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Sign

Jedes Jahr gibt es in Essen neue Verlage zu finden. Nur so konnte die Messe den aktuellen Höchststand von etwa 1100 Verlagen (dieses Jahr erzielt) erreichen.Einige dieser neuen Verlage sind ganz einfach zum ersten Mal auf der Spiel, bestehen aber schon länger, andere dieser Verlage sind im Endeffekt ganz neu. So ein ganz neuer Verlag ist der niederländische Verlag The Mountain Men, dessen Name sich auf die Nachnamen der drei Gründer bezieht: zwei Brüder namens Kattenberg, und ein Mitgründer namens van den Berg. Den ursprünglich angepeilten Namen des Verlages Berg Games konnte man nicht verwenden, da man mit dem Namen mit einem Hersteller von Kinder-Gokarts, -Fahrrädern, -Trampolins usw. kollidierte.

Deshalb wurde dann die Firma umbenannt, gleichzeitig wurde auch das Spiel mit einem neuen Namen versehen: vor ziemlich genau einem Jahr wurde das Spiel als „Tamps“ über Kickstarter finanziert. Der neue Name beschreibt ein wenig besser, worum es in dem Spiel geht: seinen Teamkameraden Informationen zu signalisieren, ohne dass die Gegenseite diese Informationen versteht.

In der Spieleschachtel fanden wir:

  • 80 Karten
  • die Spielregel auf Deutsch, Englisch und Niederländisch.

Die Karten haben gute Qualität und Pokerformat – sie sind gegenüber Bridgekarten etwas breiter, wodurch die Symbole auf den Karten größer werden konnten.Diese Symbole stellen jeweils ein Dreieck da, von dem jeweils einige Bereiche „unsichtbar“ und andere wiederum weiß dargestellt sind. Es gibt insgesamt 16 verschiedene Symbole, jedes Symbol erscheint einmal auf den Karten einer Farbe, Karten können fünf verschiedene Farben haben. Gespielt wird das Spiel mit mindestens vie und bis zu neun Spielern, die in zwei oder drei möglichst gleich große Gruppen aufgeteilt werden.

Vor der ersten Runde müssen sich die Spieler eines Teams auf ein Signal einigen, mit dem sie den mit Spielern anzeigen, dass sie einen Satz von fünf Karten mit dem gleichen Symbol gesammelt haben. Dieses Zeichen unterliegt bestimmten Einschränkungen: alle Spieler müssen es sehen können, es darf nicht ein Geräusch sein (also kein Hüsteln oder Klatschen), es darf nicht „digital“ sein (also zum Beispiel keine SMS), es darf keinen Körperkontakt zwischen zwei Spielern beinhalten. Es ist natürlich klar, dass die Spieler des/der anderen Teams dieses Signal nicht erfahren sollten.

Gespielt wird in Runden, so eine Runde endet, wenn ein Fünfling – oder der Verdacht auf einen Fünfling – gewertet wird. Spielanfänger können zu Beginn jeder Runde ein neues eigenes Zeichen absprechen, bei erfahrenen Spieler wird empfohlen, dass es jeweils einen Punkt kostet, wenn eine Gruppe ihr Signal ändern will.

Zu Beginn einer Runde erhält jeder Spieler aus dem gemischten Kartendeck fünf Karten, außerdem werden je nach Spieleranzahl 5-8 Karten offen in die Mitte gelegt. Wenn alle Spieler ihre Handkarten angesehen haben,dürfen alle Spieler gleichzeitig Karten tauschen.Tauschen darf man immer nur mit den Karten aus der Tischmitte, nicht mit anderen Spielern, und auch immer nur eine Karte gleichzeitig. Hierbei ist jedem Spieler überlassen, ob er erst die neue Karte von der Tischmitte nimmt und dann eine Handkarte ablegt oder umgekehrt. Unter keinen Umständen darf man während des Spiels also weniger als vier oder mehr als sechs Karten auf der Hand haben.

Man versucht, durch dieses tauschen fünf Karten mit dem selben Symbol zu sammeln. Allerdings kann der Spieler, der den Fünfling gesammelt hat, nicht selber punkten. Stattdessen muss er über das vereinbarte Signal einen Mitspieler deutlich machen, dass er den Fünfling hat. Dabei muss man natürlich versuchen, dieses Signal so unauffällig zu geben, dass die Gegenspieler es nicht bemerken.

Wer jetzt bemerkt oder zu merken glaubt, dass ein anderer Spieler einen Findling signalisiert, kann mit dem Ruf „Sign!“ einen anderen Spieler andeuten, der einen Fünfling haben soll. Dieser „Beschuldigte“ Spieler muss anschließend seine Hand aufdecken und es gibt Punkte. Wenn die Behauptung, der Spieler habe einen Fünfling, stimmt, erhält das Team des Spielers, der die Beschuldigung aufstellt, ein. Wenn die Behauptung nicht stimmt und der Anschuldiger nicht im Team des Beschuldigten sitzt, erhält das Team des Beschuldigten einen Punkt. Wenn aber ein eigenes Teammitglied irrtümlich einen Fünfling behauptet hat, erhalten alle anderen Teams (bei mehr als zwei Teams) einen Punkt.

Anschließend werden die Karten zusammen geworfen, neu gemischt und eine neue Runde beginnt.

Das Spiel endet, wenn ein Team eine vorher festgelegte Anzahl Punkte erreicht hat, oder wenn eine vorher festgelegte Anzahl Runden gespielt wurde. Es gewinnt, welches Team am Ende des Spiels die meisten Punkte erzielt hat.

Eine Einzelrunde dauert in der Regel nicht mehr als 4-5 Minuten, ein ganzes Spiel ist entsprechend von der Anzahl der Siegpunkte/vereinbarten Runden abhängig.

Jedes Team muss natürlich darauf achten, ein Signal zu wählen, dass die Gegenseite nicht leicht durchschaut, gleichzeitig muss es aber deutlich genug sein für die eigenen Mitspieler. Hier einen gesunden Mittelweg zu finden, ist nicht ganz einfach.

Das Spiel eignet sich gleichermaßen für Gelegenheitsspieler wie für Vielspieler, auch Analyseparallytiker, das Spiel zum Stehen zu bringen.

Mit einer Spielerzahl von 4-9 steht das Spiel auf der Grenze zum Partyspiel; manche Rezensenten bewerten es auch als solches, ich persönlich würde es aber eher als Gesellschaftsspiel mit sozialer Komponente bezeichnen. Immerhin gibt es eine ganze Menge Leute, die in der Regel nicht viel von Partyspielen halten (ich gebe zu, ich gehöre auch zu ihnen), denen dieses Spiel aber dennoch gut gefällt. Auch meine Testrunden meinte bereits, ich solle das Spiel doch öfter einmal mitbringen – so als Aufwärmspiel oder Absacker oder so.

