Tag Archiv für GB

Scrabble Hand

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Juggler

Als Journalist hat man’s bei "Juggler“ möglicherweise etwas leichter – denn hier geht es um Wortakrobatik, im wahrsten Sinne des Wortes. Wohl dem, der einen gut sortierten Wortschatz sein eigen nennt, und der auch gut improvisieren kann – Juggler stellt den Spielern die Aufgabe, mit Buchstaben, die sie – per ausgeteilten und nachher gezogenen Karten – erhalten, möglichst wertvolle Wörter zu bilden.


Zu Beginn bekommt jeder Spieler eine Handvoll (schwarzer) Konsonanten, und kann diese Hand in jeder Runde wahlweise um einen weiteren Konsonanten oder einen (roten) Vokal ergänzen, und einen (ungewünschten) Buchstaben – offen – ablegen. Wer an der Reihe ist darf dann auch – statt blind zu ziehen – einen solchen offenen Buchstaben aufnehmen. So entstehen nach und nach Worte auf den Händen der Spieler, und wer "sein“ Wort zusammenhat, und meint, es wäre wertvoll genug, kann die Runde beenden, wonach jeder noch einmal ziehen und/oder ablegen darf, und dann wird abgerechnet – klingt simpel? Das Grundprinzip ist es auch, aber hier gibt es durchaus taktischere Möglichkeiten als zB bei Scrabble (wer da gut ist, ist hier allerdings auch nicht gerade schlecht aufgehoben). Denn bei der Abrechnung zählen die Werte der Buchstaben des gebildeten Wortes als Pluspunkte, und die der nicht verwendeten, die man nicht ablegen konnte, als Minuspunkte. Punktewerte der Buchstaben variieren (und das sogar nach Sprache – ebenso wie die Häufigkeit; mit dem getesteten Set lassen sich Decks für Deutsch, Englisch und Französisch zusammenstellen); ein E oder N ist beispielsweise nur 1 Punkt wert, ein X hingegen 8 – Oh, du hast ein Currymix auf der Hand? Teures Wort… aber auch der "Lattenzaun“ beim ersten Test auf der SPIEL war wohl eindrucksvoll (wenn er auch in der letzten Sekunde zustandekam).

Juggler ist ein recht kurzweiliges und dennoch anspruchsvolles "Zwischendurchspiel“ – die geschätzte Spieldauer ist 20 Minuten pro Teilnehmer, und das stmmt auch grob. Man spielt einfach, bis einer die vereinbarte Punktzahl erreicht (70 Punkte werden vorgeschlagen, und wenn das Prinzip einmal bekannt ist, "jongliert“ man auch recht fix mit den Buschstaben. Gut bedient ist natürlich der, der schnell umdenken kann, wenn man irgendwelche Buchstaben einfach nicht bekommt – ihr wollt "stuendlich“ bauen und es kommt einfach kein T? Dann werft ihr eben das N weg und bastelt "suedlich“ – um mal ein Beispiel zu nennen… oder ein anderes… wenn das G für die "Laubsaege“ fehlt, aber ein U und ein R ausliegen, kurz umjonglieren – und man hat "Blausaeure“ – auch nett… Wer hier den Fehler macht zu unflexibel auf ein bestimmtes Wort hinzuarbeiten, wird wohl eher verlieren, vor allem, wenn die Mitspieler vielleicht etwa ahnen, was einem fehlt und entsprechende Buchstaben dann "mauern“… Glücksfaktor ist zwar vorhanden, aber eher gering – es gibt ja handlicherweise auch eine Liste, wo man sehen kann, wie oft welcher Buchstabe überhaupt vorhanden ist – also kann man durchaus ein wenig auf die Zugstapel "spekulieren“.

Insgesamt ein schönes Spiel für wenig Geld, und vom Format eben ein einzelnes Kartenspiel – paßt in jede Jackentasche.

Hersteller Grahams Games
Autor Graham Lipscomb
Spieler 2-6
Denken 7
Glück 2
Geschicklichkeit 0
Preis ca. 6,25 £

Spiel – Tag 2

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Die 'Großen‘

Heute war also der zweite Tag der Internationalen Spieltage. Wie auch voriges Jahr haben wir diesen Tag genutzt, um uns um die Hallen 10-12 zu kümmern. Leider haben wir hier nicht die ganze "Strecke“ abgejagt, irgendwie ist uns die Zeit davongelaufen. Dennoch haben wir einiges interessante gesehen – und hoffentlich auch ein paar Kontake erneuern können.

Aber bevor ich mit den Spielen beginne, möchte ich auch auf diesem Weg noch einmal Friedemann Friese gratulieren, der vor wenigen Tagen seine Familie vergrößert hat…

Schmidt Spiele (zu denen auch Drei Magier und Hans im Glück gehören) hatte wie üblich eine Reihe Spiele. Boxxy ist ein schnelles Spiel mit Buchstabenwürfeln, das die Würfel in einem großen Plexiglawürfel hat, in dem auch die Sanduhr steckt. So kann man keine Teile verlieren. Die verbotene Insel stellt eine Erforschung einer Ruinenstadt nach, in dem die Spieler in verschiedenen Rollen eine ständig von Überflutungen bedrohte Insel untersuchen. Qwirkle ist ein leicht Scrabble-artiges Legespiel um Formen und Farben. In Loch Ness versucht man, seine Fotografen so am Ufer des Sees aufzustellen, dass man ein Fopto von nessie schießen kann. Natürlich ist Nessie selten zur Mitarbeit bereit…

Bei Out Of The Box sahen wir die Englische Version eines Spiels, das wohl im Laufe des nächsten Jahres auch auf Deutsch erscheinen wird: in Word on the Road sucht man Worte, um die Buchstaben in diesem Wort 'auf die eigene Seite zu ziehen'.

Bei Jumbo sahen wir vor allem Logo – das große Spiel der Marken, ein Quizspiel um Marken und Logos, das schwieriger sein soll als es auf den ersten Blick erscheint. In Bin ich Beethoven wird das alte Partyspiel, bei dem jemand einen Namen auf der Stirn trägt (so dass er den Namen nicht selbst lesen kann) und diesen herausfinden muss, mit einem Mini-Computer verknüpft, der die Worte in schneller Folge vorgibt.

Hiku-Spiele – der Verlag, der für seine Materialien (Lederbeutel, Halbedelsteine) und seine schönen Spiele bekannt ist, hat insgesamt fünf neue Spiele. Hierbei waren unter anderem Schäfchen ins Trockene, bei dem man als Schäfer versucht, seine Schafe zu vermehren und aus dem Gehege zu treiben.

