Tag Archiv für kooperativ

Ganz scharf nachdenken

Sherlock

Frankreich ist als Spieleproduzent ähnlich umtriebig – gerechnet an der Größe des jeweiligen Landes – wie Deutschland, Japan, Finnland und Korea. Bemerkenswert ist vielleicht eher, dass Frankreich in der Regel absieht von Spielmaterial aus Plastik (was besonders Korea auszeichnet), und dass den Spielen oftmals Spielregeln in vielen Sprachen beilegen, was sogar in Deutschland nicht unbedingt selbstverständlich ist.

Nun hat Frankreich sicher auch eigene Quellen, aus denen man Spielhintergründe schöpfen kann, für das Spiel Sherlock allerdings wird auf den klassischen "beratenden Detektiv" Sherlock Holmes zurückgegriffen, der aus Großbritannien stammt. Dabei ist es nicht einmal so, dass Frankreich keine eigenen literarischen Detektive hätte: eine klassische Figur war ja Arsène Lupin, der in seinem Romanen häufiger Kriminalfälle lösen musste, statt seinem Normalberuf – dem des Gentleman-Einbrechers – zu folgen. Zu der Geschichte, die hinter der Aufgabe in diesem Spiel steht, hätte jedoch ein anderer Kriminalbeamter noch besser gepasst: Maigret. In diesem Spiel geht es nämlich darum, durch befragen verschiedener Zeugen einen Täter zu finden.

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Leuchtende Blindenschrift und klackende Zahnräder

Clacks – ein Scheibenwelt-Spiel
Clacks
Dass der kleine nordirische Verlag Backspindle Games Spaß an der Scheibenwelt des leider verstorbenen Terry Pratchett hat, ist spätestens seit „Guards! Guards!“ bekannt. Nun liegt mit „Clacks“ das zweite Scheibenwelt-Spiel vor, in dem Bezug auf den Roman „Going Postal“ genommen wird.

Hintergrund des Spieles ist die Idee, die Post durch eine Art Leuchttelegraphen zu ersetzen, der schlicht schneller sein soll – über entsprechende Türme, die Lichtsignale weitersenden. Aber das ist nun mal die Scheibenwelt, also erstens, wieso einfach, wenn’s auch umständlich geht, und zweitens – ja, die liebe Konkurrenz. Und zwischendurch hat man manchmal das Gefühl, Murphys Gesetz muss abonniert sein…
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Superhelden im Würfelformat

Justice League Hero Dice – Batman und Superman
Hero Dice Batman
Das Thema „Superhelden“ ist zwar nicht neu, aber gerade wegen der vielen Verfilmungen in letzter Zeit immer wieder populär. Zwei große Universen gibt es da – Marvel und DC, und um letzteres geht es hier, namentlich um die dortig etablierte „Justice League“, oder vielmehr deren prominente Mitglieder.

Hero Dice Superman
In deren Haut schlüpfen die Spieler gewissermaßen, obwohl Hero Dice kein Rollenspiel ist. Zwar übernimmt jeder Spieler, der ein solches Spielset hat, die Rolle eines der berühmten Helden, aber dann gehts eben drum. das zu tun, was die so gut können: Ihre Gegenspieler mehr oder weniger gekonnt vermöbeln. Wer jetzt gerade die „Whack“, „Pow“ und was nicht noch Icons aus der alten Batman-Serie vor Augen hat – joa, paßt.
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Studie in Schmerz

Les Poilus

Les POilusAm Sonntag dem 2. August 1914 begann die – am Tage vorher verkündete – Generalmobilmachung für den Ersten Weltkrieg in Deutschland und Frankreich, nur einen Tag, bevor Deutschland Frankreich den Krieg erklärte. Der Krieg, von dem damals gehofft wurde, es sei "der Krieg, der alle Kriege beendet", stellt historisch betrachtet die Schwelle vom 19. ins 20. Jahrhundert dar – Oktoberrevolution, Auflösung von Österreich-Ungarn und des Osmanischen Reiches, Fall des Kaiserreiches, Oktoberrevolution … die Liste der einschneidenden Ereignisse, die durch den Krig hervorgerufen wurde, ist lang.

