Tag Archiv für USA

Aztekenkarten

serpentstonesSerpent Stones

Game Salute ist ein Amerikanischer Spieleherausgeber, der für die Finanzierung neuer Spiele sorgt. Anders als die Spieleschmiede, die das in eigener Regie durchführt und in der Hauptsache noch einen Spielehandel betreibt, macht Game Salute direkt auf Producer, sprich: Game Salute bietet für Verlage nicht nur die Finanzierung sondern auch Vertrieb/Distribution, Unterstützung des Herstellungsprozesses etc. Außerdem hat Game Salute keine eigene Infrastruktur, um die Finanzierung im Crowdfunding durchzuführen, sonder nutzt hierfür die Dienste von Kickstarter.

Ein Spiel, das zur Zeit auf diesem Weg finanziert wird, ist Duco, das wir vorige Woche besprochen haben. Schon vor einiger Zeit – genau genommen im Juli/August 2012 – wurde Serpent Stones finanziert, das in Essen gezeigt wurde.

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Alleswächter

sotmSentinels of the Multiverse (Enhanced Edition)

Superhelden als Phänomen sind in den USA viel verbreiteter als in Deutschland – und damit auch Spiele, die sich um Superhelden drehen. So war seinerzeit das Marvel Superhelden-Rollenspiel in Deutschland eher im Bereich Ladenhüter einzuordnen, und das DC Heroes RPG wurde erst gar nicht übersetzt. Und auch neuere Inkarnationen dieser und anderer Rollen- und Brettspiele führen hierzulande eher ein Mauerblümchen-Dasein: im Rollenspielbereich wüsste ich so auf Anhieb nur Super-N.O.V.A., das seit Jahren erscheinen soll, und das einzige, was ich aktiv auf Cons angeboten gesehen habe, war Cartoon Action Hour.

Entsprechend haben auch Superhelden-Brett- und -Kartenspiele es hierzulande eher schwierig. Und so sind wir denn meist auf Importe aus den USA angewiesen, wie beispielsweise bei Sentinels of the Multiverse, das von Greater Than Games hergestellt wird. Auf der SPIEL waren eine Reihe von Exemplaren zu erwerben, und Milan Spiele vertreibt das Spiel auch in Deutschland, ansonsten ist es hierzulande eher schwer zu finden.

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Amerikas Beste

HooyahHooyah

Die Marineinfanterie, Kampfschwimmer und spezielle Landetruppen – in den USA heisst so etwas üblicherweise SEAL. SEALs sind hochspezialisierte Truppen der Navy – der deutsche Begriff Marine verleitet leider zu Ungenauigkeiten, weil amerikanische Marines zwar der Navy angegliedert sind, aber eigentlich eine eigene Truppe darstellen. Bekannte SEALs sind unter anderem der Astronaut und zeitweilige Spacelab-Bewohner William Shepherd und der Wrestler und frühere Gouverneur von Minnesota Jesse Ventura.

Der Kampfruf der SEALs ist “Hooyah”, was angeblich als Abkürzung für “Heard – Understood – Acknowledged” steht. Dieser Kampfruf wurde auch zum Titel eines Kartenspiels zum Thema SEAL-Einsätze.

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Neues von den Küstenzauberern

D&D 5th Ed. angekündigt

Nachdem bereits erste Gerüchte in der New York Times zu lesen waren, wurde es erst via den Twitter-account von @Wizards_DND und dann auch via die Webseite bekannt gegeben (wobei über ersteres Russell Morrisey – @morrus – ein wenig pikiert reagierte.

Es kommt eine neue Version von D&D, das wäre nach aktueller Zählung die 5. Edition. Noch im Frühjahr soll ein offener Spieletest erfolgen, mit dem Ziel das Spiel den SPielern bekannt zu machen, bevor man es als neu verkauft.