Ravensburger zeigte unter anderem das Spiel Phase 10 – das Brettspiel, ein Spiel, das die Mechanik der wechselnden Regeln aus Phase 10 auf Brettspiele umsetzt.

Möglicherweise der Hauptgrund, dass uns die Zeit so knapp wurde, war Adlung Spiele. Der Herausgeber von kleinen Kartenspielen hatte wie üblich eine Menge neues zu sehen. Zum Beispiel Heiss auf Eis, bei dem Eishörnchen gebaut werden, Quirrly, ein Spiel, bei dem man aus verschiedenen Stapeln auf dem Tisch eine Reihe von aufeinanderfolgenden zahlen in der richtigen Reihenfolge finden muss, oder auch Haflinger & Co., ein Auktionsspiel um Pferde, das nicht nur für Mädchen interessant ist.

Mille Grazie entführt uns nach Norditalien. Zoch bietet hiermit ein Routenplanungsspiel, bei dem man nicht nur seine eigenen Routen sinnvoll planen muss, sondern sich nebenbei auch als Wegelagerer zu Lasten der  Mitspieler betätigen muss, um zu gewinnen.

Neben den 'Großen' sind ja auch immer eine Reihe kleiner Verlage immer an derselben Stelle zu finden. So hat der aktuell-spiele-verlag an der üblichen Stelle mit Gefährlich ehrlich ein Kommunikationsspiel, bei dem man nur sehr wenig reden muss.

Nach langer Zeit hat Franjos auch wieder ein neues Spiel: Cinco ist ein Legespiel, bei dem man mit Karten versucht, eine Fünferreihe zu legen. Trotz der Karten ist der Zufallsfaktor nur sehr gering.

Steffen Spiele hat mit Scho K.O. ein Legespiel für zwei Spieler, bei dem mit Schokoladequadraten aus weißer und Zartbitter-Schokolade große Flächen gelegt werden.

Dies waren, wie üblich, nur die Sachen, die am meisten ins Auge gefallen sind. Wie in allen Hallen gibt es aber noch viel mehr Interessantes zu entdecken. Wer also noch zweifelt: auch an den traditionell 'volleren' Tagen Samstag und Sonntag lohnt der Besuch sich noch, und das Fehlen von unter anderem Games Workshop scheint auf den Platz pro Besucher einen guten Einfluss zu haben.

Spiel – Tag 0

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Pressekonferenz, Vorschau

Wie jedes Jahr, war auch heute wieder am Vortag der Messe-Eröffnung die Pressekonferenz und Eröffnung der Neuheitenshow. Außerdem sehen wir uns dann immer schon die Hallen ein erstes Mal an, auch um evtl. noch Termine zu vereinbaren, um mit Herausgebern zu sprechen.

Die Pressekonferenz brachte wenig überraschendes: wie noch jedes Jahr ist die SPIEL auch dieses Jahr wieder weiter gewachsen: 786 Aussteller aus 32 Nationen sind ein neuer Rekord, und mittlerweise sind beinahe die Hälfte der Aussteller (45 Prozent) aus dem Ausland. Vor allem der asiatische Raum – und hier zur Zeit anscheinend besonders China – stellt den größten Wachstumssektor.

Interessant war auch ein Kommentar von Michael Hopf von der Fachgruppe Spiel, der auf die Frage nach Exportumsätzen zugeben musste, dass es kaum physischen Export gibt, und dass der Transfer von Lizenzen traditionell nicht im Exportgeschäft mitgezählt wird.


Es sollen insgesamt mehr als 650 'neue Spiele' vorgestellt werden, wobei die SPIEL als 'neu' ein Spiel bezeichnet, das seit der letzten SPIEL erschienen ist, also zum Beispiel auch die Neuheiten aus Nürnberg mitzählt.


Die Neuheitenshow ist zwar immer noch sehr interessant, krankt aber seit einigen Jahren unter einer steigenden Neigung der Aussteller, die Spiele dort aufzubauen und anschließend wieder auf ihren Ständen zu arbeiten. Gefühlt 50 Prozent der Stände waren verwaist, so dass auch interessant aussehende Spiele zum Teil wenig Interesse finden konnten.


Ein paar Spiele sind mir aber dennoch sowohl auf der Neuheitenshow als auch in den Hallen aufgefallen, die ich in den nächsten Tagen auf jeden Fall noch näher ansehen will.


So hat Out Of The Box Games – der Verlag, der u.a. John Kovalic gehört – die Konkurrenten zu Ninja vs. Ninja herausgebracht – in Pirate versus Pirate streiten insgesamt drei Piratenmannschaften um Gold, Rum und Ehre.


Über Alkohol gesprochen: Wattsalpoag hat mit Last Call ein 'Spiel für Bartender' – ein schnelles Spiel um Mixgetränke.


Auch die neuen Spiele der Lego-Reihe sehen interessant aus: Hogwarts hat natürlich den Vorteil der literarischen Vorlage, aber auch Shave a Sheep sah sehr interessant aus, und punktet natürlich auch durch die Niedlichkeit.


Bei Kosmos gab es einiges Neue, das interessanteste waren wohl zum einen die Neuauflage der Siedler – und einer Schokoladenmarkt-Erweiterung, die wohl ausschließlich über Ritter Sport erhältlich sein soll -, zum anderen Schwarzer Freitag von Friedemann Friese.


Improvisationstheater ist in manchen Spielen ein Bestandteil, aber nur bei Freeze von Be-Witched das Hauptthema – und alle Teilnehmer nehmen auch in Rollen daran teil…


Die Gebrüder Lamont von Fragor haben eine neue Tierart in ihren Spielen – der Titel Antics! sagft wohl schon genug. Es sah  wieder aus wie ein komplexeres Spiel als das letzte. 


Eine wunderschöne Verpackung hat Captain Jacks Gold von Noris/Goldsieber: eine metallene Schatzkiste, und auch das Material sah sehr schön aus.


Tuonela Games zeigt unter anderem ein Update zu The Club: Unter dem Titel 'DJ Set' soll der Wertungsmechanismus verständlicher werden.


Mehr über diese und andere Spiele ab morgen, wenn die eigentliche Messe ihre Pforten öffnet.



Weltgeschichte, einmal anders

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A Brief History of the World

Das Spiel History of the World hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Ursprünglich von den Ragnar Brothers herausgegeben, wurde es von Gbison Games, später von Avalon Hill herausgebracht und unter letzterem Label berühmt. Zwischenzeitlich lagen die Rechte dann auch noch bei Hasbro, sind aber mittlerweile wieder bei den ursprünglichen Herausgebern gelandet. Zu den Internationalen Spieltagen dieses Jahr wurde dann eine neue Ausgabe herausgebracht, mit einigen auffallenden Veränderungen.

