die entsprechende Gebäudeart besetzt haben, Punkte erhalten; die Figuren dieser Spieler in dieser Gebäudeart wandern zurück an ihre Besitzer.

Wie viele und welche Punkte es für welche Gebäudeart gibt, kann man in der Spielregel nachlesen, für die schnelle Orientierung während des Spiels sind die Übersichtskarten gedacht, die man während des Spiels immer wieder zu Rate ziehen muss.

Für weitere Planungen ist auch der Bischof interessant: wenn man während seines Zuges einen Pausch als Summe bildet, darf man hiermit anstelle eines Gebäudes
auch den Bischof an sich nehmen – auch dann, wenn er zur Zeit bei einem anderen Spieler liegt. Wenn man während des Spiels an die Reihe kommt, mindestens eine Kirche besetzt hält, und zusätzlich noch das Bischofsmärkchen bei sich liegen hat, erhält man für jede eigene Kirche einen Taler (=Siegpunkt). Natürlich werden die Mitspieler versuchen, einem den Bischofsmarker wieder wegzunehmen, bevor die Runde zu Ende ist…

Wenn ein Spieler an den Zug kommt, der keine eigene Figur mehr vor sich liegen hat (der also alle Figuren in den Dörfern stehen hat), endet das Spiel sofort. In der Abschlusswertung erhält man dann noch einige zusätzliche Siegpunkte, es gewinnt, wer die meisten Siegpunkte gesammelt hat.

Der Spielmechanismus ist in seiner Grundlage relativ simpel: Würfeln und Einsetzen, eventuell Mitspieler herausschmeißen und Siegpunkte sammeln. Hierbei ist eine mögliche Strategie, abzuschätzen, wie man vielleicht in späteren Runden über Zwischenwertungen Siegpunkte sammeln kann und gleichzeitig wieder Figuren zurückerhalten, mit denen man dann vielleicht weitere Siegpunkte gewinnen kann. Ärgerlich ist es dann, wenn ein anderer Spieler seine Figuren gerade für die Entwertung gezielt platziert und und damit mehr Punkte verdient als die Spieler, die auf Zwischenwertungen setzen.

Welche dieser beiden Basis-Taktiken besser ist, bzw. mit welchen Gebäuden man im Endeffekt mehr Siegpunkte sammeln kann, ist von Spiel zu Spiel unterschiedlich – zum Teil ist es zum Teil ist es davon abhängig, welche Dörfer und welche Gebäude damit ausliegen, es liegt aber auch an den Taktiken der Mitspieler, was man tun sollte. Und die Würfel sprechen auch ein gewichtiges Wort mit.

Genau dieser Faktor störte auch die Vielspieler in meiner Testrunde. Die Spieler hatten das Gefühl, von den Würfeln häufig zu bestimmten Aktionen gezwungen zu werden und keine eigenen Entscheidungen treffen zu können. Dieser Eindruck ist sicher nicht ganz von der Hand zu weisen, obwohl man ohne weiteres während des Spiels eine Menge Möglichkeiten zur Auswahl hat, was man denn gerade Unternehmen will. Nach ein paar Partien um das Spiel kennenzulernen entwickelten die Spieler aber eigene Strategien.Die Tiefe des Spiels wurde erst nach einer Anzahl Partien deutlich.

Man benötigt sicher mehr als nur ein, zwei Spiele, um eine gute Einsicht zu haben, welche Möglichkeiten einem das Spiel gibt. Böhmische Dörfer ist daher sicher kein Spiel, über das man gleich nach der ersten oder zweiten Partie urteilen sollte, man sollte es erst einmal näher kennenlernen. Dann dürfte es auch dem Vielspieler gefallen; Gelegenheitsspielern gefällt das Spiel sicher schneller.

Dass eine Partie bei uns ungefähr eine halbe Stunde dauerte, macht es sicherlich etwas einfacher, erst das Spiel kennen zu lernen, bevor man ein Urteil fällt. Allerdings können Analyseparalytiker mit dem Spiel Probleme haben, was durch die Tatsache noch erschwert wird, dass man seinen Zug kaum im Voraus planen kann, eben weil man von den Würfeln abhängig ist.

Ich finde, man sollte sich nicht vom Würfelmechanismus abschrecken lassen, denn das Spiel ist alles andere als ein reines Glücksspiel.

Hersteller dlp games
Autor Reiner Stockhausen
Künstler Klemens Franz
Spieler 2-5
Denken 5
Glück 8
Geschicklichkeit 0
Preis ca. 29,95 €

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