Laut der Meldung bei WotC ist die Entwicklung inzwischen so weit, dass Playtests außerhalb der eigenen vier Wände möglich sind, aber es bleibe dennoch viel zu tun. Der erste öffentliche Playtest soll Ende des Monats bei der D&D Experience stattfinden – eine Convention, die in Fort Wayne, IN, stattfinden wird. Das soll auch das letzte Mal sein, dass diese Convention selbständig sein wird: Ab 2013 soll sie in die GenCon eingegliedert werden.

Ich denke, man darf gespannt sein, in welche Richtung sich das Spiel entwickeln wird, wenn (und inwieweit) die Spieler selber ihre Stimmen hörbar machen können. Und man darf wohl auch gespannt sein, ob die Versionskriege zwischen den Editionen – die manchmal die Kreuzzug-artigen Ausmaße einer Diskussion Unix v/s. Windows oder DSA v/s D&D annahmen – durch diese größere Einbindung der Spielerschaft vermieden werden können.

Meine Vorhersage: in beiden Fällen, in denen in nach einer Menge fragte, erwarte ich, dass die korrekte Antwort ‘nur ein kleines bisschen’ lautet.

Neues von Helden

Hero Games schrumpft

Wie ich auf der Seite von ICv2 las, schrumpft der Mitarbeiterstab von Hero Games, dem Herausgeber des Champions Superheldenrollenspiel. Statt bislang drei Mitarbeitern wird ab 2. Dezember nur noch eine einzelne Person die Fahne hochhalten.

Nachdem Darren Watts, zur Zeit Präsident, und Stephen Long, Entwickler für Hero System, am 2 Dezember die Firma verlassen, wird nur noch Jason Walters, General Manager, übrig sein und den Versand und die allgemeinen Aufgaben abhandeln. (Irgendwie seltsam: insgesamt drei Mitarbeiter, und jeder hat einen wohltönenden Titel. Ist ja faast wie ein Blog mit zwei Mitarbeitern: einem Chefredakteur und einem Redakteur… ;) ). Allerdings sind wohl Verhandlungen im Gange, dass die beiden ‘Ehemaligen’ Lizenzprodukte zum Hero System produzieren wollen.


Wer sich ein wenig im System auskennt, weiss, dass Hero Games gerade an einem Buch arbeitet, dem Book of the Empress. Das soll noch herauskommen, angesichts der finanziellen Lage allerdings finanziert über Kickstarter.

Damit scheint die zweite Ära der Superhelden-Rollenspiele endgültig aufs Ende zu zu gehen. Champions, das bereits 1981 erschien, war in beiden Äras gut vertreten – damals erst im Eigenverlag, später dann bei Iron Crown und Talsorian (ich erinnere mich noch gut an das ‘dicke blaue Buch’, die Ausgabe von ICE, und die Runden die wir mit dem regelwerk spielten). Den Schrumpfungsprozess in den 90ern, dem u.a. D.C. Heroes und das originale Marvel Super Heroes RPG zum Opfer fielen, hat es überstanden, und den neuen Aufschwung in der ersten Dekade des neuen Jahrhunderts nutzen können. Zur Zeit ist die Situation wieder eher schlecht – der Wirtschaft sei es ‘gedankt’ – und irgendwie scheint es die Superhelden-Rollenspiele am schnellsten zu erwischen.

Man kann nur hoffen, dass sich die Lage schnell wieder entspannt und dass dem Hero System und Champions noch viele Jahre verbleiben mögen.

Lektion in Kapitalismus

Masters of Commerce

Wenn man etwas sieht, das in leuchtendem Orange eingepackt ist, liegt der Gedanke nahe, dass es sich um ein Niederländisches Produkt handelt – nicht nur die Fußballmannschaft bevorzugt oranje als kennzeichnende Farbe. Wer aber vermutete, dass die vielen orangefarbigen Rucksäcke auf der letzten SPIEL, in denen immer dasselbe Spiel steckte, von einem niederländischen Verlag herausgebracht wäre, lag ziemlich daneben: Grouper Games kommt aus Utah.

