Tag Archiv für historisch

Bauarbeiten

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New York 1901

New York 1901Anfang des vorigen Jahrhunderts war das 'Geldviertel' New Yorks einer steten Bautätigkeit ausgesetzt. Im Bereich von Broadway, Wall Street etc. schossen die Wolkenkratzer wie Pilze in die Höhe, und oftmals wurden niedrigere Häuser abgerissen, um höheren Gebäuden Platz zu machen.

Genau um diese Zeit und die Bautätigkeit in der Zeit geht es in dem Spiel New York 1901 von Blue Orange Games. Das Spiel war auf der letzten SPIEL in Essen so etwas wie ein Geheimtipp, nicht zuletzt, weil Leute, die dort ein Exemplar kauften,. An einer Verlosung für eine Reise nach New York teilnahmen. Auch die Spielfiguren waren attraktiv – und nicht zuletzt wurde auch der Spielmechanismus in den höchsten Tönen gelobt. Andererseits gab es auch Stimmen, die sich enttäuscht zeigten, nachdem sie eine Testrunde gespielt hatten. Dies könnte aber auch daran gelegen haben, dass die Erklärer laut dieser Entschuldigung nicht ausreichend geschult worden waren. Deshalb haben wir uns das Spiel auch selber angesehen um die Frage zu beantworten: Welche Seite hat denn nun recht?

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Rennende Militärs

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Race to Berlin

Race to BerlinWir schreiben das Jahr 1945. In Europa liegt der Weltkrieg in den letzten Zügen. Das deutsche Reich hat seine Eroberungen schon wieder verloren, und die Alliierten und Sowjettruppen machen sich bereit für den letzten Vorstoß – ins märkische Land, zur Hauptstadt des Reiches. Die Frage ist nur: Welche Seite schafft den weiten Weg zuerst?

Genau dies ist die Situation im Brettspiel Race to Berlin – auch wenn sie nicht historisch ist. Es gab zwar ein Wettrennen, aber nach dem Vertrag von Jalta (und den Schwierigkeiten und Verzögerungen, die die Westfront am Rhein erlitten hatte) gingen die Westalliierten daran, den Süden Deutschlands (die heutigen Bundesländer Baden-Württemberg und Bayern) endgültig zu säubern und die Osteroberung den Sowjettruppen zu überlassen. Dort aber entbrannte ein – von Stalin gefördertes – Rennen zwischen den Marshals (in etwa einem Fünf-Sterne-General bei den US-Truppen zu vergleichen) Georgy Konstantinovich Zhukov und Ivan Stepanovich Konev, wer als erster in Berlin sein würde und den Reichstag besetzen könnte. Ja, das ist eine sehr grobe Übersicht über die Ereignisse, immerhin wollten gerade die Briten sehr wohl versuchen, Berlin selbst zu erobern. In unserem Spiel geht es daher um ein Rennen zwischen West- und Ostalliierten.

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Burgenwürfel

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Knatsch

(Das heute abend besprochene Spiel kann natürlich nicht mehr übers Internet bestellt werden und rechtzeitig zur Bescherung ankommen. Daher habe ich ein Spiel gewählt, das man in gut sortieren Spieleläden mit ein klein wenig Glück dennoch finden kann.)

KnatschDas Leben der alten Rittersleute muss schön gewesen sein. Nicht nur im Lied von Fredl Fesl / den Hot Dogs und anderen Versionen des Themas, nicht nur in alten Rittersagen oder auch in Comics wie Prinz Eisenherz und De Rode Ridder, auch in Spielen wird dieses Bild vermittelt. In Knatsch von Abacus Spiele beispielsweise 'zoffen' die Spieler sich als Ritter um Burgen und den Sieg im Turnier. Je mehr burgen man besitzt, und je mehr Turniersiege man vorweisen kann, desto besser.

Historisch bedeutete jede Burg natürlich erst einmal einen Kostenposten, und viele Burgen konnten durch die zu ihnen gehörende Ländereien mehr schlecht als recht versorgt werden. Diese Versorgung wird allerdings in dem Spiel ausgespart, hier geht es nur um den Erwerb von Burgen – sei es von leerstehenden Burgen, sei es, dass man sie den lieben Mitspielern wegnimmt. Wenn die einen lassen.

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Nicht zum 1. Mal

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Primiera

PrimieraKaleidos Games hat ja, wie ich voriges Jahr erfuhr, einen Teil der Produkte von Kidult überommen. Dieses Jahr hat Kaleidos dann ein eigenes Spiel herausgebracht, unter dem Namen 'Primiera'.