Diese Veränderungen waren allerdings wohl auch nötig. Immerhin hatte das 'klassische' History of the World nicht zu Unrecht den Ruf eine Wochenendunternehmung zu sein, ähnlich lange wie beispielsweise eine Partie Diplomacy. Mit der neuen Version soll das Spiel jetzt schneller gehen, und auch für 'normale' Spielabende geeignet sein. (Übrigens: wenn ich hier von der 'alten' Version spreche, meine ich damit die von Avalon Hill, obwohl die Unterschiede zwischen den vier 'alten' Versionen m.W. eher kosmetischer Natur waren.)

Die beste Nachricht gleich vorweg: das Spiel läuft tatsächlich deutlich schneller. Das heisst nicht, dass es ein schnelles Spiel geworden ist: pro Mitspieler muss man etwa eine halbe Stunde rechnen, und die 'Einarbeitungszeit' für Neulinge ist hierin noch nicht enthalten. zwei bis dreieinhalbe Stunde bei Kennern, bzw. bis zu viereinhalb Stunden bei vielen Neulingen sind aber schon ein großer Schritt verglichen mit dem 'klassischen' History of the World.

Dies wird auf mehreren Wegen erreicht, die an gegebener Stelle dann auch kurz angesprochen werden.

Das Spielmaterial in der Schachtel ist schön geworden. Das beginnt damit, dass es nicht mehr Pappcounter für jeder einzelne Volk gibt, sondern Plastikspielsteine für jeden einzelnen Spieler. Diese sehen aus wie kleine Säulen mit einer Büste darauf, und sind verglichen mit den alten Pappchips nicht nur angenehmer sondern auch übersichtlicher.

Insgesamt findet man in der Schachtel

  • ein Spielbrett
  • ein 'Zugbrett' (Array), auf dem der Spieler, der an der Reihe ist, die aktiven Armeen vor- und auch eine Reihe anderer Details nachhalten kann
  • ein Setzbrett (Epoch chart)für die Imperiums- und Ereigniskarten der einzelnen Perioden
  • zweiundvierzig Imperiumskarten: sechs Epochen zu je sieben Karten
  • 180 Spielsteine
  • 54 Ereigniskarten
  • 6 Übersichtskarten über die Epochen
  • 130 Plattpöppel für Forts, Monumente etc.
  • 6 Würfel
  • 3 Stellfüße
  • die Spielregel in Englisch – eine Deutsche Version kann als PDF von der Herstellerwebsite heruntergeladen werden.

Die Papppöppel muss man vor Spielbeginn aus vorgestanzten Kartons herausholen, wobei man feststellt, dass die Stanzungen teilweise nicht sonderlich gut funktionieren. Mir sind beimn Auspöppeln bereits zwei Monumentencounter teilweise zerfallen – was bei echten Monumenten ein Gütezeichen ist, ist hier doch eher nachteilig. Auch die anderen Pöppel waren meist schwer aus dem Stanzbogen herauszuholen, die Ansatzpunkte blieben auffällig, und in einem Fall kam sogar ein weing vom Stanzbogen mit dem Counter mit.

Zu Spielbeginn werden die Imperien und Ereigniskarten nach Epochen sortiert, und von jeder Kombination werden so viele Karten verdeckt gezogen und auf die Epoch chart gelegt wie Spieler dabei sind, die übrigen Karten werden unbesehen weggelegt. Dies führt dazu, dass in jeder Epoche mindestens ein Imperium nicht dabei ist. Ein 'Startspieler' wird ausgelost, dieser setzt einen speziellen Marker auf den Punkt 1 einer Siegpunktekarte, die das Spielfeld umläuft, die folgenden Spieler setzen ihren Marker jeweils auf das niedrigste noch freie Feld. Hiermit wird dann auch gleich eine Zugreihenfolge für die erste Runde bestimmt, die genauso funktioniert wie in den weiteren Runden. Auch funktionieren die Siegpunkte gleichzeitig als Gold für bestimmte Aktionen.

Eine beginnt damit, dass die Spieler sich jeweils ein Imperium und ein Ereignis aus der jeweiligen Epoche aussuchen – und wirklich aussuchen. Beginnend mit dem Spieler mit den wenigsten aktuellen Siegpunkten sucht sich jeder Spieler ein Imperium aus den noch verbleibenden im Stapel aus, gleichzeitig suchen die Spieler sich ein Ereignis aus dem Ereignisstapel aus, wobei hier der Spieler mit den meisten Siegpunkten beginnt. Dies sollte wirklich gleichzeitig geschehen, sprich: das Weitergeben der Karten an den nächsten in der Reihe sollte parallel geschehen, da man sich sonst durch Abwarten einen Vorteil verschaffen kann. (Im Original war die Verteilung wesentlich glücksabhängiger)

Auf den Imperiumskarten und auf den Epochenübersichten steht angegeben, in welcher Reihenfolge die Imperien gespielt werden. Auch steht dort vermerkt, wie viele Einheiten dem jeweiligen Imperium zur Verfügung stehen, um Gebiete zu erobern. Dies geschieht üblicherweise mit zwei Angriffswürfeln gegen einen Verteidigungswürfel, wobei bei mehreren Würfeln nur der beste Wurf zählt. Allerdings gibt es Modifikatoren zur Anzahl der Würfel – Überseeangriffe haben einen Würfel weniger, ein Fort gibt einen zusätzlichen Verteidigungswürfel, einige Völker haben einen Ergebnisbonus, wenn der Wurf erfolgreich war. Das Spiel wird dadurch schneller, dass der Verteidiger 'überrannt' werden kann. Hierbei werden überschüssige Würfelaugen verwendet um weitere Gebiete zu erobern, in denen Einheiten desselben Verteidigers stehen (keine Forts).

Früher hatte man Marker, die angaben, aus welchem Imperium Einheiten stammte. hiermit sollte verhindert werden, dass Imperien (unbgewollt) Einheiten früherer Imperien benutzten um sich auszubreiten. Mit den Staturen ist das nicht mehr nötig: das 'aktive' Imperium hat stehende Figuren, sobald ein Imperium abgehandelt ist, werden die Figuren hingelegt. Man sieht also sofort, wo das aktuelle Imperium sich ausweiten kann.

Man kann auch Imperiumseinheiten in Forts umwandeln, was die Verteidigung des Landes verbessert, aber die Ausdehnung des eigenen Imperiums behindert.

