Kopfwürfel

capio

Heute in zwei Wochen öffnet bekanntlich die SPIEL wieder ihre Pforten. Und wie jedes Jahr gibt es wieder eine Menge neuer Spiele zu bestaunen, auszuprobieren und natürlich auch zu kaufen.

(Wegen meines angeschlagenen Gesundheitszustandes werde ich leider auch dieses Jahr wohl nur einen Tag persönlich anwesend sein können, Mitredakteur DelRoh hingegen plant meines Wissens zur Zeit, an allen vier Tagen vor Ort zu sein. Erkennbar sind wir wie immer an den Baseball-Kappen mit unserem Kakerlaken-Logo und dem Schriftzug Roachware. Wer uns erkennt und uns etwas sagen möchte, kann uns ja ganz einfach ansprechen.)

Vor ein paar Tagen klingelte die Post an meiner Türe mit einem unerwarteten Päckchen. Absender war der kleine Verlag biwo spiele aus Mannheim, von dem wir vor einigen Jahren das Spiel Impossum besprochen hatten. Dieser Verlag hatte auf der letzten Spiel ein Spiel gezeigt, das damals nur in einer Kleinauflage von 100 Stück vorrätig war und jetzt zur SPIEL anscheinend wirklich verkauft werden kann, und von dem ich hiermit eine Rezension anfertigen kann.

In der relativ unscheinbaren Dose, die durch eine Banderole ihren Inhalt anzeigt, fanden wir:

  • insgesamt 40 Würfel, je vier in den Farben rot, gelb, grün, blau, orange, pink, lila, weiß, schwarz und grau
  • 84 Aufgabenkarten, je zwölf in sechs Gruppen, sowie zweimal sechs, die zusätzlich zur sechsten Gruppe passen, aber in anderer Sprache sind (siehe unten)
  • ein Wertungsblock

Die Würfel sind einfache Punktwürfel aus Kunststoff im 16-Millimeter-Maßstab. Die Farben sind für normale Spieler relativ gut zu unterscheiden, Spieler mit einer Farbschwäche könnten allerdings Probleme haben, die Farben zu unterscheiden. Die Aufgabenkarten sind recht groß und aus stabilem Karton.

Außerdem benötigt man einen Stift – und eine größere Unterlage, beispielsweise ein Platzdeckchen oder auch eine Battlemap eines Sammelkartenspiels.

Zu Beginn des Spiels erhält jeder Spieler drei der Aufgabenkarten aus drei verschiedenen Gruppen. In der Standardversion würfelt man ganz einfach mit drei Würfeln, bis diese drei verschiedene Zahlen zeigen und erhält dann je eine Aufgabenkarte der entsprechenden Gruppe. Man kann jedoch auch vorab absprechen, dass bestimmte Gruppen gewählt werden sollen.

Diese drei Aufgabenkarten legt man vor sich offen hin. Anschließend würfeln die Spieler mit allen Würfeln auf
die Spielunterlage, die so liegen sollte, dass jeder die gleiche Chance hat, auf die Würfel zuzugreifen. Anschließend (auf „Los“) versuchen die Spieler, so viele Würfel für die eigenen Aufgabenkarten zu sammeln wie möglich. Hierbei darf man aber nur mit einer Hand agieren und immer nur einen Würfel in die Hand nehmen. Ein einmal genommener Würfel darf auch nicht wieder zurückgelegt werden – und die Würfel dürfen selbstverständlich auch nicht gedreht werden. Die Würfel legt man jeweils auf die Stelle auf den Aufgabenkarten, auf denen der betreffende Würfel abgebildet ist; ein Würfel, den man nicht auf eine Aufgabenkarte ablegen kann, muss neben eine solche gelegt werden zur Anzeige, dass man einen Fehler gemacht hat.

Wenn jetzt jemand glaubt, dass unter den noch ausliegenden Würfeln keiner mehr auf die eigenen Aufgabenkarten passt, kann man laut „Stopp!“ rufen. Die anderen Spieler dürfen dann keine weiteren Würfel mehr aus der Mitte heraus nehmen, bereits in der Hand befindlichen Würfel dürfen aber noch auf den Aufgabenkarten abgelegt werden.

Anschließend wird überprüft, ob der Stopp-Rufer noch Würfel legal auf seinen Aufgabenkarten hätte ablegen können. Für jeden Würfel, der noch in der Auslage liegt, gibt es einen Minuspunkt, wenn der Stopp-Rufer Recht hatte, erhält er stattdessen zwei Pluspunkte.