 

Sign ist nicht leicht zu erwerben, auf der Webseite des Herausgebers sind aber einige Niederländische und Belgische Läden zu finden, die es anbieten.

Hersteller The Mountain Men
Autor Jesse van den Berg, Salko Joost Kattenberg, Rens Kattenberg
Künstler Salko Joost Kattenberg
Spieler 4-9
Denken 7
Glück 6
Geschicklichkeit 3
Preis ca. 10 €

Spiel – Tag 2

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Die 'Großen‘

Heute war also der zweite Tag der Internationalen Spieltage. Wie auch voriges Jahr haben wir diesen Tag genutzt, um uns um die Hallen 10-12 zu kümmern. Leider haben wir hier nicht die ganze "Strecke“ abgejagt, irgendwie ist uns die Zeit davongelaufen. Dennoch haben wir einiges interessante gesehen – und hoffentlich auch ein paar Kontake erneuern können.

Aber bevor ich mit den Spielen beginne, möchte ich auch auf diesem Weg noch einmal Friedemann Friese gratulieren, der vor wenigen Tagen seine Familie vergrößert hat…

Schmidt Spiele (zu denen auch Drei Magier und Hans im Glück gehören) hatte wie üblich eine Reihe Spiele. Boxxy ist ein schnelles Spiel mit Buchstabenwürfeln, das die Würfel in einem großen Plexiglawürfel hat, in dem auch die Sanduhr steckt. So kann man keine Teile verlieren. Die verbotene Insel stellt eine Erforschung einer Ruinenstadt nach, in dem die Spieler in verschiedenen Rollen eine ständig von Überflutungen bedrohte Insel untersuchen. Qwirkle ist ein leicht Scrabble-artiges Legespiel um Formen und Farben. In Loch Ness versucht man, seine Fotografen so am Ufer des Sees aufzustellen, dass man ein Fopto von nessie schießen kann. Natürlich ist Nessie selten zur Mitarbeit bereit…

Bei Out Of The Box sahen wir die Englische Version eines Spiels, das wohl im Laufe des nächsten Jahres auch auf Deutsch erscheinen wird: in Word on the Road sucht man Worte, um die Buchstaben in diesem Wort 'auf die eigene Seite zu ziehen'.

Bei Jumbo sahen wir vor allem Logo – das große Spiel der Marken, ein Quizspiel um Marken und Logos, das schwieriger sein soll als es auf den ersten Blick erscheint. In Bin ich Beethoven wird das alte Partyspiel, bei dem jemand einen Namen auf der Stirn trägt (so dass er den Namen nicht selbst lesen kann) und diesen herausfinden muss, mit einem Mini-Computer verknüpft, der die Worte in schneller Folge vorgibt.

Hiku-Spiele – der Verlag, der für seine Materialien (Lederbeutel, Halbedelsteine) und seine schönen Spiele bekannt ist, hat insgesamt fünf neue Spiele. Hierbei waren unter anderem Schäfchen ins Trockene, bei dem man als Schäfer versucht, seine Schafe zu vermehren und aus dem Gehege zu treiben.

Ravensburger zeigte unter anderem das Spiel Phase 10 – das Brettspiel, ein Spiel, das die Mechanik der wechselnden Regeln aus Phase 10 auf Brettspiele umsetzt.

Möglicherweise der Hauptgrund, dass uns die Zeit so knapp wurde, war Adlung Spiele. Der Herausgeber von kleinen Kartenspielen hatte wie üblich eine Menge neues zu sehen. Zum Beispiel Heiss auf Eis, bei dem Eishörnchen gebaut werden, Quirrly, ein Spiel, bei dem man aus verschiedenen Stapeln auf dem Tisch eine Reihe von aufeinanderfolgenden zahlen in der richtigen Reihenfolge finden muss, oder auch Haflinger & Co., ein Auktionsspiel um Pferde, das nicht nur für Mädchen interessant ist.

Mille Grazie entführt uns nach Norditalien. Zoch bietet hiermit ein Routenplanungsspiel, bei dem man nicht nur seine eigenen Routen sinnvoll planen muss, sondern sich nebenbei auch als Wegelagerer zu Lasten der  Mitspieler betätigen muss, um zu gewinnen.

Neben den 'Großen' sind ja auch immer eine Reihe kleiner Verlage immer an derselben Stelle zu finden. So hat der aktuell-spiele-verlag an der üblichen Stelle mit Gefährlich ehrlich ein Kommunikationsspiel, bei dem man nur sehr wenig reden muss.

Nach langer Zeit hat Franjos auch wieder ein neues Spiel: Cinco ist ein Legespiel, bei dem man mit Karten versucht, eine Fünferreihe zu legen. Trotz der Karten ist der Zufallsfaktor nur sehr gering.

Steffen Spiele hat mit Scho K.O. ein Legespiel für zwei Spieler, bei dem mit Schokoladequadraten aus weißer und Zartbitter-Schokolade große Flächen gelegt werden.

Dies waren, wie üblich, nur die Sachen, die am meisten ins Auge gefallen sind. Wie in allen Hallen gibt es aber noch viel mehr Interessantes zu entdecken. Wer also noch zweifelt: auch an den traditionell 'volleren' Tagen Samstag und Sonntag lohnt der Besuch sich noch, und das Fehlen von unter anderem Games Workshop scheint auf den Platz pro Besucher einen guten Einfluss zu haben.

Spiel – Tag 1

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Rollenspielhalle
Heute war dann der erste Tag der Internationalen Spieltage. Da Herbstferien sind, war es schon ziemlich voll. Dies merkten vor allem die Leute, die eine Tageskarte kaufen wollten. Ein Bekannter berichtete, dass er vor halb zehn bereits in der Schlange an den Kassen stand, und erst gegen 12 Uhr (!) die Eintrittskarten kaufen konnte.

Donnerstag ist traditionell für uns der Tag der Rollenspielhalle, Nummer 6. Wir sind allerdings dieses Mal ziemlich schnell durch gekommen, und haben anschließend gleich noch einen Teil der Halle 4 mitgenommen. Auch hier war einiges interessante zu sehen.

Anders als in den letzten Jahren war dieses Jahr die Halle 6 nicht ausschließlich dem Rollenspiel, dem Tabletop  und dem LARP gewidmet. Zum einen waren hier einige Händler von Zweitehand-Spielen zu finden, zum anderen auch vereinzelt Hersteller von 'normalen' Spielen

Eine der wahrscheinlich am sehnlichsten erwarteten Neuveröffentlichungen ist die 'Berge des Wahnsinns‘-Kampagne von Cthulhu. Hierzu sind nicht nur der erste der drei Kampagnenbände und das Expedition Pack bei Pegasus erschienen, sondern auch von Erdenstern ein Soundtrack.