Das Spiel fiel aber nicht nur durch die aufdringlichen Rucksäcke auf. Es schien dem nichtsahnenden Messebesucher auch ziemlich laut zu sein, und es saßen immer sehr viele Spieler am Tisch. Das war auch richtig so, denn Masters of Commerce ist ein Spiel, das für große Spielgruppen gedacht ist, und dennoch versucht, ein taktisches Spiel zu sein, und nicht etwa ein Partyspiel. Um zu vermeiden, dass man große Gruppen aufteilen muss oder nur Partyspiele zur Auswahl hat, die eben nicht jedermanns Sache sind, will Grouper Games in Zukunft noch mehr derartige Spiele produzieren.


Wer die große, quadratische Schachte öffnet, wundert sich allerdings zunächst einmal, denn nichts in der Schachtel – außer dem Text in der Spielanleitung – deutet darauf hin, mit welchen Spielerzahlen es gespielt werden kann: es ist ein Spiel für drei bis elf Spieler, wobei das Spiel für drei bzw. vier Spieler eher der Sonderfall ist mit Spezialregeln.

Das Material jedenfalls sieht aus wie für ein normales (Euro-)Spiel. Man findet in der Schachtel:

  • die Spielregel in Englisch (eine Deutsche Regel ist als PDF zu downloaden
  • ein Marktbrett
  • vier Markierungssteine
  • 60 Händlerchips, in sechs Sätzen mit je zehn Chips
  • 39 Grundstücksplatten plus 7 Platten mit Grundstücken für doppelte Werte
  • vier Spezialwürfel
  • 5 Marker ‘Exclusiv’
  • 5 Marker ‘Pfand’
  • Spielgeld (ich habe die Scheine nicht nachgezählt)
  • 5 Markierungsstifte
  • eine Sanduhr

Die Grundstücksplatten und das Marktbrett sind sehr stabil und plastifiziert, die Markierungssteine sind aus durchsichtigem Plastik. Die Händlerchips sind ebenfalls aus Plastik, und für jeden Händler mit einem anderen Symbol markiert (Kuh, Schuh…). Das Geld ist nicht so zigarettenpapierdünn wie man es von vielen anderen Spielen leidvoll gewohnt ist, sondern vernünftig stabil. Die Spezialwürfel sind mit einer Ausnahme gut lesbar: der gelbe Würfel wäre besser mit schwarzen Markierungen versehen worden. Die Stifte sind trocken auswischbare Stifte, so wie sie u.a. auch in Pictomania oder Backseat Drawing zu finden sind. Zuguterletzt die Sanduhr: Laut Spielregel soll sie zwei Minuten laufen – und die Uhr in unserem Rezensionsexemplar läuft auch nahezu genau diese Zeit: 2:01 Minuten.

Das Spielmaterial zeigt also keine Anzeichen, dass es für mehr als drei, vier Spieler geeigent sei – aber drei und vier Spieler stellen eher den Sonderfall dar. Je mehr Spieler, desto interessanter soll das Spiel sein…

Zunächst einmal werden die Spieler gleichmäßig verteilt in Vermieter und Unternehmer. Die Vermieter erhalten einen Teil der Drundstücksplatten zufällig zugewiesen, anschließend beginnt das Spiel. Jede Runde (/es gibt insgesamt fünf Runden) besteht aus denselben fünf Schritten:

1) Verhandlungen über Mieten. In nur zwei Minuten müssen Unternehmer und Vermieter zu Verträgen kommen, für wie viel Geld in dieser Runde die Grundstücke an die Unternehmer vermietet werden sollen. Nur Verträge, die in den zwei Minuten komplett abgeschlossen werden (einschließlich Eintrag des Mietbetrages auf der Grundstücksplatte und Platzieren des Markers des Unternehmers), gelten.