Die Taktik wird noch verfeinert durch die Ereigniskarten, mit denen teilweise kleine Imperien zusätzlich aufs Spielfeld kommen, oder die andere Boni geben. Für viele dieser Karten muss man Gold (Siegpunkte) ausgeben, um sie einsetzen zu können, so dass man den Einsatz genau planen sollte – wenn man weniger Punkte machen kann als der Einsatz kostet, lohnt es eben nicht. Hierbei muss man auch noch unterscheiden zwischen Ereigniskarten, die in der betreffenden Epoche ausgespielt werden müssen, und solchen, die man aufbewahren kann. Leider sind diese Unterschiede nicht allzu deutlich auf den Karten zu erkennen – die Farbe, mit der die Epoche angegeben wird, ist der einzige sichere Hinweis.

Direkt nachdem ein Spieler seine Runde beendet hat, werden alle Gebiete, in denen er Eingluss hat, bewertet, und der Spieler erhält Gold dafür. Dabei verändert die Wertigkeit der Gebiete sich im Laufe der Zeit, was zwar in der jeweiligen Runde über Chips angezeigt wird, aber leider nicht in einer Übersicht zu finden ist – für eine Zukunftsplanung leider nicht sehr nützlich. Es gibt Punkte, wenn man in einem Erdteil (oder Teil eines solchen, wie Nordeuropa)

  • anwesend ist
  • die Mehrheit der Einheiten besitzt (mindestens 2, mehr als jeder andere Spieler für sich)
  • Alleinherrscher mit mindestens drei Armeen ist

Außerdem gibt es Gold für Monumente und Städte, die man besitzt (und die bei späteren Eroberungen langsam vernichtet werden).

Wenn am Ende einer Epoche mehrere Spieler gleich viel Gold haben (die Marker aufeinander liegen), werden die Marker am Ende aufgeteilt, indem der jeweils oberste Marker auf den nächsten höheren leeren Punkt auf der Goldskala gezogen wird. Dann gibt es Bonuschips für die drei höchsten Zwischenergebnisse, die ein bis drei Siegpunkte wert sind, aber erst zu Spielende aufgedeckt werden und bis dahin auch nicht in die Berechnung der Reihenfolge eingehen. Nach den sechs Epochen (und der sechsten verteilung der Bonustokens) werden die Bonuspunkte zu den aktuellen Punkten hinzugezählt, der Spieler mit den meisten Punkten ist der Sieger. Da die Bonuspunkte als letztes bewertet werden, kann es also geschehen, dass zwei Spieler doch auf demselben Zähler des Bonustracks landen. In dem Fall ist es tatsächlich ein Unentschieden.

Die Plazierung der Siegpunkteskala ist ein wenig unglücklich gewählt – es geschieht doch recht leicht, dass man mit einem Ärmel einen Marker ungewollt verschiebt. Ansonsten ist das Spielmaterial und das Lay-out sehr angenehm und gefällt mir besser als in der alten (Avalon-Hill-)Version, die ich kenne.

Das Spiel scheint recht gut ausgewogen zu sein, was die Bonuspunkte, die Kartenverteilung und so weiter betrifft, und jeder einzelne Spielerzug ist deutlich schneller vorbei als früher, ohne dass das Spiel an Reiz verliert. Die Landkarte wurde deutlich überarbeitet: es gibt wesentlich weniger einzelne Gebiete, damit geht einher, dass die Imperien auch weniger Truppern zum Einsatz erhalten. Zusätzlich sind eine Reihe Imperien 'degradiert' worden um auf sechs Epochen statt sieben zu kommen – vor allem die Niederländer wird es ärgern.

Schade ist nur, dass man nach einem Zug nicht mehr sieht, welche Einheit ursprünglich aus welchem Imperium stammt. In der alten Version konnte es ohne weiteres geschehen, dass beispielsweise Rom bis zum Ende des Spiels eine 'Kolonie' in China hatte, die einfach nicht verschwand. Das kann zwar immer noch mit viel Würfelglück geschehen, ist aber wesentlich weniger auffällig als früher. Allerdings ist das Würfelglück ein eher kleiner Teil der Gewinnstrategie – gute Planung, Kriegsführung, Einsatz der Ereigniskarten und Erkennen von Möglichkeiten spielen wie beim klassischen Vorgänger eine wesentlich größere Rolle.

Durch die Straffung des Spielverlaufes wird History of the World hiermit endlich auch für Otto Normalspieler spielbar, aber auch der Experte wird das Spiel mögen. Mir gefällt es jedenfalls deutlich besser noch als das Originalspiel. Der relativ hohe Preis wird durch das Material und die Regeln mMn gerechtfertigt.

Hersteller Ragnar Brothers

Autor

Steve Kendall, Phil Kendall, Gary Dicken

Spieler

3-6

Denken

8

Glück

4

Geschicklichkeit

0

Preis

43,95 €

Spiel – Nachlese

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Anekdoten und Kommentare

Gestern ging, wie wohl bekannt, die SPIEL für dieses Jahr zu Ende. Noch sind die wichtigen zahlen nicht allgemein bekannt gegeben worden, aber die Händler und Aussteller, mit denen wir gesprochen haben, waren durch die Bank sehr zufrieden.

Aber nicht nur die Spiele selber waren interessant, es gab auch eine Reihe kleiner Begebenheiten und Erscheinungen, die genannt werden sollte, bzw. einen kommentar hervorrufen sollten. Eine Übersicht über die Umgebung, sozusagen.

Das fing damit an, dass eine Reihe Stände, an die man sich gewöhnt hatte, dieses Jahr nicht oder nicht am gewohnten Platz zu finden waren. Games Workshop war gar nicht auf der Messe vertreten, Hasbro nur mit einem winzigen Stand. Auf dem GW-Gebiet stand diesmal Udo Graebe, sowie ein paar kleine Stände, die sich auch auf dem früheren Stand von UGG ausbreiteten. Im Rollenspielbereich vermisste ich persönlich auf jeden Fall noch die Leute von der Odyssee e.V., den Drachenland-Verlag … und einige Leute von den Internetforen, die ich frequentiere, und von denen ich gehopfft hatte, merhr Leute zu treffen.

Auf dem früheren Hasbro-Stand befand sich diesmal der Stand von Asmodée sowie von einer ganzen Reihe kleinerer französischer Verlage, die über Asmodée in Deutschland vertreiben. Mir gefallen die Spiele sowieso besser, da sie mehr zum denken anregen und weniger gezielt auf den mainstream gerichtet entworfen werden – was sie oftmals sogar für den Mainstream akzeptabeler macht als die 'zigste Umsetzung von Deutschland sucht das Pop-Idol im Dschungel (lasst mich hier 'raus).