Uhrwerk hatte nicht nur die 4. Edition des Legend of the 5 Rings Regelwerk da, die in der nächsten Woche offiziell in den Verkauf gehen soll, sondern auch das gleich terminierte Stadt der Finsternis von Deadlands.

Prometheus Games hatte das Hellfrost Spielerhandbuchauf dem Stand, ein Buch, das ein anderes Format hat als die All-in-one-Settingbände, weil es eben kein komplettes Setting ist, sondern nur ein Spielerhandbuch.

13Mann hatte zwei Neuheiten zu Traveller: das Abenteuer Gefängniswelt, und ein eigenes (also nicht übersetztes) Quellenbuch zu Robotern.

In nicht direkt rollenspielbezogenen Neuheiten zeigte Soylent Games das schöne Interstellar Mayhem, und bietet auch eine sehr begrenzte Auflage von bemalten Miniaturen zu diesem Spiel an.

Bucephalus Games bietet mit Rorschach ein Spiel an, das nichts mit den Watchmen zu tun hat, sondern seinen Namen von den Tintenklecksen hat, die in der Psychoanalyse verwendet werden.

Von GMT war bei Udo Graebe Gamedesign ein wunderschönes Spiel zum 'Survival of the Fittest' zu sehen: in Dominant Species versuchen verschiedene Tierklassen, sich gegen eine sich verändernde Umwelt durchzusetzen.

Aus Südafrika kommt Foodle (Spiel und Firma haben denselben Namen), ein Quizspiel, das von einer Diätistin zum Thema Ernähung erstellt wurde.

Die Spieltrieb GbR bietet mit Jets ein Tabletop-Rennspiel an, das ein wenig wie eine Kreuzung aus Jean du Poëls uraltem Ben Hur und Spielen wie Frag! oder Roborallye wirkt.

Und aus Dänemark kommt Global Cooling von Globaludo Aps. (spricht sich globa-ludo aus, nicht Global Udo). In diesem Spiel ist es das Ziel, die Energieversorgung der Erde mit erneuerbaren und klimaneutralen Energien sicherzustellen.

In Halle 4 fiel unter anderem das Spiel Expedition Sumatra von Igramoon auf, bei dem man in einem veränderlichen Dschungel auf Tierjagd geht.

Grübel-Spiele hatte eine Reihe von Spielmaterial-Sets mit schönen Illustrationen – das interessanteste war mE ein Set mit 40 verschiedenen Musikinstrumenten.

Ein Stichspiel im Stile von Wizards ist das Spiel Zockato vom gleichnamigen Verlag. Man wettet Spielgeld darauf, wie viele Stiche man erhalten wird – was allerdings erschwert wird, weil zum einen die Regeln für das Stichspiel selbst von Runde zu Runde veränderlich sind, und weil man mit Spezialkarten die Planung für die Mitspieler weiter erschweren kann.

Homoludicus hat mit 4 Monkeys ein Spiel, in dem man versucht zu beweisen, dass man der intelligenteste Affe am Spieltisch ist.

Japon Brand zeigte mit Cat and Chocolate ein Spiel, bei dem man versucht, in einem Spukhaus die verschiedensten Gefahren zu meistern – mit Geschichten, die manchmal an Münchhausiaden erinnern. Witchcraft ist dahingegen ein Spiel um Verdächtigungen, bei dem man versucht, unter den Teilnehmern die Hexe aufzuspüren, während man die entsprechenden Verdächtigungen auf einen selbst versucht abzuleiten. Und in Regality vs. Religion: Revolution spielt man ein nettes. kleines Zweipersonenspiel, bei dem Klerus und Adel versuchen, sich Gegenseitig die Herrschaft über das Spielfeld streitig zu machen.

Für morgen habe ich, wie letztes Jahr auch, die drei großen Hallen am Eingang geplant, weil die samstags traditionell kaum noch zu navigieren sind. Das sind dann vor allem die 'Großen‘, aber auch hier gibt es einige interessante Kleinverlage.

Spiel – Tag 0

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Pressekonferenz, Vorschau

Wie jedes Jahr, war auch heute wieder am Vortag der Messe-Eröffnung die Pressekonferenz und Eröffnung der Neuheitenshow. Außerdem sehen wir uns dann immer schon die Hallen ein erstes Mal an, auch um evtl. noch Termine zu vereinbaren, um mit Herausgebern zu sprechen.

Die Pressekonferenz brachte wenig überraschendes: wie noch jedes Jahr ist die SPIEL auch dieses Jahr wieder weiter gewachsen: 786 Aussteller aus 32 Nationen sind ein neuer Rekord, und mittlerweise sind beinahe die Hälfte der Aussteller (45 Prozent) aus dem Ausland. Vor allem der asiatische Raum – und hier zur Zeit anscheinend besonders China – stellt den größten Wachstumssektor.

Interessant war auch ein Kommentar von Michael Hopf von der Fachgruppe Spiel, der auf die Frage nach Exportumsätzen zugeben musste, dass es kaum physischen Export gibt, und dass der Transfer von Lizenzen traditionell nicht im Exportgeschäft mitgezählt wird.


Es sollen insgesamt mehr als 650 'neue Spiele' vorgestellt werden, wobei die SPIEL als 'neu' ein Spiel bezeichnet, das seit der letzten SPIEL erschienen ist, also zum Beispiel auch die Neuheiten aus Nürnberg mitzählt.


Die Neuheitenshow ist zwar immer noch sehr interessant, krankt aber seit einigen Jahren unter einer steigenden Neigung der Aussteller, die Spiele dort aufzubauen und anschließend wieder auf ihren Ständen zu arbeiten. Gefühlt 50 Prozent der Stände waren verwaist, so dass auch interessant aussehende Spiele zum Teil wenig Interesse finden konnten.


Ein paar Spiele sind mir aber dennoch sowohl auf der Neuheitenshow als auch in den Hallen aufgefallen, die ich in den nächsten Tagen auf jeden Fall noch näher ansehen will.


So hat Out Of The Box Games – der Verlag, der u.a. John Kovalic gehört – die Konkurrenten zu Ninja vs. Ninja herausgebracht – in Pirate versus Pirate streiten insgesamt drei Piratenmannschaften um Gold, Rum und Ehre.


Über Alkohol gesprochen: Wattsalpoag hat mit Last Call ein 'Spiel für Bartender' – ein schnelles Spiel um Mixgetränke.