Die Entwicklung neuer Waffentypen – Giftgas, Tanks, Luftwaffe etc. – half dabei, das romantisch-verklärte Bild, das in weiten Bevölkerungsschichten vom Soldatenwesen bestand, zu entzaubern. Genau dieses entzauberte Bild, die Schrecken des Grabenkriegs für den einfachen Soldaten, der Kampf ums eigenen Überleben sind das Thema von Les Poilus, das auch auf Englisch als The Grizzled verkauft wird. Uns lag eine teilweise eingedeutschte Version vor.

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Eisbiss

Winter der Toten

Winter der Toten"Winter is coming" – nein, hier geht es nicht um ein Spiel zum Game of Thrones, aber es geht um Winter. Und Zombies. Und Zombies im Winter. Und Verräterzombies im Winter. Und… Ähh, nein, keine Verräterzombies. Verräter gibt es aber doch in diesem Spiel von Plaid Hat Games und Heidelberger.

Ja, es ist Winter, und aus irgendeinem Grunde hält nichts die Toten in ihren Gräbern. Sie zeigen deutliche Anzeichen von Bissigkeit (wer jetzt Stutenbissigkeit sagt, fliegt…) In einer kleinen Kolonie haben sich einige Überlebende zusammengefunden und versuchen, zu überleben. Aber leider sind Menschen eben Menschen und haben ihre eigenen Ziele, und es kann auch noch sein, dass sich Verräter eingefunden haben, denen nichts mehr Freude bereiten würde, als zuzusehen, wie diese Bastion der Menschheit fällt.

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Verloren im Nebel

Nebel über Valskyrr

Nebel über ValskyrrVoriges Jahr lief vom 10. März bis zum 2. April das Kickstarter-Projekt zu Mistfall. Das Projekt war sehr erfolgreich: nach nur sechs Stunden war die gesuchte Finanzierungssumme bereits zusammen, und am Ende der gut drei Wochen war gut das siebenfache des erforderlichen Betrages zusammengekommen. Auch die Erfüllung war vorbildlich: während als Erfüllungstermin August/September angekündigt war, wurde bereits im Juli versandt – amerikanische und australische Pledger mussten naturgemäß etwas länger warten als europäische, da aus Rumänien versandt wurde, aber auch in Australien waren die Spiele Anfang September durch den Zoll.

Ungefähr zu dieser Zeit erschien dann auch die deutsche Ausgabe unter dem Titel Nebel über Valskyrr als Kooperation des rumänischen Herausgebers NSKN und des Heidelberger Spieleverlages. Da es mit einigen anderen ähnlichen Spielen kollidierte, die teilweise über die gleiche Quelle erhältlich sind (zum Beispiel das Pathfinder Abenteuerkartenspiel: Unter Piraten (Link zu unserer Rezension), kommen wir erst jetzt zur Rezension der Nebel. Wie ich weiter unten erläutere, hatte allerdings das Regelheft auch seinen Anteil an der Verzögerung.

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Gegenüberstellung

Die unüblichen Verdächtigen

Die unüblichen VerdächtigenIn einem ist die Kriminalliteratur nur selten mit der Wirklichkeit in Übereinstimmung. Aber auch Film und Fernsehen machen sich des gleichen Fehlers schuldig: Zeugen sind nur selten hundertprozentig glaubhaft. Sie sehen Dinge, die nicht da sind, sie übersehen andere – alles, weil sie ein Gesicht sehen und sofort gewisse Vorstellungen haben, wie jemand ist. Langer Bart und wilde Haare – und schon wird jemand für einen Rocker gehalten, obwohl der Betreffende Alpenbauer ist und diese Haartracht in seiner Gegend normal. Und diese Vorurteile werden den Detektiven aufgetischt – sollen die doch sehen, wie sie damit zurecht kommen!

Um diese Vorurteile und das Einschätzen von Zeugen und Verdächtigen geht es im Spiel Die unüblichen Verdächtigen. Zwölf Verdächtige stehen da, und einen hat der Zeuge gesehen. Aber statt das Äußere zu beschreiben, erhält man Informationen wie "Sie kann Skifahren" oder "Er hinterzieht Steuern". Und aus diesen Informationen müssen die Detektive dann den richtigen Verdächtigen finden.

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Ko-apperativ

XCOM – Das Brettspiel

XCOMWer erinnert sich noch an die XCOM-Reihe? Seit 1994 gibt es diese Reihe rundenbasierter Computerspiele, bei denen man die Welt gegen eine Invasion (meistens aus dem All, obwohl auch die Tiefsee als Quelle der Invasoren genutzt wurde) verteidigen muss. Neben sechs Spielen (und zwei "Third-Person-Shootern“) gab es auch eine ganze Reihe weiterer Spiele anderer Hersteller (kommerziell und als Opensource-Spiele), die sich in diese Reihe einzusortieren versuchten. Da überrascht es nicht, dass die Spielidee irgendwann auch als Brettspiel umgesetzt wird.

