Tag Archiv für Heidelberger

Gegenüberstellung

Die unüblichen Verdächtigen

Die unüblichen VerdächtigenIn einem ist die Kriminalliteratur nur selten mit der Wirklichkeit in Übereinstimmung. Aber auch Film und Fernsehen machen sich des gleichen Fehlers schuldig: Zeugen sind nur selten hundertprozentig glaubhaft. Sie sehen Dinge, die nicht da sind, sie übersehen andere – alles, weil sie ein Gesicht sehen und sofort gewisse Vorstellungen haben, wie jemand ist. Langer Bart und wilde Haare – und schon wird jemand für einen Rocker gehalten, obwohl der Betreffende Alpenbauer ist und diese Haartracht in seiner Gegend normal. Und diese Vorurteile werden den Detektiven aufgetischt – sollen die doch sehen, wie sie damit zurecht kommen!

Um diese Vorurteile und das Einschätzen von Zeugen und Verdächtigen geht es im Spiel Die unüblichen Verdächtigen. Zwölf Verdächtige stehen da, und einen hat der Zeuge gesehen. Aber statt das Äußere zu beschreiben, erhält man Informationen wie "Sie kann Skifahren" oder "Er hinterzieht Steuern". Und aus diesen Informationen müssen die Detektive dann den richtigen Verdächtigen finden.

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Suchbilder

Boost!

BoostManchmal denkt man, man weiß, wer in welchem Markt aktiv ist – und wird dann doch überrascht. So gilt normalerweise, dass Asmodee den Vertrieb von Spielen französischer Hersteller in Deutschland übernimmt, während Heidelberger eher den osteuropäischen Raum abdeckt – und dazu noch vereinzelter amerikanische Verlage unter seine Fittiche genommen hat.

Und dann kommt ein Spiel daher wie Boost!. Eine runde Metalldose, genau wie bei Grabolo, mit ebenfalls runden Scheiben als Spielmaterial. Aber der Hersteller ist diesmal nicht Stragoo, sondern heißt Ferti – und sitzt in Merignac, nahe bei Bordeaux. Deutscher Distributor aber ist nicht Asmodee sondern Heidelberger…

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Big Brother in der WG

Rumble in the House

Rumble in the HouseNicht in jeder Wohngemeinschaft ist alles eitel Sonnenschein. Oftmals gibt es da Mitglieder, die sich gegenseitig nicht ausstehen können und die alles daran setzen, den anderen aus der Wohngemeinschaft zu vergraulen. So etwas kann natürlich die Stimmung in der Wohngemeinschaft drücken, und das wieder führt zu weiteren Reibereien, Nickeligkeiten und Gehässigkeiten. Im Extremfall bleibt nur ein Bewohner übrig, und der muss dann zusehen, wie er die Miete bezahlt – oder neue Mitbewohner findet, die dann den ganzen Kreislauf neu starten.

Genau um so eine Wohngemeinschaft geht es in dem Spiel Rumble in the House. Jeder Spieler hat ein paar Bewohner der WG unter seinem Schutz, und versucht, diese so lange wie möglich im Hause zu halten. Nur leider haben die anderen Spieler eben ihre eigenen Favoriten. So geht es abwärts, bis nur noch ein Bewohner übrig ist.

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Ko-apperativ

XCOM – Das Brettspiel

XCOMWer erinnert sich noch an die XCOM-Reihe? Seit 1994 gibt es diese Reihe rundenbasierter Computerspiele, bei denen man die Welt gegen eine Invasion (meistens aus dem All, obwohl auch die Tiefsee als Quelle der Invasoren genutzt wurde) verteidigen muss. Neben sechs Spielen (und zwei "Third-Person-Shootern“) gab es auch eine ganze Reihe weiterer Spiele anderer Hersteller (kommerziell und als Opensource-Spiele), die sich in diese Reihe einzusortieren versuchten. Da überrascht es nicht, dass die Spielidee irgendwann auch als Brettspiel umgesetzt wird.