Auch die neuen Spiele der Lego-Reihe sehen interessant aus: Hogwarts hat natürlich den Vorteil der literarischen Vorlage, aber auch Shave a Sheep sah sehr interessant aus, und punktet natürlich auch durch die Niedlichkeit.


Bei Kosmos gab es einiges Neue, das interessanteste waren wohl zum einen die Neuauflage der Siedler – und einer Schokoladenmarkt-Erweiterung, die wohl ausschließlich über Ritter Sport erhältlich sein soll -, zum anderen Schwarzer Freitag von Friedemann Friese.


Improvisationstheater ist in manchen Spielen ein Bestandteil, aber nur bei Freeze von Be-Witched das Hauptthema – und alle Teilnehmer nehmen auch in Rollen daran teil…


Die Gebrüder Lamont von Fragor haben eine neue Tierart in ihren Spielen – der Titel Antics! sagft wohl schon genug. Es sah  wieder aus wie ein komplexeres Spiel als das letzte. 


Eine wunderschöne Verpackung hat Captain Jacks Gold von Noris/Goldsieber: eine metallene Schatzkiste, und auch das Material sah sehr schön aus.


Tuonela Games zeigt unter anderem ein Update zu The Club: Unter dem Titel 'DJ Set' soll der Wertungsmechanismus verständlicher werden.


Mehr über diese und andere Spiele ab morgen, wenn die eigentliche Messe ihre Pforten öffnet.



Jacobs umgedreht

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Day & Night

Auch wenn der Titel einen vielleicht daran denken lässt: Day & Night hat nichts zu tun mit dem Kaffee Night & Day von Jacobs. Zwei Spieler versuchen, auf dem Spielfeld zwei eigene Tempel zu errichten, wofür sie Zaubersprüche einsetzen.

Der Niederländische Herausgeber Mystics hat dieses Spiel 2008 herausgebracht, und 2009 mit einem eigenen Stand auf der SPIEL gezeigt. Seit Anfang dieses Jahres ist das Spiel ausverkauft, ich hatte eigentlich gehofft, dass es, wie angekündigt, bald wieder verfügbar werden sollte. Wer es allerdings noch in einem Webshop oder Zweite-Hand-Laden finden kann, kann zuschlagen. Der Herausgeber hat folgende Teile in die Spieleschachtel gepackt:

  • 70 Karten mit Nacht-Zaubersprüchen
  • 70 Karten mit Tages-Zaubersprüchen
  • 44 Spielplättchen
  • 1 Spielbrett
  • je 2 Spielsteine für den Tag und die Nacht
  • 8 Markierungssteine 'Mystify‘
  • 18 Markierungssteine 'Tagestempel‘
  • 12 Markierungssteine 'Crystallize‘
  • 12 Markierungssteine 'Nachttempel‘
  • ein Regelhefts

Das Regelheft ist Englisch und Niederländisch, es gibt auf der Webseite des BoardGameGeek auch eine Deutsche Übersetzung. Die Karten selber sind Anglisch, aber auch für Leute, die in Englisch nicht so gut sind, verständlich.
Zu Spielbeginn erhalten beide Spieler fünf Sprüche aus ihrem 'Zauberbuch' – die Stapel mit den Zaubersprüchen. Das Spielfeld ist leer,nur je ein Spielstein steht auf dem Feld. jeder Zug verläuft dann in vier Phasen:

1) Erwachen – Jeder Spieler erhält zu Beginn seines Zuges 12 Stunden, mit denen er arbeiten kann.
2) Zauber sprechen – der Spieler kann Zauber aus der Hand ausspielen, die dann sofort eintreten. Jeder Zauber hat eine Zauberdauer in Stunden, die von den verfügbaren Stunden (zu Beginn der Runde 12) abgezogen werden.
3) Bewegung – Manche Zauber beeinflussen nur Felde in unmittelbarer Umgebung des Spielsteines. Daher muss der Spielstein über das Feld gezogen werden. Jeder Einzelzug von einem Plättchen auf ein benachbartes kostet 3 Stunden und gibt dem Spieler einen neuen Zauber, den er von seinem Zauberbuch ziehen muss. Wenn erst einmal begonnen wurde zu ziehen, kann man auch keine Zauber mehr aussprechen, das muss dan bis zur nächsten Runde warten.
4) Rückzug – die Kartenhände werden notfalls auf fünf Karten vermindert, indem ungewünschte Zauber abgeworfen werden. Noch nicht verwendete Stunden verfallen.

Ziel ist es, zwei Tempel zu bauen. Ein Tempel besteht aus neun Feldern mit dem Symbol des Spielers die aneinander angrenzen. Wenn, nachdem ein Zauber gesprochen wurde, eine zusammenhängende Gruppe von neun oder mehr Feldern mit dem eigenen Symbol erreicht wurden, werden neun 'Tempelmarkierungen' ausgelegt. Diese Felder können danach auch nicht mehr umgedreht oder verändert werden.

Das Spiel ist interessant, weil beide Spieler im Endeffekt völlig verschiedene Techniken haben, mit denen sie ihre Felder erhalten. Tag verwendet 'Mystify‘-Zauber, die schwierig und teuer sind, aber langfristig wirken, während Nacht 'Crystallize‘-Zauber hat, die eher kurzfristig wirken. Wenn Tag einen Mystify-Zauber verwendet, bleibt das Feld eine Anzahl Runden lang angreifbar, die durch den speziellen Zauber bestimmt wird. Wenn das Feld in dieser Zeit nicht auf Nacht gedreht wird, verwandelt es sich in einen kleinen Tempel, der dann nicht mehr gedreht werden kann. Felder, die Nacht kristallisiert (und das können auch Tagesfelder sein), können eine Runde lang durch Tag weder durchquert noch verändert werden. Danach werden sie aber wieder frei verfügbar.

Das Spiel endet, wenn ein Spieler seinen zweiten Tenpel fertigstellt, wenn beiden Spielern unmöglich ist, einen zweiten Tempel fertigzustellen, oder wenn en mystifiziertes Feld es durch Umwandlung in ein Tempelfeld für Nacht unmöglich macht zu gewinnen, obwohl Tag noch den Tempel fertigstellen kann – dann wird abgekürzt, indem Tag gewinnt ohne das Unausweichlicht auch noch zu beweisen.