Das Spiel hat wenig gemein mit dem historischen Karten-Glüscksspiel des gleichen Namens, das eher als eine Art Vorläufer des heutigen Pokerspiels gesehen werden muss. Stattdessen ist Kaleidos' Primiera eine Umsetzung eines anderen, in Italien ziemlich bekannten Spiels…

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Der Vierte

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Cover-4Cthulhus Ruf #4

Seit dem Ende der Cthuloiden Welten, deren letzte Ausgabe vor nunmehr zwei Jahren erschien, ist als Ersatz das Fan-Magazin Cthulhus Ruf in die Bresche gesprungen. Mit ebenfalls zwei Ausgaben pro Jahr – Erscheinen jeweils zur RPC und zur SPIEL – bietet der Ruf eine ähnliche Mischung an Hintergrundmaterial, Rollenspieltipps und Abenteuern wie die Cthuloide Welten, so dass man in dieser Hinsicht von einem würdigen Nachfolger sprechen kann.

Rein äußerlich hat der Ruf ein unverwechselbares Design: der Umschlag ist eine Din A3-Seite, die um die Zeitschrift 'herumliegt‘, so dass das Magazin von der Seite aus betrachtet wirkt wie ein "Quality Newspaper“ aus England (die Boulevardzeitungen in Großbritannien haben ja ein kleineres Format als die 'seriösen Zeitungen' wie die Times und der Guardian) und würde in einem Stapel dieser Zeitungen wahrscheinlich sogar sozusagen unsichtbar werden. Der Haupttitel der Zeitung ist Der Nebel steigt auf, was sich in erster Linie auf das Hauptthema des Bandes bezieht: Material für das Gaslicht-Setting von Cthulhu, dessen Settingsband ursprünglich zur SPIEL erscheinen sollte, der aber inzwischen verschoben wurde und jetzt spätestens zur RPC erscheinen soll.

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Bang in Japan

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samuraisword01Samurai Sword

Als Rezensionsblog sind wir natürlich davon abhängig, dass uns Rezensionsexemplare zur Verfügung gestellt werden. Manchmal klappt das, manchmal auch nicht. So hatten wir auf der letzten SPIEL letzten Oktober ein Exemplar der italienisch-englischen (Original-)Version von Samurai Sword erhalten, zwecks Rezension. Als ich Anfang Februar das Spiel auf dem Tisch hatte, hieß es: "Abacusspiele ist gerade damit beschäftigt, eine deutsche Version zu machen, wir schicken Ihnen ein Exemplar zu, damit Sie in der Rezension die Qualität der deutschen Version beurteilen können. Und ja, rechtzeitig, damit Sie das als Erstverkaufstagsrezension veröffentlichen können“. Seither habe ich auf die deutsche Version gewartet, und nicht weiter darüber nachgedacht. Vor ein paar Tagen sah ich dann, dass die deutsche Version bereits seit einiger Zeit auf dem Markt ist – ein Rezensionsexemplar habe ich allerdings noch nicht gesehen. Daher hier die Rezension der italienisch-englischen Ausgabe, mit den notwendigen Vorbehalten.

Japan und die Zeit der Samurai (Tokugawa-Zeit) ist ein immer wiederkehrender Hintergrund für viele Spiele, wie zum Beispiel Shinobi – War of Clans oder Sake und Samurai. So erstaunt es auch nicht, dass manchmal Spielenamen wirderholt werden, oder sich zumindest extrem ähneln: Samurai Sword ist nicht das alte Shogun, das auch als Samurai Swords oder Ikusa bekannt ist, sondern ein ganz anderes Spiel.

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Calipha Quintus

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alrashidAl-Rashid

Harun al-Rashid (oder auch ar-Rashid) war der 5. Kalif der Abbasiden und ist in der westlichen Welt vor allem bekannt als der Kalif, der in vielen der Geschichten von Tausendundeiner Nacht erwähnt wird. Historisch ist er auch und vor allem unter Muslimen umstritten, da seine Taten teilweise doch arg brutal waren und auch sein Lebenswandel nicht immer zu Jubelstürmen Anlass gab. So ließ er seinen Bruder ermorden, um selber auf den Thron zu gelangen oder auch Anatolien verwüsten. Neben seiner Tätigkeit als Kriegsherr ist er aber auch bekannt für die weitreichenden Handelsbeziehungen seines Reiches, die bis nach Franken, Indien und China reichten.

