In eigener Sache

Probleme mit der Diktatur

Dieser Text hat nichts mit Spielen zu tun, sondern eher damit, wie ich meine Texte hier erstelle. Wie ihr wahrscheinlich bereits wisst (und was euch wahrscheinlich bereits zu den Ohren heraushängt), bin ich seit über 2 Jahren linksseitig gelähmt, dank eines Schlaganfalls infolge einer Hirnblutung. Diese einseitige Lähmung hat natürlich zur Folge, dass mir einige Alltagstätigkeiten nicht so einfach fallen wie früher üblich. Neben den ganz normalen Problemen in einer solchen Situation, wie zum Beispiel beim Kochen, oder auch beim Haushalt, hat dies zur Folge, dass ich mit einer normalen Tastatur nur "unnormal" arbeiten kann. Ein Ein-Finger-Adler-Suchsystem ist nicht gerade förderlich für die Arbeitsgeschwindigkeit und führt außerdem zu recht vielen Vertippern.

Eine recht gute Option in einem solchen Fall stellt ein sogenanntes Diktierprogramm dar, mit dem man beispielsweise über ein Headset dem Computer diktiert und dieser dann das Diktat in geschriebenen Text umwandelt. So schreibe ich zum Beispiel auch diesen Text mit der Hilfe eines Diktierprogramms.


Zunächst einmal die gute Seite: wie ihr wahrscheinlich unschwer erkennen könnt, arbeiten diese Diktierprogramme heutzutage bereits recht gut und zuverlässig. Mein Favorit ist hierbei Dragon NaturallySpeaking von Nuance, das ich noch aus meiner Zeit als Computerjournalist kenne – damals wurde das Programm noch von Lernout und Hauspie produziert, und hatte noch so seine Mucken. Nicht nur wegen des verglichen mit heutzutage geringen Speicherangebotes und der schwachen Prozessoren hatte das Programm damals (vor so etwa 15 Jahren) eine sehr schlechte Erkennungsrate und war extrem langsam. Vor allem da ich damals noch mit beiden Händen arbeiten konnte, war es ganz einfach schneller händisch zu tippen und anschließend Tippfehler zu bereinigen.

Nach meinem Schlaganfall habe ich mir notgedrungen die aktuelle Version des Programms zugelegt. Und ich war auf das angenehmste überrascht über die gute Erkennungsleistung des Programms. Von Hand nacharbeiten ist beinahe unnötig geworden – sollte das Programm einmal tatsächlich ein falsches Wort einbauen, kann man notwendige Korrekturen ebenfalls über das Diktiersystem vornehmen. Ein wenig beachten muss man natürlich sogenannte Homophone, also Worte, die sich gleich anhören, aber unterschiedlich geschrieben werden. Sogar mit der Grammatik hat Dragon relativ wenig Probleme, wenn man einmal davon absieht, dass das Programm gerade beim Wortpaar das/dass gerne einmal in den falschen Topf greift.

Der größte Schwachpunkt des Programms ist zurzeit immer noch der Ressourcenhunger. Mit einem guten Prozessor kann das Programm schon relativ flott arbeiten – allerdings sollte es auch eine entsprechende Speicherausstattung vorfinden.

Deshalb habe ich dann auch, nachdem ich mir so ziemlich jeden Bissen vom Mund abgespart habe, einen entsprechenden, schnellen, neuen Computer zugelegt. Die zentralen Kennzeichen sind schon ganz ordentlich: AMD A10-Prozessor, 16 GB Hauptspeicher und als Systemplatte eine 256-GB-SSD, zusätzlich zu einer 4-TB-HDD. Der Computer wurde mir geliefert und hat auch eine Zeitlang vernünftig gearbeitet. Allerdings hatte er eine schlechte Angewohnheit: immer wieder einmal ging plötzlich der Bildschirm aus und ich erhielt die Meldung „keine Daten“. Wenn man dann den Computer komplett neu startete, startete er scheinbar normal – bis zu dem Zeitpunkt, an dem Windows den Login-Schirm anzeigen wollte; dann schaltete sich die Anzeige wieder aus und man konnte von vorne anfangen. Das einzige, was ich selber tun konnte, war dann eine komplette Neuinstallation von Windows und der gesamten Software, was natürlich nicht sonderlich erquicklich war.

Ich habe mich also mit dem Hersteller in Verbindung gesetzt, und der hatte sich den Computer auch zurückschicken lassen, um ihn zu testen und notfalls zu reparieren. So weit war das ja noch ganz gut, auch wenn die projizierte Abwesenheit des Computers eine Woche dauern sollte.

Der Sachbearbeiter hatte mich noch gebeten, eine Nachricht beizulegen, dass ich den Computer wegen meiner Behinderung dringend benötige, damit dieser bevorzugt bearbeitet werde. Diese Nachricht habe ich dann auf meinem relativ langsamen Notebook diktiert, ausgedruckt und beigefügt.

Auch wurde ich gebeten, drei Tage nachdem der Computer in der Reparatur abgeliefert wurde (was durch die Sendungsverfolgung von DHL natürlich leicht herauszufinden war: Versand am Donnerstag, ein Treffen in der Werkstatt am Freitag) noch einmal anzurufen, damit dieser Sachbearbeiter in der Technik noch einmal auf den Computer hinweisen könne. Das habe ich dann auch getan. Bei diesem Anruf wurde mir gesagt, dass der Computer am Freitag oder spätestens am Montag verschickt werde und ich eine Nachricht hierüber erhalten würde.