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Sehr interessanter Neuaussteller für Brettspiele war Lego, das sich den Einstieg in die Brettspielwelt (nicht die Webseite) einiges hat kosten lassen – neun oder zehn Spiele von Knizia sind sicherlich nicht billig.

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Interessanter Anblick: eine ziemlich bekannte Illustratorin, die gegen elf Uhr einen winzigen Tisch halb im Gang aufbaute und noch einen Stuhl suchen musste, weil der Stand, an dem sie zeichnen sollte (sprich: der Aussteller, an dessen Stand sie 'auftreten' sollte) nanscheinend völlig vergessen hatte, dass er sie eingeladen hatte.

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Die Spielepreise waren akzeptabel – die Essenspreise oftmals nicht. Sie gingen in meinem Empfinden von 'leicht überhöht' bis hin zu 'unverschämt'. Wobei das dann auch davon abhängt, was man für Preise gewohnt ist. Ausnahme was das Slush-Eis von 13mann, das 'privat' hergestellt wurde und unschlagbar günstig abgegeben wurde :)

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Ich weiß, dass eine ganze Menge Leute als Besucher auf der Messe waren, die ich kenne. Gesehen habe ich dieses Mal kaum jemanden. Meist hörte man hinterher "ja, ich war heute da, wieso?“.

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Aus der Halle heraus sahen wir, wie am Eingang Tschenkontrolle war – wohl im Rahmen der Terrorbekämpfung. Seltsames Gefühl.

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Kam es mir nur so vor, oder sind die Sammelkartenspiele tatsächlich auf dem Rückzug? Die Hersteller waren so präsent wie eh und je, aber die Händler und Wiederverwerter waren deutlich weniger, fand ich.

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Seit wann tragen Geisterjäger Hörner?

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Die Zahl der 'Gewandeten‘, die nicht zu einem Stand gehörten, war zumindest gefühlt deutlich geschrumpft. Schade, weil das doch ein wenig Stimmung machte – auch wenn man nicht unbedingt alle Kostüme in den letzten Jahren gutheißen konnte. So manche Elfe…

Ich freue mich jedenfalls jetzt schon aufs nächste Jahr.

Spiel – Tag 4

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Abschlußarbeit

Und damit ist dann auch der 4. Tag zu Ende gegangen. Wir haben heute noch einmal so ziemlich alle Hallen abklappern müssen, um die Stände zu erwischen, die entweder vorher keine Zeit gehabt hatten, die uns noch einmal treffen woltlen, opder die wir beim ersten Mal aschlicht übersehen hatten.

Das ganze fing für uns dann schon beinahe eine Stunde vor Messeeröffnung an (Presse und Aussteller kommen früher 'rein – nicht sauer sein, das entzerrt das ganze ein wenig, wenn die Presse einen Teil der Arbeit bereits erledigt hat).

Die Czech Games Edition hatte zwei hübsche Spiele. Im einen, Mein Name ist HaseElch stellen die Spieler live Hasen bzw. Elche dar, die mit Karten angezeigt werden. Kein Spiel für Leute, die keinen Humor haben. Die Werft ist ein eher klassisches Aufbau- und Konstruktionsspiel um die Werften, die die ersten Dampfschiffe für Atlantiküberquerungen bauten. Dungeon Lords schließlich ist ein Spiel um die dunkle Seite der fantasy, also der Erbauer und Unterhalter von Dungeons.

Aus Italien, genauer von Scribabs und PostScriptum stammt Sator Arepo Tenet opera Rotas, ein Lege- und Laufspiel um eine uralte Bibliothek. Laufplanken werden gebaut und verschoben, und man versucht, wichtige Bücher in der Bibliothek zusammenzusuchen.

Ein ganz anderes Spiel ist das 2-Personen-Spiel Night and Day, bei dem man versucht, den Einfluss der eigenen (Tages- bzw. Nacht-)Seite auf dem Spielfeld zu vergrößern.

Ein einfaches Rollenspielsystem auf Kartenbasis (nicht Spielkarten: alles Spielmaterial ist auf Karten – Charaktere, Würfel, Räume, Monster etc.) ist Dash-in Dungeons von Wednesday Night Games. Einfach, schnell – und auch die verpackung enthält einige schöne Tricks, die man sich merken muss.

Von Fragor Games kommt Savannah Tails, ein Rennspiel in der Afrikanischen Savanne. Vom System erinnert es an die Snow Tails des letzten Jahres.

Sphinx, bekannt für etwas 'andere' Spiele, hat dieses Jahr mit Exorzisten ein Spiel um eben diesen Beurfsstand gemacht, bei dem man verschiedene, mehr oder weniger abscheuliche Dämonen vertreiben muss.

Von Prometheus waren alle angekündigten Spiele vorhanden. Ich habe mir ein Exemplar von Sundered Skies zwecks Rezension mitgenommen.

Goldsieber hatte zwei interessant aussehende Spiele mitgebracht: Pizza Paletti in einer Pizzadose, und Psychopet, das mich ein wenig an das Flash-Game Die Anstalt erinnerte, wobei es in letzterem allerdings um Plüschis geht, während es bei Psychopet um 'lebende' Haustiere geht.

Außerdem wurden noch das neue John Sinclair Rollenspiel von Ulisses und Caterpillar – Age of Tank von Visionary probegespielt und wussten beide zu gefallen. Letzteres widersetzt sich immer noch erfolgreich allen Bemühungen, es in eine Schulbade einzuordnen – und obwohl mir mehrere der Genres nicht so liegen, fand ich es dennoch sehr gut.

So weit meine ganz persönlich SPIEL 2009. Es gab noch einige Anekdoten, die ich demnächst einmal veröffentlichen werde, auch sind eine ganze Menge Spiele (auch einige, die in den Rundgängen nicht genannt wurden Doctor Who Wink) zur Rezension hereingekommen. Viel Arbeit für die nächste Zeit also.

Spiel – Tag 3

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´Kleinverlage

Es ist Samstagabend, und meine Füße spielen immer noch mit. Zumindest kann ich noch laufen, was nicht selbstverständlich ist an diesem Abend. Und das, obwohl wir heute mit vielen Leuten gesprochen haben und Kontakte geknüpft haben.

Ehrlich gesagt: wir haben mit so vielen gesprochen, dass ich wieder ernsthaft kürzen muss. Das heißt vor allem, dass auch interessante Spiele eventuell ausfallen, ganz einfach, weil mir der Platz fehlt…

Eines der auffälligsten Spiele für Experten war wohl A Brief History of the World von den Ragnar Brothers aus England. Das 'klassische' History of the World, das vor vielen Jahren von Avalon Hill herausgegeben wurde, stammt von denselben Autoren, hatte aber beklanntlich das Problem, dass es für den Normalspieler viel zu lange dauerte. Die neue Version soll deutlich kürzer gehen und einfacher zu verstehen sein.