2) Die Erträge für die Unternehmer werden ausgewürfelt. Hierbei verändern die Erträgeauf den verschiedenen Grundstückssorten unterschiedlich schnell, was durch die verschiedenen Würfel angezeigt wird. Effektiv ist eine Grundstückssorte so variabel, dass sie jede Runde vom maximalen bis zum minimalen Ertrag (Verlust) alles erwirtschaften kann, eine andere verändert den Eintrag nahezu gar nicht.

3) Die Unternehmer erhalten ihre Erträge und zahlen die Mieten an die Grundstücksbesitzer.

4) Die Grundstücksbesitzer zahlen Steuern.

5) Es werden ein paar zusätzliche Grundstücke versteigert (nicht in der letzten Runde).

Das war es bereits. Wer nach fünf Runden das meiste Geld als Unternehmer bzw. als Vermieter verdient hat, gewinnt (es gibt also zwei Sieger: einen Unternehmer und einen Vermieter).

Die Begrenzung der Verhandlungsrunden auf nur zwei Minuten ist ziemlich knapp, oftmals werden Verhandlungen durch Zeitablauf unterbrochen, und es wird schwierig, alles beizeiten zu vermieten. Man muss also darauf achten, dass man nicht in der Eile ein ungünstiges Geschäft abschließt.

Durch die zufällige Entwicklung ist auch die Gewinnsituation schwer abzuschätzen, aber mit Ausnahme des roten Würfels (also des Würfels mit der größten Variation) kann man zumindest ungefähre Einschätzungen wagen. Im Endeffekt hängt der Erfolg also sowohl vom Würfelglück wie vom Verhandlungsgeschick ab.

Mir gefällt das Spiel ganz gut, auch wenn es schweirig wird, entsprechende Spieleranzahlen an den Tisch zu bekommen. Wer aber häufiger große Gruppen versorgen muss, hat hiermit sicher ein gutes Spiel zur Hand, das das ewigen Partyspiele-Einerlei auf angenehme Weise unterbricht. Auch dauert eine Partie duirch die Beschränkung der Verhandlungszeit nicht lange: nach 30-45 Minuten ist das Spiel meist schon zu Ende.

Hersteller Grouper Games
Autor Britton Roney
Spieler 3 – 11 (am besten ab 8 Spieler)
Denken 8
Glück 7
Geschicklichkeit 3 (Schnellschreiben und Platzieren der Token, damit die Verträge rechtzeitig abgeschlossen werden)
Preis ca. US-$ 39,99 (Vorverkaufspreis in Amerika – Europäische Preise noch nicht bekannt)

Mutantenunterstützung

Mutant Meeples – Kickstarter

Bézier Games stellte dieses Jahr auf der SPIEL ein zukünftiges Spiel vor: Mutant Meeples – und wer will, kann sich an der Finanzierung beteiligen.

Meeples sind die menschenförmigen Spielfiguren, die ursprünglich im Spiel Carcassonne mitgeliefert wurden, aber seither auch in vielen anderen Spielen zu finden sind. Der Begriff ‘Meeple’ ist eine Verkürzung von ‘My People’, und wird, anders als das Deutsche ‘Pöppel’ nahezu ausschließlich für Spielfiguren in dieser speziellen Form verwendet.

Die Mutanten-Meeples sind Superhelden die in Meepville oder Meeptropolis die Bevölkerung vor Superschurken beschützen. Um diese Superhelden geht es dann auch in dem Spiel – genauer: um den Versuch, ein Superhelden-Team zusammenzustellen.

Um die Produktion des Spiels zu sichern, hat Bézier Games einen Kickstarter aufgesetzt, mit dem 10.000 Dollar hereinkommen sollen.