Das Spiel spielt sich ein wenigt wie ein Sammelkartenspiel, allerdings haben die Spieler vorgegebene Decks – die undanks aller unterschiede überraschens ausgeglichen sind. Nur ganz selten kommt es einmal vor, dass eine Seite durch Kartenglück einen plötzlichen, schnellen Sieg erreicht, und auch wenn man immer wieder das Gefühl hat, die gewinnende Seite sei der anderen überlegen, stellt man später wieder fest, dass das nicht stimmt – weil bei einem anderen Spiel die andere Seite genauso überwältigend zu sein scheint.

Nicht nur durch das Material, auch durch die Techniken hat das ganze einen gewissen New-Age-Touch, der dem ganzen Spiel zugute kommt. Aber auch wenn man es vom Thema losgelöst betrachtet, ist Day & Night ein überraschend interessantes Zweipersonenspiel für eine Spielzeit von etwa einer Stunde.

Zahlenspiele

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Nmbrs!

Manche Themen scheinen im Spielebereich Slebstläufer zu sein: jedes Jahr findet man auf der Messe in Essen neue Spiele zum Thema, die oftmals nur Variationen zum Thema sind – je mehr, desto mehr sie als 'völlig neuartig' beworben werden. Eines dieser Themen, die immer wieder in neuer Verpackung kommen, sind Spiele mit Zahlen – den natürlichen Zahlen von 1 bis X, wobei X je nach Spiel unterschiedlich sein kann.

Dieses Jahr beteiligte sich der neue Niederländische Herausgeber A&KJ Productions an diesem Reigen, mit dem Titel nmbrs!. Das Ausrufezeichen gehört mit zum Namen.

Das Spiel kommt in einer wenig aufdringlichen Schachtel, die außerdem gut gefüllt ist: insgesamt 104 Spielkarten und eine Spielregel in Niederländisch. Regeln in anderen Sprachen – unter anderem auch in Deutsch – sind über die Webseite des Spiels verfügbar (PDF). Die Karten sind gut plastifiziert, aber beim Auspacken kleben sie zunächst einmal stark aneinander.

Die Karten zeigen die Zahlen von 1 bis 100, hinzu kommen vier Joker. Die Zahlenkarten haben jeweis eine Farbe – rot, grün, blau und orange -, zeigen die Zahl klein in den Ecken und groß in der Mitte, sowie einen Punktwert in einem Kreis unterhalb der kleinen Kartenzahlen. Die Joker zeigen in den Ecken jeweils ein Ausrufezeichen, in der Mitte den Spielenamen, und den Punktwert 0, von jeder Kartenfarbe gibt es einen Joker.

Das Spiel erinnert ein wenig an Rommee, ein wenig an ein numerisches Scrabble: man versucht, mit den Zahlenkarten mathematische Reihen zu bilden, die man auslegt wofür man dann Punkte erhält. Die Bezeichnung 'mathematische Reihen' zeigt bereits an, dass es nicht unbedingt um aufeinanderfolgende Zahlen gehen muss. 6-8-10-12 wäre ebenso eine zulässige Reihe wie 4-9-16-25-36. Auslegen kann man, sobald man eine Reihe aus drei Karten hat, anlegen nur, wenn man bereits eine Reihe ausgelegt hat. Beim Anlegen kann man sowohl eine bestehende Reihe nach vorne oder hinten anfüllen, einschieben (aus 10-20-30 macht man 10-15-20-25-30),Reihen einander kreuzen lassen (so dass eine Zahl in zwei Reihen aus mindestens drei Karten steckt), oder auch zwai Reihen auf diese Kreuzweise verbinden. Joker darf man hierbei für jede Zahl verwenden, ein einmal gespielter Joker kann durch den Spieler, der die Zahl hat, ersetzt werden, auch wenn dieser noch keine Auslage hat. Punkte erhält man für die neu ausgelegten Karten (bei Anlagen also nicht für die bereits liegenden Karten), und zwar jeweils so viele Punkte wie auf der Karte vermerkt sind. Extrapunkte gibt es, wenn alle ausgelegten Karten von verschiedenen Farben oder auch derselben Farbe sind, oder auch wenn alle Karten andere Werte oder alle denselben Wert haben. Der Austausch eines Jokers bringt allerdings keine Punkte.

Ansonsten werden die Karten wie beim Rommee ausgespielt bzw. gezogen. Wenn ein Spieler alle Handkarten losgeworden ist, erhält jeder Spieler Minuspunkte für die Werte der Karten, die er/sie noch auf der Hand hat. Ziel ist es, ausgehend von einer Basis von 50 Punkten, 100 Punkte zu erreichen, was meist in drei vis sechs Durchgängen erreicht wird. Wer ein längeres Spiel bevorzugt, kann natürlich auch ein höheres Ziel wählen, auch wenn das in der Regel nicht ausdrücklich erwähnt wird.

Die Verteilung der Farben und Kartenwerte ist so, dass es nicht ganz tgrivial ist, Extrapunkte zu erreichen. Außerdem sollte man sich vor Spielbeginn einigen, ob man nur einfache arithmetische Reihen (also Reihen mit festen Zahlenabständen), oder auch geometrische und andere mathematische Reihen zulassen will (1-2-3-5-8-13-21-34 wäre eine – um eine Startzahl gekürzte – Fibonacci-Reihe). Je weiter die möglichen Reihen gezogen werden, desto mehr muss man auch über die eigenen Hände nachdenken, ob man eventuell eine Reihe übersieht, die einem mehr Punkte liefern würde. Allerdings kann – genauso wie bei Eigennamen, Fremdwörtern u.ä. beim Scrabble – die Frage, ob etwas eine zulässige Reihe ist, schon einmal zu Diskussionen führen. Am besten funktioniert das Spiel daher, wenn die Mitspieler alle ähnlich weit in der Mathematik gekommen sind.

Unter dieser Voraussetzung bietet es allerdings genau den Kick, der Rummy in eine neue Ebene erheben kann.

Hersteller A&KJ Productions

Autor

k.A.

Spieler

2-8

Denken

6

Glück

7

Geschicklichkeit

0

Preis

€9,99 bei verschiedenen Niederländischen Verdsandhändlern

Spiel – Tag 3

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´Kleinverlage

Es ist Samstagabend, und meine Füße spielen immer noch mit. Zumindest kann ich noch laufen, was nicht selbstverständlich ist an diesem Abend. Und das, obwohl wir heute mit vielen Leuten gesprochen haben und Kontakte geknüpft haben.

Ehrlich gesagt: wir haben mit so vielen gesprochen, dass ich wieder ernsthaft kürzen muss. Das heißt vor allem, dass auch interessante Spiele eventuell ausfallen, ganz einfach, weil mir der Platz fehlt…

Eines der auffälligsten Spiele für Experten war wohl A Brief History of the World von den Ragnar Brothers aus England. Das 'klassische' History of the World, das vor vielen Jahren von Avalon Hill herausgegeben wurde, stammt von denselben Autoren, hatte aber beklanntlich das Problem, dass es für den Normalspieler viel zu lange dauerte. Die neue Version soll deutlich kürzer gehen und einfacher zu verstehen sein.