Leicht zu verstehen ist sicherlich Beer and Pretzels von Bézier Games / Ted Alspach. Man wirft mit Symbolen bedruckte Bierdeckel in einen gemeinsamen Zielbereich, und jedes Symbol, das am Ende noch frei ist, gibt Punkte. Schnell und einfach zu verstehen, aber nicht ganz ohne.

Die neue Idee von Krimsus Krimskramskiste ist auch 'nicht ganz ohne‘: man kann sich auf Fantasy-Download ein Kartenspiel-Bauset herunterladen und dieses dann sleber erstellen.

Nmbrs ist ein einfaches Kartenspiel um mathematische Reihen.

Von Clicker kommt wieder einmal ein Logik-Denkspiel, das diesmal als Wettbewerb gespielt werden kann. Es geht hierbei um die Untaten eines gewissen Schinderhannes.

Onexeno von Penrose Press ist ein Domino-artiges Spiel mit quadratischen 4×4-Karten, das sich für Variationen des Grundspiels geradezu anbietet.

In Infinite City bauen die Spieler eine Großstadt à la Gotham. Die Regeln, die die Alderac Entertainment Group dafür erstellt hat, sorgen dafür, dass das Spiel kurzweilig und immer anders ist.

Aus Großbritannien importiert ist About Time – die Zeit hat die Fragen und Themen auf Deutsche Verhältnisse umgeschrieben.

In Geo200 geht es um die Länder der Erde – auf den Karten sind die Länder der Erde wiedergegeben, und die Regeln gehen von simpelen Mau-Mau-Varianten bis hin zu ziemlich komplexen Sammelregeln. Auch hier sind die Regeln frei anpassbar.

Die finnische Spieleschmiede Tuonela bietet eine ganze Reihe neuer Spiele, unter anderem Modern Society in dem die Gesellschaft der Zukunft gestaltet werden soll. Eher düster sind Inquisitio und Soul Hunters.

Es gibt viel mehr interessantes zu sehen, morgen ist ja noch ein Tag. Bis dann…

Spiel – Tag 2

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Die 'Großen‘

Heute war also der zweite Tag der Internationalen Spieltage. Im Gegensattz zu den letzten Jahren, in denen ich an diesem Tag durch die Hallen mit den kleineren Herausgebern gegangen bin (4, 5, 8, 9), habe ich dieses Jahr diesen Tag für die drei Hallen mit den 'Großen' (10, 11 und 12) reserviert. Das für morgen befürchtete Chaos (traditionell sind diese Hallen ja samstags und sonntags nur im Schneckentempo begehbar) hat mich zu dieser Umsetlluing veranlasst.

Auffällig war, dass auch hier einer der 'ganz Großen' durch Abwesenheit glänzte. Aber während Games Workshop seine Präsenz in Halle 6 komplett gestrichen hat, was dem verfügbaren Platz nur gut getan hat, ist Hasbro wenigstens mit einem Mini-Stand in Halle 9 vertreten. Dennoch ein wenig verwunderlich. Dafür machte sich auf dem Platz, der bislang Hasbro zur Verfügung stand, heuer Asmodée breit, sowie die zahlreichen Verlage (vornehmlich französischer Provenienz), die durch Asmodée in Deutschland vertreten werden.

Schmidt Spiele (zu denen auch Drei Magier und Hans im Glück gehören) hat wie üblich eine ganze Reihe Neuheiten an Bord. Interessant zum Solospiel sah Flip it aus, ein 3×3-Schiebepuzzle im Stil des klassischen 14-15-Puzzle von Sam Loyd … bei dem statt Plättchen Würfel verschoben werden, die auf den Seiten unterschiedliche Symbole tragen. Da sich durch geschicktes Drehen und Schieben der Würfel eine Unmenge Möglichkeiten eröffnen, dürfte der Spielspaß lange andauern. Zum Spield es Jahres Dominion gibt es sowhl eine – auch selbständig spielbare, aber auch mit dem ersten Dominion kombinierbare zweite Edition "Die Intrige“, sowie mit Seaside eine Erweiterung, die wiederum mit jedem der beiden Basisspiele kombiniert werden kann. Bei Car(d)cassonne wird das bekannte Prinzip um Gebietsausbau und -rekombination mit Karten realisiert – und mit, wie üblich, neuen, veränderten Regeln, die das Spiel wieder interessant machen. In Egizia versuchen sich bis zu vier Baumeister in einem taktischen Aufbauspiel als Architekten im Tal der Könige. Ein eher schnelles Spiel ist hingegen Würfel-Ligrettobei dem ein Würfel eine zusätzliche Rolle spielt.

Über schnelle Spiele gesprochen: nachdem out Of The Box letztes Jahr bereits höchstpersönlich vor Ort war, war ich angenehm überrascht, dass sie dieses Jahr wieder den weiten Weg aus den USA auf sich genommen haben, um ihre Spiele zu präsentieren. Auch wenn John Kovalic wieder nicht dabei war (der Nachwuchs scheint ihn wohl zu sehr zu beanspruchen), hatten man doch eine Reihe interessanter, schneller Spiele im Gepäck, die das Spielsystem von Ligretto nachahmen, aber gleichzeitig einiges Querdenken erfordern – so einfach wie bei Ligrette wird es einem hier nicht gemacht, seine Karten los zu werden. Sowohl Run Wild als auch 7 ATE 9 und Super Circles kommen in denselben Metalldosen, in denen auch schon Rock die Leute zum Querdenken animierte.

The Game Master hatte mit Amsterdam ein interessantes taktisches Spiel um die Touristenströme in der Stadt im Angebot.

Amigo hatte nicht nur die bekannten Kartenspiele im Rucksack, sondern mit Albion auch ein Spiel um die Besatzung Englands durch das Römische Reich. Auch vom anderen Brettspiel von Amigo gab es Exemplare – es versuchten auch einige Spieler, die Flucht von Atlantis in Lebensgröße nachzuspielen.

Bei Jumbo fiel vor allem Das Haus Anubis auf. Auf einem Spielplan, der jedesmal anders zusammengesetzt werden kann, erleben die Spieler Abenteuer ähnlich denen, die in der Fernsehserie auf Nick zu sehen sind (und die nachgespielte Episoden der original Niederländischen Erfolgsserie Het Huis Anubis sind).