Wer sich beteiligen will, kann das natürlich auch aus Deutschland tun. Wer einfach nur 5 Dollar gibt, erhält nur das gute Gefühl, etwas für das Spiel getan zu haben. Wer mehr gibt, erhält ab bestimmten Schwellenwerten ein Exemplar des Spiels zugeschickt – oder bei entsprechend hoher Spende auch eine Straße in Meepville oder Meeptropolis nach ihm/ihr benannt. Allerdingds gibt es nur 36 Straßen, und die Anfangsbuchstaben sind streng limitiert.

Achtung: wer aus Europa spendet und etwas geliefert haben will, sollte 20 Dollar mehr geben als der Schwellenwert ist. der Schwellenwert beinhaltet amerikanisches Inlandsporto, aber kein Auslandsporto.

Spiel – Tag 2


Die ‘Großen’

Heute war also der zweite Tag der Internationalen Spieltage. Wie auch voriges Jahr haben wir diesen Tag genutzt, um uns um die Hallen 10-12 zu kümmern. Leider haben wir hier nicht die ganze “Strecke” abgejagt, irgendwie ist uns die Zeit davongelaufen. Dennoch haben wir einiges interessante gesehen – und hoffentlich auch ein paar Kontake erneuern können.

Aber bevor ich mit den Spielen beginne, möchte ich auch auf diesem Weg noch einmal Friedemann Friese gratulieren, der vor wenigen Tagen seine Familie vergrößert hat…

Schmidt Spiele (zu denen auch Drei Magier und Hans im Glück gehören) hatte wie üblich eine Reihe Spiele. Boxxy ist ein schnelles Spiel mit Buchstabenwürfeln, das die Würfel in einem großen Plexiglawürfel hat, in dem auch die Sanduhr steckt. So kann man keine Teile verlieren. Die verbotene Insel stellt eine Erforschung einer Ruinenstadt nach, in dem die Spieler in verschiedenen Rollen eine ständig von Überflutungen bedrohte Insel untersuchen. Qwirkle ist ein leicht Scrabble-artiges Legespiel um Formen und Farben. In Loch Ness versucht man, seine Fotografen so am Ufer des Sees aufzustellen, dass man ein Fopto von nessie schießen kann. Natürlich ist Nessie selten zur Mitarbeit bereit…

Bei Out Of The Box sahen wir die Englische Version eines Spiels, das wohl im Laufe des nächsten Jahres auch auf Deutsch erscheinen wird: in Word on the Road sucht man Worte, um die Buchstaben in diesem Wort ‘auf die eigene Seite zu ziehen’.

Bei Jumbo sahen wir vor allem Logo – das große Spiel der Marken, ein Quizspiel um Marken und Logos, das schwieriger sein soll als es auf den ersten Blick erscheint. In Bin ich Beethoven wird das alte Partyspiel, bei dem jemand einen Namen auf der Stirn trägt (so dass er den Namen nicht selbst lesen kann) und diesen herausfinden muss, mit einem Mini-Computer verknüpft, der die Worte in schneller Folge vorgibt.

Hiku-Spiele – der Verlag, der für seine Materialien (Lederbeutel, Halbedelsteine) und seine schönen Spiele bekannt ist, hat insgesamt fünf neue Spiele. Hierbei waren unter anderem Schäfchen ins Trockene, bei dem man als Schäfer versucht, seine Schafe zu vermehren und aus dem Gehege zu treiben.

Ravensburger zeigte unter anderem das Spiel Phase 10 – das Brettspiel, ein Spiel, das die Mechanik der wechselnden Regeln aus Phase 10 auf Brettspiele umsetzt.

Möglicherweise der Hauptgrund, dass uns die Zeit so knapp wurde, war Adlung Spiele. Der Herausgeber von kleinen Kartenspielen hatte wie üblich eine Menge neues zu sehen. Zum Beispiel Heiss auf Eis, bei dem Eishörnchen gebaut werden, Quirrly, ein Spiel, bei dem man aus verschiedenen Stapeln auf dem Tisch eine Reihe von aufeinanderfolgenden zahlen in der richtigen Reihenfolge finden muss, oder auch Haflinger & Co., ein Auktionsspiel um Pferde, das nicht nur für Mädchen interessant ist.