Allerdings ist die Umsetzung ungewöhnlich geworden. XCOM – Das Brettspiel ist ein kooperatives Brettspiel, das nicht rein kartengesteuert durchgeführt wird, sondern zu einem nicht unwesentlichen Teil durch eine App gesteuert wird. Das heißt, dass ein Smartphone notwendig ist – wobei es die App sowohl für Android als auch für iOS erhältlich ist und gratis heruntergeladen werden kann. Ohne die App kann man das Spiel allerdings nicht spielen – aber die App ist ohne das Spiel ebenfalls ziemlich nutzlos.

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Piratenpoker

Dead Man’s Draw

Dead Man's DrawViele Phänomene der Geschichte werden heutzutage romantisch verklärt – und das, obwohl die moderne Geschichtswissenschaft versucht, hinter die manchmal sehr vorurteilsbehafteten zeitgenössischen Berichte zu blicken und die Wahrheit zu erkennen. Manchmal ist es dann so, dass das romantische Geschichtsbild genauso falsch ist wie die Berichte aus der Zeit selber – ein besonders gutes Beispiel hierfür ist die Piraterie. Einmal davon abgesehen, dass es auch heutzutage noch Hochseepiraten gibt – viele Piraten, die in der Geschichte mit Kaperbrief fuhren, wurden von verschiedenen Seiten völlig unterschiedlich gesehen. Für das Land, von dem der Kaperbrief stammte, waren sie legitime Söldner und Helden; für Länder, gegen die sich der Kaperbrief richtete, hingegen Schwerverbrecher. Allerdings hat das romantische Bild, das wir aus Filmen mit Errol Flynn oder auch mit Johnny Depp haben, genauso wenig mit der geschichtlichen Realität zu tun.

Das gleiche gilt auch für das Kartenspiel Dead Man’s Draw – es benutzt zwar Piratensymbolik, Spielkarten dürften aber auf einem Piratenschiff weniger gebräuchlich gewesen sein. Eine Frühversion des Spiels gab es bereits 2014 als App für iOS – wegen des Erfolges wurde die physische Version erst ins Auge gefasst. Finanziert wurde die erste englische Ausgabe dann über Kickstarter – man kann diese Ausgabe auch noch über diese Seite ordern, es gibt inzwischen aber auch eine deutschsprachige Ausgabe.

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Baden-Powells Freibeuter

Pathfinder Abenteuerkartenspiel: Unter Piraten

Unter PiratenRollenspiel ist eine Freizeitbeschäftigung, die leider immer noch relativ schief angesehen wird. Auch in meiner Testrunde gab es zu Beginn Spieler, für die Rollenspiel eine Freizeitbeschäftigung von sozial unfähigen Geeks war, die sich nur deshalb zu Cons treffen, weil sie ansonsten gar keine Freunde finden können. Inzwischen haben diese Spieler allerdings eingesehen, dass man Rollenspieler nicht derart über einen Kamm scheren kann – immerhin ist das Spiel selber ja auch eine soziale Angelegenheit, und man übt soziales Verhalten (wenn man nicht gerade auf Hack’n’Slay steht). Ausnahmen, die auch nach Jahrzehnten Rollenspiels tendenziell unsoziale Verhaltensweisen an den Tag legen, sollöte man auch tatsächlich als solche betrachten.

Es gibt eine ganze Reihe von Spielen, die auf den verschiedensten Wegen Spieler an das Phänomen Rollenspiel heranführen können. Neben Brettspielen wie HeroQuest oder Descent, die sich das Erforschen von Verliesen zum Thema gemacht haben, gibt es auch Spiele wie Arkham Horror oder Pandemie, bei denen Spieler in verschiedenen 'Rollen' auf einem Spielfeld ein gemeinsames Problem zu lösen suchen. Einen Schritt weiter als letztgenannte Spiele geht das Pathfinder Abenteuerkartenspiel, das die Spieler sozusagen kartengesteuert und ohne Spielleiter in Rollenspielabenteuer verstrickt.