Der italienische Verlag Yemaia ist noch recht klein: Er hat erst zwei Spiele produziert. Eines davon heißt wie der Herrscher Al-Rashid, auch wenn man selber den Herrscher nicht spielt. Stattdessen spielt man eine Familie, die versucht, die Gunst des Herrschers zu erlangen.

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Frieden schaffen durch Intrigen

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Pax

„Ich bin Spartakus“ – diese Szene ist wohl auch Leuten ein Begriff, die den Film Spartakus nie gesehen haben. Werden Film selber kennt, weiß vielleicht auch noch, dass es um einen Aufstand römischer Sklaven geht, der das Römische Reich einschneidend veränderte. Allerdings ist der Film selber historisch ungenau, wie auch der zugrundeliegende Roman von Howard Fast. Wie die Situation damals genau aussah, ist nur schwer zu sagen: Die Geschichtsschreiber waren alle Römer, und die verschiedensten Interpretationen bis hin zu der eines proto-kommunistischen Revolutionsführer treffen die Wahrheit wahrscheinlich nur sehr ungenau.

Was aber als gesichert gelten kann, ist, dass die römische Gesellschaft der damaligen Zeit auch durch die Aufstände in wesentlichem Maße verändert wurde. Kämpfe und Intrigen um die Vormachtstellung waren an der Tagesordnung, und das ist die Situation, die dem Spiel Pax von Irongames zugrundeliegt.


Eine nicht allzu große Schachtel enthält

  • 40 Aureus-Karten (Goldmünzen) mit den Werten 1 Aureus bzw. 2 Aurei
  • 5 Legionskarten, nummeriert von I bis V
  • 74 Besitzkarten: je 10 Karten Wohlstand, Flotte, Armee, Religion und Senator sowie je 12 Karten Land und Intrige
  • eine Startspielerkarte
  • eine Markierungskarte für den intrigantesten Spieler der Runde
  • 4 Übersichtskarten
  • eine Spielregel in Deutsch, Englisch und Französisch

Die Karten machen den Eindruck, ein winziges bisschen dünner zu sein als normale Karten, aber das kann daran liegen, dass ich direkt vorher ein Spiel testete, das besonders dicke Karten bietet (und dessen Rezension ich in der Zeit 'zwischen den Jahren' veröffentlichen will). Die Kartenmotive sind jedenfalls sehr schön, man muss sich allerdings an die lateinischen Bezeichnungen der Karten gewöhnen: in floribus für Wohlstand, navis longa für die Flotte, legionarius für die Armee, religio für die Religion, praedium fürs Land, conspiratio für Intrige, primus für den Startspieler und primus conspiratus für den intrigantgesten Spieler. Wie bitte? Ja, auch die Senator-Karte hat einen lateinischen Aufdruck, aber das fällt nciht auf: Der lateinische Begriff für Senator ist senator.

Bei 2 bzw. 3 Spielern wird ein Teil der Besitzkarten wieder weggelegt, um das Spiel ausgeglichenh zu machen. Dann erhält Rom zunächst verdeckt 3 Besitzkarten; die Spieler erhalten 5 Aurel und eine Übersichtskarte. Dann gibt es auch hier 'mal wieder einen Startspieler-Witz: "Der Spieler, der am ehestgen zu einer Revolte bereit ist …“. Naja. Der Startspieler jedenfalls erhält zwei Besitzkarten vom Stapel, die weiteren Spieler im Uhrzeigersinn jeweils eine Karte mehr. Von diesen Karten darf jeder Spieler genau eine behalten, den Rest legen die Spieler wieder unter den Kartenstapel. Die Legionskarten werden ausgelegt, unter jede kommt offen eine Besitzkarte, dann beginnt das Spiel.

Wer am Spiel ist, hat drei Dinge zu tun, von denen das erste verpflichtend ist, die anderen beiden sind optional.

Zunächst einmal zieht man dreimal eine Karte, und entscheidet sofort, also noch bevor man die nächste Karte sieht, was mit der Karte geschieht: eine der drei Karten muss der Spieler auf die Hand nehmen, eine unter eine Legion anlegen, und eine wird unter den Stapel zurückgelegt. Wohlgemerkt: der Spieler muss sich entscheiden. sobald er die Karte erhält, und muss jeden der drei Verwendungszwecke einmal anwenden. Was er genau mit der ersten, zweiten Karte tut, ist aber ihm überlassen.