Mille Grazie entführt uns nach Norditalien. Zoch bietet hiermit ein Routenplanungsspiel, bei dem man nicht nur seine eigenen Routen sinnvoll planen muss, sondern sich nebenbei auch als Wegelagerer zu Lasten der  Mitspieler betätigen muss, um zu gewinnen.

Neben den ‘Großen’ sind ja auch immer eine Reihe kleiner Verlage immer an derselben Stelle zu finden. So hat der aktuell-spiele-verlag an der üblichen Stelle mit Gefährlich ehrlich ein Kommunikationsspiel, bei dem man nur sehr wenig reden muss.

Nach langer Zeit hat Franjos auch wieder ein neues Spiel: Cinco ist ein Legespiel, bei dem man mit Karten versucht, eine Fünferreihe zu legen. Trotz der Karten ist der Zufallsfaktor nur sehr gering.

Steffen Spiele hat mit Scho K.O. ein Legespiel für zwei Spieler, bei dem mit Schokoladequadraten aus weißer und Zartbitter-Schokolade große Flächen gelegt werden.

Dies waren, wie üblich, nur die Sachen, die am meisten ins Auge gefallen sind. Wie in allen Hallen gibt es aber noch viel mehr Interessantes zu entdecken. Wer also noch zweifelt: auch an den traditionell ‘volleren’ Tagen Samstag und Sonntag lohnt der Besuch sich noch, und das Fehlen von unter anderem Games Workshop scheint auf den Platz pro Besucher einen guten Einfluss zu haben.

Brotzeit

Ted Alspach’s Beer & Pretzels
Ein ‘Beer&Pretzels’- Spiel in Amerika ist nicht ein ‘German Game’. Letztere bezeichnen Spiele wie Carcassonne, Die Siedler von Catan, Gonzaga oder auch Infinite City – auch wenn diese Spiele nicht unbedingt aus Deutschland kommen. Es handelt sich hierbei um ‘ernsthafte’ Spiele, die meist 45 – 120 Mionuten dauern, und bei denen es mehr auf Taktik und Strategie ankommt denn auf Glück und Geschicklichkeit. Ein Beer&Pretzels-Spiel dahingegen ist meist schnell abgehandelt, erfordert eher weniger Denke, dafür aber um so mehr Glück und/oder Geschicklichkeit. Das gilt auch für das Beer&Pretzels-Spiel mit dem Namen … Beer & Pretzels.
Beer & Pretzels erscheint im Verlag Bézier Games, und folgt der Definition eines Beer&Pretzels-Spiels genau. Man wirft Bierdeckel auf einen Tisch, und je nachdem, wie diese am Ende liegen, gewinnt man mehr oder weniger Geld. Schnell, leicht zu erlernen, und erfordert kein großes Nachdenken.

Das Spielmaterial besteht aus den folgenden Bestandteilen:

  • eine dicke Kordel (Gesamtlänge ca. 2 Meter), die zu einem Ring zusammengebunden wurde
  • 25 Untersetzer und 5 ‘Servietten’ in fünf Farben (rosa, gelb, grün, blau und grau)
  • 80 Münzen (40 silberfarben und 40 goldfarben, als 1- und 5-Dollar-Münzen
  • eine Spielregel

Die Münzen sind einfache Plastikscheiben, wie die Scheiben zum Flohhüpfen. Sie haben also keine weitere Verzierungen. Die Kordel besteht aus einem dicken, geflochtenern gelben Band, daessen Enden mit einer Metalllasche zusammengehalten werden. Die Untersetzer und die Servietten bestehen aus dicker Pappe und müssen vor dem ersten Spiel ‘ausgepöppelt’ werden, was aber (auch, weil die Teile ziemlich groß sind – 8,5 cm Seitenlänge bzw. Durchmesser) ohne große Kriegsversetzten abgeht.