Allerdings ist die Umsetzung ungewöhnlich geworden. XCOM – Das Brettspiel ist ein kooperatives Brettspiel, das nicht rein kartengesteuert durchgeführt wird, sondern zu einem nicht unwesentlichen Teil durch eine App gesteuert wird. Das heißt, dass ein Smartphone notwendig ist – wobei es die App sowohl für Android als auch für iOS erhältlich ist und gratis heruntergeladen werden kann. Ohne die App kann man das Spiel allerdings nicht spielen – aber die App ist ohne das Spiel ebenfalls ziemlich nutzlos.

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Materialschlacht

Perdition’s Mouth: Abyssal Rift

Perdition's Mouth: Abyssal RiftSeit einer Woche ist Perdition’s Mouth: Abyssal Rift inzwischen bei Kickstarter: Nach etwa einer Woche von vier ist das Spiel gut zur Hälfte finanziert. Eigentlich wollten wir für dieses Spiel eine Erstverkaufstags-Rezension schreiben, Arctic Union hatte meinem Kollegen zugesagt, dass ein Demospiel mit Figuren und allem spätestens am 2. bei ihm eintreffen würde. (Stichtag für unser Erstverkaufstagsvesprechen wäre ja der 4. gewesen). Am 6. hieß es dann endlich, das Spiel werde (von einem deutschen Spieleherausgeber) am 6. oder 9. an uns weitergesandt. Laut Lieferverlauf bei DHL wurde es dann schon am 6. versandt, am 7. allerdings – wahrscheinlich wegen einer falschen Adressierung – zurückgeschickt, so dass das Spiel seine Odyssee(!) am 9. dort beendete, wo es sie begonnen hatte. Man fragte uns aber nicht, was eventuell falsch gegangen war, so dass wir erst ein paar Tage später selber nach dem Verbleib fragen konnte (wir mussten ja davon ausgehen, dass es erst am 9.11. – zwei Tage vor Kickstarter-Start – abgeschickt worden war). Deshalb habe ich gestern Abend eine Proberunde mit der (auf der Webseite des Spiels verlinkten) Print-n-Play-Version gestartet, was allerdings nur begrenzt aussagekräftig ist.

Dass diese Rezension nur eingeschränkt sein kann, liegt natürlich vor allem daran, dass sich bis Projektschluss (oder auch hinterher) noch Dinge ändern können – hier kommt aber erschwerend noch hinzu, dass wir keine Miniaturen etc. vorliegen haben, die in diesem Spiel in großen Stückzahlen vorliegen sollen. Insgesamt sollen sechs Heldenfiguren und mindestens 35 Gegnerminiaturen mitgeliefert werden, das ist aber nicht alles, was man in der Schachtel findet.

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Fünf Jahre sind ein Spiel

Star Trek: Five Year Mission

Star Trek: 5 Year MissionWie ich gestern bereits schrieb, hatte ich zu unserer ersten Testrunde nach der SPIEL ein Spiel mitgenommen, von dem ich wusste, dass es die Leute auf jeden Fall interessieren würde. Und genauso kam es auch – man musste die Leute regelrecht zwingen, ein anderes Spiel zu spielen, ansonsten wäre nur Star Trek: Five Year Mission gespielt worden – nicht zuletzt, weil es mehrere Möglichkeiten gibt, das Spiel anzusetzen.

Wie der Name bereits andeutet, spielt man im Star-Trek-Universum, und zwar spielt man die Besatzung entweder der originalen Crew (Kirk, Spock, McCoy etc., aus der sogenannten 'TOS' für 'The original series‘) oder die der Next Generation (Picard, Crusher, Data etc. – 'TNG‘) Insofern ist der Name des Spiels auch schon wieder irreführend, denn nur im Vorspann der Originalserie war von einer Fünfjahresmission die Rede, in der Next Generation war es die fortgesetzte Mission („ongoing mission“). Aber immerhin war die originale Fünfjahresmission bereits nach drei Jahren (Seasons) zu Ende, während die Next Generation sich sieben Jahre hielt.

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