Hiku-Spiele hatte ein paar kleine Neuheiten im Angebot – bei diesen Spielen reicht es dem Fan bereits zu wissen, dass auch sie wieder aus den bekannten Materialien bestehen (Lederbeutel, Halbedelsteine), und dass Orthogo, Hau wech! und so weiter wieder ganz nett aussehen.

Queen Games hat unter anderem mit Colonia ein strategisches Bauspiel um Köln im Angebot, und mit Cable Car ein Bauspiel um die besonderen Straßenbahnen un San Francisco, das nicht von ungefähr an das alte Metro erinnert. Schon allein das Spielbrett ist allerdings eine Augenweide.

Bitte nicht übel nahmen, dass ich von den beiden großen 'Sammlern' Asmodée und Huch & Friends keine Übersicht mache – in beiden Fällen wäre die Liste so lang, dass ich morgen noch daran säße :) Auch hier gab es wieder viel Schönes zu entdecken.

AbacusSpiele hatte in Zusammenarbeit mit dV games Gonzaga, ein Politikspiel um die Macht in Europa in der Zwit vom 13. bis zum 18. Jahrhundert. Auch kann man von letzteren wieder den Preisträger von Lucca, Turandot, erhalten.

Dies waren, wie üblich, nur die Sachen, die am meiten ins Auge gefallen sind. Wie in allen Hallen gibt es aber noch viel mehr Interessantes zu entdecken. Wer also noch zweifelt: auch an den traditionell 'volleren' Tagen Samstag und Sonntag lohnt der Besuch sich noch, und das Fehlen von Games Workshop und Hasbro scheint auf den Platz pro Besucher einen guten Einfluss zu haben.

Spiel – Tag 1

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Rollenspielhalle

Heute war dann der erste Tag der Internationalen Spieltage. Wie üblich, standen bereits vor neun Uhr Schlangen vor den Kassen der Messe Essen, obwohl die Messe offiziell ersst um zehn Uhr öffnet. Dennoch war es drinnen zumindest dort, wo wir waren (beide Roachware-Redakteure sind vor Ort), überraschend leer und ruhig.

Und wo waren wir: in den letzten Jahren habe ich ja traditionell den Donnerstag in erster Linie der Halle sechs gewidmet, also der Halle mit Rollenspielen, LARPern und den dazugehörigen Händlern. Aber auch auf dem Weg dorthin habe ich bereits Kontakte aufgefrischt, auch war ich gegen Abend noch in Halle vier.

Das Kartenspiel Klimapoker von Be-Witched sieht wirklich nett aus. Ich habe es vor wenigen Tagen beim Blog Action Day kurz angesprochen, aber da war es noch nicht fertig – es ist erst gestern vom Drucker geliefert worden, und seit heute erhältlich.

Zwei Themen haben wir heute wiederholt gesehen. Das Eine heißt Schach. Es gab eine ganze Reihe schach-basierter Spiele zu sehen, von denen sich möglicherweise das Spiel Castle Garden der Rotterdammer Golden Crown Games am weitesten vom Original entfernte. Hierbei muss man die entführte Prinzessin aus dem Verlies des Gegners befreien und nach Hause bringen. Auch die Figuren haben teilweise ganz andere Zugregeln, dennoch ist die Schachbasis unverkennbar.

Das Britische River Horse LLP hat mit Shuuro ein Spiel, das Schach mit Tabletop verbindet. Vom Tabletop hat Shuuro die Aufbauregeln (Punkte als Einheitenkosten, Maximalzahlen für bestimmte Einheiten – Bigamie ist mit bis zu drei Damen möglich) und die Idee des Geländes – je nach Brettgröße gibt es zwei bis acht Erhebungen, die den Figuren dumm im Weg herum stehen und nur von den Springern besetzt werden können. Vom Schach hat es die Figuren, die Zug- und Schlagregeln, und die Siegbedingung: Den König des Gegners zu schlagen.

Das zweite waren kleine modulare Dungeonspiele. Das auffallendste Beispiel hierfür waren wohl die Dash-in Dungeons von Wednesday Night Games aus Australien. Eine Dose mit knapp 500 Karten, mit denen Dungeons ausgelegt werden können, mit Charakteren, Fallen, Schätzen, und die auch als Würfel dienen. Abhängig von Fähigkeiten und Fertigkeiten benutzt das System Kartenpools, mit denen der Erfolg festgestellt wird. Charaktere sind in den Stufen 1 bis 3 dabei, sowie Klein-Dungeons, die man den Spielern vorgeben kann. Es hindert einen auch nichts daran, seine eigenen Dungeons zu bauen. Wenn das Spiel anschlägt (und es scheint zumindest für einen kurzfristig angesetzten, kurzweiligen Dungeon Hack geeignet zu sein), sollen Erweiterungen folgen.

Ein anderer Fertigdungeon mit wiederverwendbarem Material (aber wesentlich ausgefeilterem Abenteuer – dafür nur eines) ist Mystic Path aus dem BBCK Bramstedter Kleinverlag. Im ersten Abenteuer 'Nebel um Burg Tiefenkaastl' legen die Charaktere sich mit einer Horde Untoter an, die das Dorf und genannte Burg unsicher machen. Es wird auch eine CD mit einem Audio-Soundtrack mitgeliefert, sowie 'zig Pappfiguren (mit Platikfüßen, wie man sie von Talisman kennt).

13Mann hatte einen Teil der geplanten Produkte da – der Leitmagie-Band zu Rolemaster war leider noch nicht eingetroffen. Der Traveller-Band Händler und Kanonenboote und der Heredium-Roman Neue Ufer waren dahingegen auf dem Stand zu finden.

Der VF&SF hatte wohl Ärger mit Zwergen. Jedenfalls passte das Material, das für den Zwergenband geschrieben worden war, nicht mehr komplett in den Band, so dass kurzentschlossen ein Ergänzungsband herausgebracht wurde, der das restliche Material enthält.

Arcane Legions von Wells Expeditions ist ein Semi-Collectable unter den Sammeltabletops: die 'Booster' sind nach Völkern getrennt, und werden in Achterpacks geliefert, die, wenn man einen solchen Achterpack kauft, alle Boostereinheiten des Volkes enthält.

Twilight Creations hatte nicht nur weitere Verstärkungen für Zombies dabei – unter anderm in Form von nachtleuchtenden Hunden – sondern auch das neue Deadlands-Brettspiel. Es sah auf jeden Fall ganz witzig aus.

Von A&KJ Productions aus Vijfhuizen(NL) kommt nmbrs, bei dem es um die Zahlen von 1 bis 100 geht, die man in Rechenreihen auslegen muss. Klingt vielleicht einfach, aber das Spiel hat es in sich.