Die Spielregel passt ohne allzu viel Stauchen auf eine 18 × 27 cm große Seite – sie ist zweiseitig gedruckt, die Rückseite ist auf Englisch. Hier erkennt man sofort, dass das Spiel nicht allzu ernst sein soll, denn die Regel ist bereits flott zu lesen und ziemlich witzig gehalten. ‘Englisch ist wie Chemie, nämlich kaum zu verstehen’ …

Das Band wird auf die Spielfläche gelegt, wobei die genaue Form unerheblich ist, da sie für alle Spieler gleichermaßen gilt. Dann werfen reihum die Spieler jeweils einen ihrer Untersetzer mit dem Ziel, diese wenn möglich innerhalb des durch das Band angezeigten Gebietes landen zu lassen. Wichtig sind die Symbole, die hierbei auf den Untersetzern zu sehen sind: es gibt einen Untersetzer mit vier kleinen Keksen zu je 1$, einen mit zwei Salzstangenkreuzen zu je 2$, einen mit einer harten Brezel zu 3$, einen mit einer ‘weichen Brezel’ zu 4$, und einen mit einem Bierkrug (×2). Nur Symbole, die komplett zu sehe sind, werden gewertet. Damit das nicht allzu viele werden, werfen die Spieler als letztes noch ihre ‘Servietten’ (quadratische Untersetzer), um noch Symbole der Mitspieler abzudecken.

Jedes komplett sichtbare Symbol gibt den genannten Betrag als Gewinn – wenn der Untersetzer entweder in dem durch das Band gekennzeichneten Bereich liegt, das Band berührt, oder Bierdeckel berührt, die wiederum das Band berühren – was auch durch mehrere Bierdeckel geschehen kann. Ein komplett sichtbarer Bierkrug verdoppelt den restlichen Gewinn, wenn welcher zu finden ist. Maximal können also in einer Runde 30$ gewonnen werden.

Das Begrenzungsband darf während des Spiels natürlich durch geworfene Untersetzer bewogen werden – oder auch, wie die Spielregel angibt, durch Sturmwinde, auf den Tisch springende Katzen oder bösartige Anwendung von Telekinese.

Wer nach einer bestimmten Anzahl Runden (empfohlen werden so viele Runden wie Spieler teilnehmen) das meiste Geld hat, hat gewonnen. Gleichstände, egal an welcher Position, sollen durch Kommentare wie ‘wie langweilig’ kommentiert werden.

Es wird auch in den Spielregeln dringend davon abgeraten, echte Brezen oder Bierkrüge (womöglich noch gefüllte) zu werfen.

Das ganze Spiel spielt sich ebenso leicht und locker wie die Spielregel sich liest. Es ist nicht ganz ohne Taktik – werfe ich erst die mehr Geld bringenden großen Brezen – die wahrschienlich sowieso abgedeckt werden – oder die einer Brezen, von denen hofentlich eine überlebt, und hoffe ich, dass die großen am Ende nicht mehr abgedeckt werden? Dennoch ist Geschicklichkeit ein deutlich größerer Faktor. Das macht aber auch einem Grobmotoriker meist nichts aus, denn es ist ziemlich schnell, und unterhaltsam. Mit – je nach Spieleranzahl – einer Spieldauer von 5 – 20 Minuten ist es auch schnell beendet – genau das richtige um auszuspielen, wer am Spielabend den Abwasch machen muss oder die nächste Runde zahlt.

Hersteller

Bézier Games
Autor Ted Alspach
Spieler

2-5
Denken

3
Glück

5
Geschicklichkeit

10
Preis ca.

16,17

€ (bei Amazon)

Spiel – Nachlese

Anekdoten und Kommentare

Gestern ging, wie wohl bekannt, die SPIEL für dieses Jahr zu Ende. Noch sind die wichtigen zahlen nicht allgemein bekannt gegeben worden, aber die Händler und Aussteller, mit denen wir gesprochen haben, waren durch die Bank sehr zufrieden.