Leicht zu verstehen ist sicherlich Beer and Pretzels von Bézier Games / Ted Alspach. Man wirft mit Symbolen bedruckte Bierdeckel in einen gemeinsamen Zielbereich, und jedes Symbol, das am Ende noch frei ist, gibt Punkte. Schnell und einfach zu verstehen, aber nicht ganz ohne.

Die neue Idee von Krimsus Krimskramskiste ist auch 'nicht ganz ohne‘: man kann sich auf Fantasy-Download ein Kartenspiel-Bauset herunterladen und dieses dann sleber erstellen.

Nmbrs ist ein einfaches Kartenspiel um mathematische Reihen.

Von Clicker kommt wieder einmal ein Logik-Denkspiel, das diesmal als Wettbewerb gespielt werden kann. Es geht hierbei um die Untaten eines gewissen Schinderhannes.

Onexeno von Penrose Press ist ein Domino-artiges Spiel mit quadratischen 4×4-Karten, das sich für Variationen des Grundspiels geradezu anbietet.

In Infinite City bauen die Spieler eine Großstadt à la Gotham. Die Regeln, die die Alderac Entertainment Group dafür erstellt hat, sorgen dafür, dass das Spiel kurzweilig und immer anders ist.

Aus Großbritannien importiert ist About Time – die Zeit hat die Fragen und Themen auf Deutsche Verhältnisse umgeschrieben.

In Geo200 geht es um die Länder der Erde – auf den Karten sind die Länder der Erde wiedergegeben, und die Regeln gehen von simpelen Mau-Mau-Varianten bis hin zu ziemlich komplexen Sammelregeln. Auch hier sind die Regeln frei anpassbar.

Die finnische Spieleschmiede Tuonela bietet eine ganze Reihe neuer Spiele, unter anderem Modern Society in dem die Gesellschaft der Zukunft gestaltet werden soll. Eher düster sind Inquisitio und Soul Hunters.

Es gibt viel mehr interessantes zu sehen, morgen ist ja noch ein Tag. Bis dann…

Spiel – Tag 2

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Die 'Großen‘

Heute war also der zweite Tag der Internationalen Spieltage. Im Gegensattz zu den letzten Jahren, in denen ich an diesem Tag durch die Hallen mit den kleineren Herausgebern gegangen bin (4, 5, 8, 9), habe ich dieses Jahr diesen Tag für die drei Hallen mit den 'Großen' (10, 11 und 12) reserviert. Das für morgen befürchtete Chaos (traditionell sind diese Hallen ja samstags und sonntags nur im Schneckentempo begehbar) hat mich zu dieser Umsetlluing veranlasst.

Auffällig war, dass auch hier einer der 'ganz Großen' durch Abwesenheit glänzte. Aber während Games Workshop seine Präsenz in Halle 6 komplett gestrichen hat, was dem verfügbaren Platz nur gut getan hat, ist Hasbro wenigstens mit einem Mini-Stand in Halle 9 vertreten. Dennoch ein wenig verwunderlich. Dafür machte sich auf dem Platz, der bislang Hasbro zur Verfügung stand, heuer Asmodée breit, sowie die zahlreichen Verlage (vornehmlich französischer Provenienz), die durch Asmodée in Deutschland vertreten werden.

Schmidt Spiele (zu denen auch Drei Magier und Hans im Glück gehören) hat wie üblich eine ganze Reihe Neuheiten an Bord. Interessant zum Solospiel sah Flip it aus, ein 3×3-Schiebepuzzle im Stil des klassischen 14-15-Puzzle von Sam Loyd … bei dem statt Plättchen Würfel verschoben werden, die auf den Seiten unterschiedliche Symbole tragen. Da sich durch geschicktes Drehen und Schieben der Würfel eine Unmenge Möglichkeiten eröffnen, dürfte der Spielspaß lange andauern. Zum Spield es Jahres Dominion gibt es sowhl eine – auch selbständig spielbare, aber auch mit dem ersten Dominion kombinierbare zweite Edition "Die Intrige“, sowie mit Seaside eine Erweiterung, die wiederum mit jedem der beiden Basisspiele kombiniert werden kann. Bei Car(d)cassonne wird das bekannte Prinzip um Gebietsausbau und -rekombination mit Karten realisiert – und mit, wie üblich, neuen, veränderten Regeln, die das Spiel wieder interessant machen. In Egizia versuchen sich bis zu vier Baumeister in einem taktischen Aufbauspiel als Architekten im Tal der Könige. Ein eher schnelles Spiel ist hingegen Würfel-Ligrettobei dem ein Würfel eine zusätzliche Rolle spielt.

Über schnelle Spiele gesprochen: nachdem out Of The Box letztes Jahr bereits höchstpersönlich vor Ort war, war ich angenehm überrascht, dass sie dieses Jahr wieder den weiten Weg aus den USA auf sich genommen haben, um ihre Spiele zu präsentieren. Auch wenn John Kovalic wieder nicht dabei war (der Nachwuchs scheint ihn wohl zu sehr zu beanspruchen), hatten man doch eine Reihe interessanter, schneller Spiele im Gepäck, die das Spielsystem von Ligretto nachahmen, aber gleichzeitig einiges Querdenken erfordern – so einfach wie bei Ligrette wird es einem hier nicht gemacht, seine Karten los zu werden. Sowohl Run Wild als auch 7 ATE 9 und Super Circles kommen in denselben Metalldosen, in denen auch schon Rock die Leute zum Querdenken animierte.

The Game Master hatte mit Amsterdam ein interessantes taktisches Spiel um die Touristenströme in der Stadt im Angebot.

Amigo hatte nicht nur die bekannten Kartenspiele im Rucksack, sondern mit Albion auch ein Spiel um die Besatzung Englands durch das Römische Reich. Auch vom anderen Brettspiel von Amigo gab es Exemplare – es versuchten auch einige Spieler, die Flucht von Atlantis in Lebensgröße nachzuspielen.

Bei Jumbo fiel vor allem Das Haus Anubis auf. Auf einem Spielplan, der jedesmal anders zusammengesetzt werden kann, erleben die Spieler Abenteuer ähnlich denen, die in der Fernsehserie auf Nick zu sehen sind (und die nachgespielte Episoden der original Niederländischen Erfolgsserie Het Huis Anubis sind).