Deep Dish ist ein ziemlich neuer Verlag aus den USA, der mit EAT ein Spiel um die gerade in den Staaten so beliebten 'Freßwettkämpfe' anbietet. Mehr oder weniger übelkeitserregende Sachen werden einem vorgesetzt (in Kartenform), und es wird gewürfelt, ob man das bei sich behalten kann oder einen Teil wieder … freiläßt. Wer den besten Magen hat, gewinnt.

Einen ganzen Pavillon hatte Korea, wo eine ganze Reihe Koreanischer Verlage ihre Spiele präsentierten. Besonders fielen hier eine neue Version von Gemblo auf, bei dem man Sonderfähigkeiten einsetzen kann, Dino Business, bei dem man eine Art Jurassic Park managt, Seven Hills, ein Politikspiel um das Alte Rom, Super Stock, ein Börsenspiel, ein stark glücksbetontes Bauspiel (der Name ist mir leider entfallen), und Caterpillar – Age of Tank. Caterpillar entzieht sich jeder einfachen Klassifizierung – es ist ein CoSim mit starken Handelselementen, es ist ein Warentransportspiel, bei dem man die Mitspieler beschießen kann, es sitzt fröhlich irgendwo zwischen den Genres und dreht jedem, der es klassifizieren will, erst einmal eine lange Nase. Aber es sah seeehr interessant aus.

Für morgen habe ich, im Gegensatz zu den letzten Jahren, die drei großen Hallen am Eingang geplant, weil die samstags traditionell kaum noch zu navigieren sind. 'mal sehen, wie das wird.

Spiel – Tag 0

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Pressekonferenz, Vorschau

Wie üblich ist heute der Vortag zu den Internationalen Spieltagen in Essen mit der traditionellen Pressekonferenz und Neuheitenshow gestartet. Dabei gab es einige für mich doch überraschende Mittteilungen, die ich auch meinen Lesern nicht vorenthalten will.

Die Spiel ist dieses Jahr noch einmal leicht gewachsen: nachdem es in 2008 noch 760 Aussteller waren, haben sich dieses Jahr 763 Aussteller (wenn ich das richtig gehört habe – der offizielle Pressetext spricht von 752) gemeldet. Mit 44% ist der Anteil an Produzenten aus dem Ausland auch der höchste seit Beginn der Spiel, Korea und Taiwan haben jeweils einen eigenen Pavillon, und auch China ist dieses Jahr auf der Messe vertreten.

Wenn man sich die Zahlen ansieht, könnte man meinen, dass die Wirtschaftskrise an der Spielebranche bislang vorbei gezogen ist. Und auch der Vortrag von der Fachgruppe Spiel (ein Mitglied im Verband der Deutschen Spielwarenindustrie, speziell gerichtet auf Brett-, Karten- und Gesellshaftsspiele sowie Puzzles) scheint dies zu bestätigen: entgegen allen allgemeinwirtschaftlichen Trends ist der Spielemarkt im letzten Jahr noch um ein Prozent gestiegen – wenn man die (eigentlich schon artfremden) Puzzles herausrechnet, steigt dieser Wert auf sage und schreibe drei Prozent. Von den Teilbereichen sind Kinderspiele (mit zehn Prozent Umsatzsteigerung) und Kartenspiele die Spitzenreiter – letztere litten zwar unter dem nachlassenden Pokerboom, konnten aber mit Dominion einen sehr starken Umsatzträger gewinnen.

Aber die Kreditkrise und ihre Auswirkungen – vor allem die Abwrackprämie, die in aller Munde war – machen auch in der Spielebranche von sich reden. Hierbei allerdings in spieltypisch ironisierender Weise. Neben der Abwrackprämie für alte Spiele von Krimsus Krimkramskiste fiel ein Brettspiel zum Thema auf. Mit diesem Spiel hat ein Ällgäuer Maschinenbauunternehmen die Pleite abwenden und 12 Arbeitsplätze retten können.

Auch abseits der Tagespolitik waren allerdings viele interessante neue Spiele zu bestaunen.

Ein sehr interessantes Nachbarland, dessen Spiele immer einen näheren Blick wert sind, sind die Niederlande. Hier fielen vor allem natürlich die neuen Spiele von Cwali auf. Aber auch Koplopers en dwarsliggers von Giuoco ist ein interessantes Spiel: anders als bei vielen Eisenbahnspielen geht es hier nicht darum, Anteile zu handeln und Linien zu bauen, sondern darum, Passagiere zu transportieren. Splotter steht mit Greed Incorporated zwar in der Neuheitenliste, allerdings ist das Spiel auf ihrer Homepage nicht zu sehen. Und The Game Master hat nicht nur eine ganze Reihe neuer Spiele im Angebot: man hatte speziell für das neue Spiel Opera eine Opernsängerin 'eingeflogen'.

Über Musik gesprochen: die Soul-Sängerin Cassandra Steen war auch anwesend – ihr Lieblingsspiel scheint Uno zu sein, das sie auch auf der Neuheitenshow präsentierte. Ich weiss allerdings nicht, ob die beiden Sängerinnen auch auf der Messe selbst noch anwesend sein werden.

Im Rollenspielbereich sind sicherlich die Hollow World Expeditions und das John Sinclair Rollenspiel zwei Highlights, die man sich näher ansehen sollte. Ersteres wird an dieser Stelle in Kürze besprochen werden.

Der DDD-Verlag (Dausend dode Drolle) hat dieses Jahr sogar zwei Stände, einen traditionell im Rollenspielbereich in Halle 6, der andere in Halle 9: man geht mehr und mehr dazu über, auch Brettspiele und Kartenspiele zu produzieren, und zeigte die Neuerscheinungen Campanile und Seidenstraße.

Einen großen Einstand hat Lego, das nach Aussage der Standmitarbeiter 9, laut Neuheitenliste sogar 10, Spiele anbietet, die mit dem bekannten Lego-Klick funktionieren, aber allesamt von Dr. Reiner Knizia sind, und Lego wohl auch als Spieler auf dem Brettspielemarkt etablieren sollen. Die durch die Lego-Technik möglichen Variationen (von veränderlichen Würfeln bis hin zu Umbaumechanismen) sahen jedenfalls in einer ersten Kurzshow sehr interessant aus.

Es gäbe sicher noch 'zig Spiele zu nennen, die man eigentlich nicht übersehen darf (von Sphinx, Pegasus, Ravensburger, Reiver Games, Z-Man Games, Gameheads, Czech Games Edition, Days of Wonder und und und), aber das würde wohl den Rahmen dieses Blogpostings sprengen.

Morgen plane ich die Rollenspiel-Halle 6 unsicher zu machen.