Aber nicht nur die Spiele selber waren interessant, es gab auch eine Reihe kleiner Begebenheiten und Erscheinungen, die genannt werden sollte, bzw. einen kommentar hervorrufen sollten. Eine Übersicht über die Umgebung, sozusagen.

Das fing damit an, dass eine Reihe Stände, an die man sich gewöhnt hatte, dieses Jahr nicht oder nicht am gewohnten Platz zu finden waren. Games Workshop war gar nicht auf der Messe vertreten, Hasbro nur mit einem winzigen Stand. Auf dem GW-Gebiet stand diesmal Udo Graebe, sowie ein paar kleine Stände, die sich auch auf dem früheren Stand von UGG ausbreiteten. Im Rollenspielbereich vermisste ich persönlich auf jeden Fall noch die Leute von der Odyssee e.V., den Drachenland-Verlag … und einige Leute von den Internetforen, die ich frequentiere, und von denen ich gehopfft hatte, merhr Leute zu treffen.

Auf dem früheren Hasbro-Stand befand sich diesmal der Stand von Asmodée sowie von einer ganzen Reihe kleinerer französischer Verlage, die über Asmodée in Deutschland vertreiben. Mir gefallen die Spiele sowieso besser, da sie mehr zum denken anregen und weniger gezielt auf den mainstream gerichtet entworfen werden – was sie oftmals sogar für den Mainstream akzeptabeler macht als die ‘zigste Umsetzung von Deutschland sucht das Pop-Idol im Dschungel (lasst mich hier ‘raus).

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Sehr interessanter Neuaussteller für Brettspiele war Lego, das sich den Einstieg in die Brettspielwelt (nicht die Webseite) einiges hat kosten lassen – neun oder zehn Spiele von Knizia sind sicherlich nicht billig.

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Interessanter Anblick: eine ziemlich bekannte Illustratorin, die gegen elf Uhr einen winzigen Tisch halb im Gang aufbaute und noch einen Stuhl suchen musste, weil der Stand, an dem sie zeichnen sollte (sprich: der Aussteller, an dessen Stand sie ‘auftreten’ sollte) nanscheinend völlig vergessen hatte, dass er sie eingeladen hatte.

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Die Spielepreise waren akzeptabel – die Essenspreise oftmals nicht. Sie gingen in meinem Empfinden von ‘leicht überhöht’ bis hin zu ‘unverschämt’. Wobei das dann auch davon abhängt, was man für Preise gewohnt ist. Ausnahme was das Slush-Eis von 13mann, das ‘privat’ hergestellt wurde und unschlagbar günstig abgegeben wurde :)

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Ich weiß, dass eine ganze Menge Leute als Besucher auf der Messe waren, die ich kenne. Gesehen habe ich dieses Mal kaum jemanden. Meist hörte man hinterher “ja, ich war heute da, wieso?”.

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Aus der Halle heraus sahen wir, wie am Eingang Tschenkontrolle war – wohl im Rahmen der Terrorbekämpfung. Seltsames Gefühl.

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Kam es mir nur so vor, oder sind die Sammelkartenspiele tatsächlich auf dem Rückzug? Die Hersteller waren so präsent wie eh und je, aber die Händler und Wiederverwerter waren deutlich weniger, fand ich.

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Seit wann tragen Geisterjäger Hörner?

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Die Zahl der ‘Gewandeten’, die nicht zu einem Stand gehörten, war zumindest gefühlt deutlich geschrumpft. Schade, weil das doch ein wenig Stimmung machte – auch wenn man nicht unbedingt alle Kostüme in den letzten Jahren gutheißen konnte. So manche Elfe…

Ich freue mich jedenfalls jetzt schon aufs nächste Jahr.