Hiku-Spiele hatte ein paar kleine Neuheiten im Angebot – bei diesen Spielen reicht es dem Fan bereits zu wissen, dass auch sie wieder aus den bekannten Materialien bestehen (Lederbeutel, Halbedelsteine), und dass Orthogo, Hau wech! und so weiter wieder ganz nett aussehen.

Queen Games hat unter anderem mit Colonia ein strategisches Bauspiel um Köln im Angebot, und mit Cable Car ein Bauspiel um die besonderen Straßenbahnen un San Francisco, das nicht von ungefähr an das alte Metro erinnert. Schon allein das Spielbrett ist allerdings eine Augenweide.

Bitte nicht übel nahmen, dass ich von den beiden großen 'Sammlern' Asmodée und Huch & Friends keine Übersicht mache – in beiden Fällen wäre die Liste so lang, dass ich morgen noch daran säße :) Auch hier gab es wieder viel Schönes zu entdecken.

AbacusSpiele hatte in Zusammenarbeit mit dV games Gonzaga, ein Politikspiel um die Macht in Europa in der Zwit vom 13. bis zum 18. Jahrhundert. Auch kann man von letzteren wieder den Preisträger von Lucca, Turandot, erhalten.

Dies waren, wie üblich, nur die Sachen, die am meiten ins Auge gefallen sind. Wie in allen Hallen gibt es aber noch viel mehr Interessantes zu entdecken. Wer also noch zweifelt: auch an den traditionell 'volleren' Tagen Samstag und Sonntag lohnt der Besuch sich noch, und das Fehlen von Games Workshop und Hasbro scheint auf den Platz pro Besucher einen guten Einfluss zu haben.

Spiel – Tag 1

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Rollenspielhalle

Heute war dann der erste Tag der Internationalen Spieltage. Wie üblich, standen bereits vor neun Uhr Schlangen vor den Kassen der Messe Essen, obwohl die Messe offiziell ersst um zehn Uhr öffnet. Dennoch war es drinnen zumindest dort, wo wir waren (beide Roachware-Redakteure sind vor Ort), überraschend leer und ruhig.

Und wo waren wir: in den letzten Jahren habe ich ja traditionell den Donnerstag in erster Linie der Halle sechs gewidmet, also der Halle mit Rollenspielen, LARPern und den dazugehörigen Händlern. Aber auch auf dem Weg dorthin habe ich bereits Kontakte aufgefrischt, auch war ich gegen Abend noch in Halle vier.

Das Kartenspiel Klimapoker von Be-Witched sieht wirklich nett aus. Ich habe es vor wenigen Tagen beim Blog Action Day kurz angesprochen, aber da war es noch nicht fertig – es ist erst gestern vom Drucker geliefert worden, und seit heute erhältlich.

Zwei Themen haben wir heute wiederholt gesehen. Das Eine heißt Schach. Es gab eine ganze Reihe schach-basierter Spiele zu sehen, von denen sich möglicherweise das Spiel Castle Garden der Rotterdammer Golden Crown Games am weitesten vom Original entfernte. Hierbei muss man die entführte Prinzessin aus dem Verlies des Gegners befreien und nach Hause bringen. Auch die Figuren haben teilweise ganz andere Zugregeln, dennoch ist die Schachbasis unverkennbar.

Das Britische River Horse LLP hat mit Shuuro ein Spiel, das Schach mit Tabletop verbindet. Vom Tabletop hat Shuuro die Aufbauregeln (Punkte als Einheitenkosten, Maximalzahlen für bestimmte Einheiten – Bigamie ist mit bis zu drei Damen möglich) und die Idee des Geländes – je nach Brettgröße gibt es zwei bis acht Erhebungen, die den Figuren dumm im Weg herum stehen und nur von den Springern besetzt werden können. Vom Schach hat es die Figuren, die Zug- und Schlagregeln, und die Siegbedingung: Den König des Gegners zu schlagen.

Das zweite waren kleine modulare Dungeonspiele. Das auffallendste Beispiel hierfür waren wohl die Dash-in Dungeons von Wednesday Night Games aus Australien. Eine Dose mit knapp 500 Karten, mit denen Dungeons ausgelegt werden können, mit Charakteren, Fallen, Schätzen, und die auch als Würfel dienen. Abhängig von Fähigkeiten und Fertigkeiten benutzt das System Kartenpools, mit denen der Erfolg festgestellt wird. Charaktere sind in den Stufen 1 bis 3 dabei, sowie Klein-Dungeons, die man den Spielern vorgeben kann. Es hindert einen auch nichts daran, seine eigenen Dungeons zu bauen. Wenn das Spiel anschlägt (und es scheint zumindest für einen kurzfristig angesetzten, kurzweiligen Dungeon Hack geeignet zu sein), sollen Erweiterungen folgen.

Ein anderer Fertigdungeon mit wiederverwendbarem Material (aber wesentlich ausgefeilterem Abenteuer – dafür nur eines) ist Mystic Path aus dem BBCK Bramstedter Kleinverlag. Im ersten Abenteuer 'Nebel um Burg Tiefenkaastl' legen die Charaktere sich mit einer Horde Untoter an, die das Dorf und genannte Burg unsicher machen. Es wird auch eine CD mit einem Audio-Soundtrack mitgeliefert, sowie 'zig Pappfiguren (mit Platikfüßen, wie man sie von Talisman kennt).

13Mann hatte einen Teil der geplanten Produkte da – der Leitmagie-Band zu Rolemaster war leider noch nicht eingetroffen. Der Traveller-Band Händler und Kanonenboote und der Heredium-Roman Neue Ufer waren dahingegen auf dem Stand zu finden.

Der VF&SF hatte wohl Ärger mit Zwergen. Jedenfalls passte das Material, das für den Zwergenband geschrieben worden war, nicht mehr komplett in den Band, so dass kurzentschlossen ein Ergänzungsband herausgebracht wurde, der das restliche Material enthält.

Arcane Legions von Wells Expeditions ist ein Semi-Collectable unter den Sammeltabletops: die 'Booster' sind nach Völkern getrennt, und werden in Achterpacks geliefert, die, wenn man einen solchen Achterpack kauft, alle Boostereinheiten des Volkes enthält.

Twilight Creations hatte nicht nur weitere Verstärkungen für Zombies dabei – unter anderm in Form von nachtleuchtenden Hunden – sondern auch das neue Deadlands-Brettspiel. Es sah auf jeden Fall ganz witzig aus.

Von A&KJ Productions aus Vijfhuizen(NL) kommt nmbrs, bei dem es um die Zahlen von 1 bis 100 geht, die man in Rechenreihen auslegen muss. Klingt vielleicht einfach, aber das Spiel hat es in sich.