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Hirnkrampfgefahr

Falsch gedacht

Falsch GedachtQuizspiele stehen und fallen mit den Fragen, die gestellt werden. Wenn die vorgegebenen Antworten richtig sind, ist das auf jeden Fall ein Bonus. Allerdings sit die Auswahl der Fragen immer etwas kitzelig – was für den einen bereits zu schwierig ist, ist für den anderen viel zu einfach. Hierbei spielen auch noch persönliche Vorlieben eine Rolle – jemand, der viel moderne Musik hört, wird sicher zumindest teilweise andere Fragen korrekt beantworten können als beispielsweise ein Veteran des 2. Weltkrieges.

Ein Sonderfall ist in diesem Zusammenhang Falsch gedacht von Heidelberger und dem kanadischen Verlag Le Scorpion Masqué. Die Fragen hier sind grundsätzlich beinahe trivial – "Welche Farbe haben Schlümpfe?“, "Mit welchem Besteckteil isst man Suppe?“. Es sollte niemandem allzu schwer fallen, sie richtig zu beantworten – aber richtig ist nicht immer korrekt.

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Nebenkriegsschauplatz

Orkensturm

OrkensturmEine ungewöhnliche Kooperation wurde kurz vor der SPIEL bekanntgegeben: Der Ulisses-Verlag übernimmt den Vertrieb der Rollenspielmaterialien von Heidelberger (weährend die Redaktion und Produktion weiterhin bei Heidelberger verbleibt), während Heidelberger im Gegenzug die Brettspiele aus dem Hause Ulisses vertreibt (während die Produktion derselben bei Ulisses bleibt). Beide Seiten erhoffen sich auf diesem Wege eine bessere Repräsentation und Promotion im Kernmarkt der jeweils anderen Seite – und das Heidelberger beim Brettspiel bzw. Ulisses beim Rollenspiel die besseren Verbindungen der beiden hat, dürfte wohl klar sein.

Aber Moment 'mal: Brettspiele von Ulisses? Da hatte es doch seit Dungeon Twister nichts neues mehr gegeben? Oder sollten Tabletops gemeint sein? Nein, neben Soda Pop’s Super Dungeon Explore hat Ulisses neuerdings auch ein Brettspiel mit dem Namen Orkensturm und in Kürze auch Myth im Angebot. Um ersteres geht es in dieser Rezension.

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Nordlandrunen

Mara und der Feuerbringer

Mara und der FeuerbringerFantasy hat in Deutschland, wenn es nicht gerade um Spiele geht, eher einen schweren Stand. Die letzten drei großen Fantasyfilme aus deutschen Landen waren wohl Die unendliche Geschichte 1984, Der Himmel über Berlin 1987 und Mara und der Feuerbringer 2015. Basierend auf dem ersten Band der Jugendbuchreihe die ebenfalls vom Regisseur des Films stammen, zeichnet der Film eine Geschichte in der nordischen Sagenwelt.

Nach dem Motto Das Spiel zum Film zum Buch hat Fabian Dittmann unter dem eigenen Label Coon Games zusammen mit dem Heidelberger Spieleverlag ein Spiel herausgebracht, in dem es darum geht, die Macht der Asen zu sammeln und so den drohenden Weltuntergang zu verhindern.

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Mehr Wahlen

Pick-a-Polar-Bear / Pick-a-Seal

Pick a PBVor etwa anderthalb Jahren habe ich die Spiele Pick-a-Pig / Pick-a-Dog besprochen, die eine Neufassung des alten Formissimo sind, mit neuen Illustrationen. Inzwischen hat Jolly Thinkers in der gleichen Reihe noch Pick-a-Seal und als letztes Pick-a-Polar Bear herausgebracht, die grundsätzlich nach den gleichen Regeln gespielt werden sollen. Der später erschienene Eisbären-Satz bietet aber noch ein paar zusätzliche Regeln, so dass ich mich heute in erster Linie darauf beziehe.

In Großteilen gilt das gleiche, was ich in oben verlinkter Rezension gesagt habe, auf die ich hiermit deshalb auch explizit verweisen möchte. Ein paar UNterschiede gibt es aber, auf die ich hier näher eingehen möchte. Und damit meine ich nicht nur, dass das abgebildete Tier eben ein anderes ist, sondern auch weitergehende Änderungen.

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