Diese Nachricht habe ich nicht erhalten, und da ich auch von DHL oder einem anderen Paketdienst keine Sendebenachrichtigung erhalten hatte, habe ich dann am Dienstag wieder versucht, dort anzurufen. Leider erhielt ich in der Regel nur eine Bandansage „zur Zeit sind alle Mitarbeiter besetzt“. Einmal wurde ich auf einen Anrufbeantworter weitergeleitet, auf dem ich dann meine Handynummer hinterlassen habe mit der Bitte um Rückruf.

Als ich den erhalten habe … ach was, schön wäre es gewesen: am Dienstag blieb mein Handy auf jeden Fall still. Also habe ich heute wieder versucht anzurufen, und kam sofort auf dem Anrufbeantworter aus. Noch einmal um Rückruf gebeten, aber anschließend so etwa alle 10 Minuten noch einmal versucht anzurufen – und in der Regel die bereits erwähnte Bandansage erhalten.

Nach einer guten Stunde erhielt ich dann – Wunder über Wunder – tatsächlich einen Mitarbeiter ans Telefon, der mir versprach, in der Technik nachzufragen und mir sofort eine Mail zu schicken mit dem Ergebnis. Das war um etwa 11:10 Uhr. Er meinte noch, die Nachfrage könne „ein Viertelstündchen“ dauern. Also habe ich mich hingesetzt und wieder einmal gewartet.

Um etwa 12:30 Uhr habe ich zu Mittag gegessen – als ich kurz vor 1 noch einmal nachsah, war immer noch keine Mail eingetroffen. Gottseidank haben wir hier eine Flatrate, wie wohl die meisten heutzutage, so dass ich weiterhin anrufen und wieder einmal die bereits bekannte Bandansage anhören konnte. Noch einmal mehrere Versuche später kam ich tatsächlich noch einmal durch. Der (andere) Mitarbeiter hat dann noch einmal im System nachgesehen und kam mit einer interessanten Nachricht zurück: da sei wohl in der Technik der Rechner irgendwie falsch zugeordnet worden und vermutlich an den falschen Kunden zurückgeschickt worden; der Rechner sei jedenfalls zur Zeit nicht aufzufinden.

Immerhin, man will mir jetzt ganz kurzfristig stattdessen einen ganz neuen Rechner zuschicken. Ich bin ja einmal gespannt, ob das wenigstens klappt.

Interessant wäre auch, was die Technik da an meinem Rechner jetzt repariert haben wollte und ob eventuell jetzt wieder ein anderer Kunde einen Rechner hat, bei dem sich das Display nach wenigen Minuten ausschaltet.

Wegen meiner Daten brauche ich wenigstens keine Angst zu haben: die 4-Terabyte-Festplatte war eine neue eigene (vor der Rücksendung natürlich herausgenommen), und die SSD habe ich auch vor der Rücksendung mit einem geeigneten Programm gelöscht. Nicht dass es irgendwann noch heißt: „Sie haben eine Lizenz für nur X Computer, versuchen das jetzt aber auf dem X +1. zu installieren. Bitte ein Lizenz-Upgrade erwerben“.

Drückt mir die Daumen, dass ich den Rechner bald wieder habe. Ich kann es kaum noch erwarten.

Zum Vergleich: auf dem neuen Rechner konnte ich mit Dragon nahezu in Echtzeit diktieren, ein eingesprochener Text erschien mehr oder weniger genauso schnell wie ich sprechen konnte auf dem Bildschirm. Um den Text, den ich jetzt hier schreibe, bis zu diesem Punkt einzugeben, benötigte Dragon auf meinem nicht ganz so schnellen Notebook (Celeron 2955U, 4 GB Speicher) etwa 3 1/4 Stunde, ein Text in dieser Länge wäre auf dem AMD-Rechner in unter 1 Stunde diktiert, vielleicht sogar unter einer halben Stunde.

Insbesondere wenn ein Diktat beginnt, benötigt Dragon für die Erkennung der allerersten paar Worte unglaublich lange: gefühlt dauert es auf dem Notebook etwa 1 Minute, bis die ersten Worte auf dem Bildschirm erscheinen (auf dem PC zehn Sekunden). Und auch während des Diktates legt Dragon allem Anschein nach gerne einmal eine Lernout-und-Hauspie-Gedenkminute ein.

Update: inzwischen habe ich meinen Computer wieder. Und zwar wurde mir erst, wie versprochen, ein neuer Computer zugesandt. Drei Tage nachdem der Computer bei mir eingetroffen war erhielt ich eine Nachricht von DHL, da sei ein Paket von dem Hersteller an mich unterwegs. Da ich den neuen Computer bereits hier stehen hatte und diese auch völlig ohne Mucken funktionierte, wunderte ich mich natürlich. Ich habe dort angerufen – anscheinend war der Computer wieder aufgetaucht. Was tun, sprach Zeus, die Götter sind besoffen? Auch hier muss ich dem Verkäufer wieder ein ganz dickes Lob aussprechen: es kann ganz unbürokratisch der Vorschlag: verweigern Sie doch die Annahme, dann wird der Computer sowieso zu uns zurückgeschickt. Und einen Computer haben sie ja bereits, ich mache entsprechende Notizen in unserem Computer, dass die Rücksendung wegen Fehllieferung war und nicht weiter abgerechnet werden muss.

Und das klappte auch hervorragend. Somit kann ich nur positives vom Verkäufer berichten.

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In anderen Neuigkeiten aus der Redaktion ist zu vermelden, dass ich ab dem 17. diesen Monats für etwa eine Woche im Krankenhaus sein werde – da ich seit dem Schlaganfall mein Gewicht halbiert habe, wird da eine Operation notwendig. Ich erwarte aber, rechtzeitig zur SPIEL wieder auf den Beinen zu sein; ansonsten sollte auch DelRoh die Messe unsicher machen kommen.
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