Deep Dish ist ein ziemlich neuer Verlag aus den USA, der mit EAT ein Spiel um die gerade in den Staaten so beliebten 'Freßwettkämpfe' anbietet. Mehr oder weniger übelkeitserregende Sachen werden einem vorgesetzt (in Kartenform), und es wird gewürfelt, ob man das bei sich behalten kann oder einen Teil wieder … freiläßt. Wer den besten Magen hat, gewinnt.

Einen ganzen Pavillon hatte Korea, wo eine ganze Reihe Koreanischer Verlage ihre Spiele präsentierten. Besonders fielen hier eine neue Version von Gemblo auf, bei dem man Sonderfähigkeiten einsetzen kann, Dino Business, bei dem man eine Art Jurassic Park managt, Seven Hills, ein Politikspiel um das Alte Rom, Super Stock, ein Börsenspiel, ein stark glücksbetontes Bauspiel (der Name ist mir leider entfallen), und Caterpillar – Age of Tank. Caterpillar entzieht sich jeder einfachen Klassifizierung – es ist ein CoSim mit starken Handelselementen, es ist ein Warentransportspiel, bei dem man die Mitspieler beschießen kann, es sitzt fröhlich irgendwo zwischen den Genres und dreht jedem, der es klassifizieren will, erst einmal eine lange Nase. Aber es sah seeehr interessant aus.

Für morgen habe ich, im Gegensatz zu den letzten Jahren, die drei großen Hallen am Eingang geplant, weil die samstags traditionell kaum noch zu navigieren sind. 'mal sehen, wie das wird.

Spiel – Tag 0

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Pressekonferenz, Vorschau

Wie üblich ist heute der Vortag zu den Internationalen Spieltagen in Essen mit der traditionellen Pressekonferenz und Neuheitenshow gestartet. Dabei gab es einige für mich doch überraschende Mittteilungen, die ich auch meinen Lesern nicht vorenthalten will.

Die Spiel ist dieses Jahr noch einmal leicht gewachsen: nachdem es in 2008 noch 760 Aussteller waren, haben sich dieses Jahr 763 Aussteller (wenn ich das richtig gehört habe – der offizielle Pressetext spricht von 752) gemeldet. Mit 44% ist der Anteil an Produzenten aus dem Ausland auch der höchste seit Beginn der Spiel, Korea und Taiwan haben jeweils einen eigenen Pavillon, und auch China ist dieses Jahr auf der Messe vertreten.

Wenn man sich die Zahlen ansieht, könnte man meinen, dass die Wirtschaftskrise an der Spielebranche bislang vorbei gezogen ist. Und auch der Vortrag von der Fachgruppe Spiel (ein Mitglied im Verband der Deutschen Spielwarenindustrie, speziell gerichtet auf Brett-, Karten- und Gesellshaftsspiele sowie Puzzles) scheint dies zu bestätigen: entgegen allen allgemeinwirtschaftlichen Trends ist der Spielemarkt im letzten Jahr noch um ein Prozent gestiegen – wenn man die (eigentlich schon artfremden) Puzzles herausrechnet, steigt dieser Wert auf sage und schreibe drei Prozent. Von den Teilbereichen sind Kinderspiele (mit zehn Prozent Umsatzsteigerung) und Kartenspiele die Spitzenreiter – letztere litten zwar unter dem nachlassenden Pokerboom, konnten aber mit Dominion einen sehr starken Umsatzträger gewinnen.

Aber die Kreditkrise und ihre Auswirkungen – vor allem die Abwrackprämie, die in aller Munde war – machen auch in der Spielebranche von sich reden. Hierbei allerdings in spieltypisch ironisierender Weise. Neben der Abwrackprämie für alte Spiele von Krimsus Krimkramskiste fiel ein Brettspiel zum Thema auf. Mit diesem Spiel hat ein Ällgäuer Maschinenbauunternehmen die Pleite abwenden und 12 Arbeitsplätze retten können.

Auch abseits der Tagespolitik waren allerdings viele interessante neue Spiele zu bestaunen.

Ein sehr interessantes Nachbarland, dessen Spiele immer einen näheren Blick wert sind, sind die Niederlande. Hier fielen vor allem natürlich die neuen Spiele von Cwali auf. Aber auch Koplopers en dwarsliggers von Giuoco ist ein interessantes Spiel: anders als bei vielen Eisenbahnspielen geht es hier nicht darum, Anteile zu handeln und Linien zu bauen, sondern darum, Passagiere zu transportieren. Splotter steht mit Greed Incorporated zwar in der Neuheitenliste, allerdings ist das Spiel auf ihrer Homepage nicht zu sehen. Und The Game Master hat nicht nur eine ganze Reihe neuer Spiele im Angebot: man hatte speziell für das neue Spiel Opera eine Opernsängerin 'eingeflogen'.

Über Musik gesprochen: die Soul-Sängerin Cassandra Steen war auch anwesend – ihr Lieblingsspiel scheint Uno zu sein, das sie auch auf der Neuheitenshow präsentierte. Ich weiss allerdings nicht, ob die beiden Sängerinnen auch auf der Messe selbst noch anwesend sein werden.

Im Rollenspielbereich sind sicherlich die Hollow World Expeditions und das John Sinclair Rollenspiel zwei Highlights, die man sich näher ansehen sollte. Ersteres wird an dieser Stelle in Kürze besprochen werden.

Der DDD-Verlag (Dausend dode Drolle) hat dieses Jahr sogar zwei Stände, einen traditionell im Rollenspielbereich in Halle 6, der andere in Halle 9: man geht mehr und mehr dazu über, auch Brettspiele und Kartenspiele zu produzieren, und zeigte die Neuerscheinungen Campanile und Seidenstraße.

Einen großen Einstand hat Lego, das nach Aussage der Standmitarbeiter 9, laut Neuheitenliste sogar 10, Spiele anbietet, die mit dem bekannten Lego-Klick funktionieren, aber allesamt von Dr. Reiner Knizia sind, und Lego wohl auch als Spieler auf dem Brettspielemarkt etablieren sollen. Die durch die Lego-Technik möglichen Variationen (von veränderlichen Würfeln bis hin zu Umbaumechanismen) sahen jedenfalls in einer ersten Kurzshow sehr interessant aus.

Es gäbe sicher noch 'zig Spiele zu nennen, die man eigentlich nicht übersehen darf (von Sphinx, Pegasus, Ravensburger, Reiver Games, Z-Man Games, Gameheads, Czech Games Edition, Days of Wonder und und und), aber das würde wohl den Rahmen dieses Blogpostings sprengen.

Morgen plane ich die Rollenspiel-Halle 6 unsicher zu machen.