Als zweite Aktion darf der Spieler für Geld von der Kand alle Karten, die an einer Legionskarte anliegen, kaufen – wenn er diese Karten bezahlen kann. Der Preis jeder Karte wird auf den Karten angegeben. Wer nicht kaufen kann oder will, braucht es aber nicht zu tun. Als drittes darf der Spieler (Hand-)Karten vor sich auslegen, was ihn zunächst einmal Gold kostet, ihm dann aber auch Einkommen bringt: die erste ausgelegte Karte ist gratis, die zweite kostet einen Aureus, die dritte zwei und so weiter.

Anschließend wird Einkommen generiert: wenn eine Intrigen-Karte ausgelegt wurde, gibt es nichts. Ansonsten gibt es so viele Aurei, wie die längste Kette, an die der Spieler eine Karte angelegt hat, lang ist. Wenn mindestens ein Senator ausgelegt wurde, erhöht dieses Einkommen sich noch einmal um 1 Aureus, wenn es überhaupt Geld gibt.

Statt Handkarten auszulegen, kann ein Spieler sich auch dafür entscheiden, dies nicht zu tun und stattdessen 2 Aurei Einkommen zu verdienen (und sich die verdeckten Besitzkarten Roms anzusehen).

Jede der Besitzkarten beeinflusst die Fähigkeiten, andere Besitzkarten auszulegen, oder auch andere Spieloptionen weiter. So kann man nicht mehr Flotten und Armeen auslegen wie man Länder besitzt, wobei intrigen diese Anzahl erhöhen, was aber das Einkommen schmälert. Religion ermöglicht eine größere Flexibilität beim Ziehen der 3 Karten pro Runde, Wohlstandskarten ermöglichen es, beim Kauf einer Kartengruppe (2. Schritt der Runde) zu sparen. Armeen und Flotten geben eventuell beim Spielende noch Bonus-Flotten cq. -Armeen (Flotten bringen Armeen und umgekehrt).

Die Karte primus conspiratus geht übrigens immer an den Spieler mit den meisten Intrigen-Karten, dieser Spieler erhält in der nächsten Runde auch die Startspieler-Karte und beginnt.

Nach jeder Runde (jeder Spieler war einmal an der Reihe) wird eine Legionskarte (die mit den wertvollsten Besitzkarten) leergemacht; der Besitz geht in die Macht Roms, wobei Rom kein Armee- oder Flottenlimit hat. Dann wird zu jeder Legionskarte eine zusätzliche Besitzkarte gezogen, und das Spiel geht weiter.

Das Spiel endet, wenn der Kartenstapel zu Ende ist – sofort, wenn dies beim Auffüllen der Legionen geschieht. Wenn es während einer Runde geschieht, wird diese Runde noch abgeschlossen, wobei jeder Spieler, der keine drei Karten mehr ziehen kann, stattdessen zwei Aurei erhält und nur noch kaufen, auslegen oder Einkommen erhalten kann. Dann gibt es die Endwertung.

In jeder der fünf Kategorien wird gesehen, ob Rom mindestens genauso viele Besitzkarten hat (einschließlich der drei verdeckten vom Spielbeginn) wie die Spieler. Wenn dies in mindestens vier der Kategorien zutrifft, 'gewinnt' Rom – und Sieger ist der Spieler mit den meisten Intrigenkarten (der Karte primus conspiratus). Ansonsten erhalten die Spieler Siegpunkte für ausgelegte Kategorien, für Kategorien, in denen sie stärker sind als Rom, für Flotten- und Armeesymbole und Bonusflotten bzw. -armeen, für Geld und für die Karte primus conspiratus. Wer die meisten Punkte hat, gewinnt.

Als Einzelspieler erhält man die Option, eine 'Kampagne' zu spielen, in der die Aufgabe gleichmäßig schwieriger wird, und das Ziel ist es immer, am Ende in soundsovielen Kategorien mehr Karten zu haben als Rom. Ansonsten verläuft das Spiel analog.

Dsas Spiel ist recht gut gelungen; vor allem dadurch, dass je nach 'Macht' Roms die Siegbedingung abweichen kann, ist es meist bis zum letzten Moment spannend und hat einen hohen Wiederspielwert. Und wer wirklich große Runden hat, kann auch ein zweites Spiel hinzu nehmen und mit 5-78 Spielern spielen – Zusätzliche Regeln hierfür kann man von der Webseite von Irongames downloaden – wie auch Spielregeln in Niederländisch, Koreanisch und Japanisch.

Hersteller Irongames
Autor Bernd Eisenstein
Spieler 1,2-4,5-8
Denken 7
Glück 4
Geschicklichkeit 0
Preis ca. 13 €