Nun werden die einzelnen Aufgaben gewertet. Die Aufgabenkarten sind in folgenden Gruppen zu finden:

  1. Zielwert-Karten. Auf diesen Karten sind acht Würfel abgebildet sowie eine Zielsumme. Würfel müssen passend in Farbe und Wert auf den Feldern platziert werden – dabei darf die Summe der Würfel Augen den Zielwert nicht überschreiten. Für jeden zu viel gelegten Würfel gibt es einen Minuspunkt, für jeden richtig gelegten Würfel einen Pluspunkt. Wenn der Zielwert hierdurch genau erreicht wird, gibt es einen Bonuspunkt..
  2. Zweiertürme. Hier muss man jeweils zwei Würfel auf ein Feld legen, von denen der untere eine bestimmte Farbe haben muss, während der obere in Farbe und Zahl angegeben sind. Es gibt einen Siegpunkt für jeden korrekten Turm, wenn alle neuen Türme korrekt sind, erhält man zehn Punkte.
  3. Dreierreihen Hier müssen mindestens drei Würfel passend in Farbe und Wert so auf die Karte gelegt werden, dass sie eine waagerechte, senkrechte oder diagonale Reihe bilden. Würfel, die in keiner kompletten Reihe stehen, wenn Stopp gerufen wurde, bringen einen Minuspunkt, alle anderen Würfel einen Pluspunkt, wieder gilt: wenn alle neuen Felder korrekt besetzt sind, gibt’s ein Bonuspunkt. Auf einigen Würfeln dieser Karten stehen zwei Ziffern, hier darf jeweils gewählt werden, welche Zeile Würfel anzeigen soll.
  4. Ketten – hier müssen die Würfel in Farbe und Wert passend platziert werden, so dass eine durchgehend auf-bzw. absteigende Wertkette gebildet wird. So eine Kette muss aus mindestens zwei Würfeln bestehen. Punkte gibt es für jeden Würfel in der längsten Kette, eine Kette der Maximallänge von sechs Würfeln erhält wieder einen Bonuspunkt, sodass sie sieben Punkte wert ist. Doppelt gelegte Werte und unterbrochene Ketten bringen Minuspunkte. Als Besonderheit gibt es auf dieser Karten einzelne Würfel, die nur im Wert festgelegt sind: Hier darf jeder Farbe abgelegt werden.
  5. Pasch–hier müssen zweier- oder dreier-Paschs gelegt werden, wobei in jedem Pasch ein Jokerwürfel enthalten sein muss. Für jeden korrekten Würfel gibt es einen Punkt, bei neun korrekt liegenden Würfeln wieder einen Bonuspunkt für ein Maximum von zehn Punkten.
  6. der „Verwirrmix“: Hier steht auf den farbigen Würfelfeldern nicht nur eine Zahl, sondern auch ein (anderer) Farbbezeichner. Vor der Runde wird ausgewürfelt, ob für diese Runde auf diesen Karten die Farbe des Feldes gelten soll oder die Bezeichnung. Auch hier gibt es wieder für jeden richtig gelegten Würfel einen Pluspunkt für ein Maximum von zehn Punkten.

Zu den Karten der letzten Gruppe gibt es noch einen Extrasatz mit je sechs Karten, auf denen die Farbbezeichner auf Englisch bzw. Französisch abgedruckt sind. Wem dies zu schwierig ist, kann die entsprechenden Karten natürlich auch aussortieren.

Es werden drei Runden gespielt: Aufgaben wählen, Würfeln, Würfel zuordnen und Punkte abrechnen. Wer am Ende die meisten Punkte hat, hat gewonnen.

Capio ist ein Spiel, das angesichts der vielen Würfel (und der vielen Würfelvorgänge – Aufgabenauswahl, Definition des Verwirrmixes, Würfeln der 40 Würfel) überraschend wenig vom Zufall abhängt. Auch ist es in der Regel wenig zielführend, wenn man versucht, Würfel, die ein anderer Spieler benötigt, vorzeitig abzugreifen, um ihm zu schaden: meist schadet man sich selbst damit mehr. Viel wichtiger ist während des Spiels ein gutes Auge und ein klein wenig Planung, damit man die notwendigen Bedingungen der Aufgaben erfüllen kann. Gerade auf den Ketten-Karten muss man ein wenig aufpassen, damit man nicht Abzweige in die Ketten einbaut. Aber auch bei den Dreierreihen, den Paschs und den Türmen muss man ein klein wenig aufpassen.

Da alle Spieler gleichzeitig gegeneinander gegen die Zeit spielen, haben Analyseparalytiker bei diesem Spiel nur schlechte Chancen.

Meinen Testspielen und mir selbst hat dieses Spiel sehr gut gefallen, auch eine Ergotherapeutin, die das Spiel sah, fand es für sich gut einsetzbar.

Rein von den Anforderungen her unterscheidet das Spiel sich schon ein wenig von den bekannten Spielen von biwo spiele: wo die Spiele von biwo üblicherweise eher im sprachlichen Bereich angesiedelt sind, geht es hier doch deutlich stärker auf die kognitiven Prozesse und den Bereich Arbeits-oder Kurzzeitgedächtnis.

Zusätzlich soll dieses Jahr auf der Spiel eine Erweiterung zu capio erscheinen, der „Goldene Würfel“; sowie ein weiteres schnelles Würfelspiel namens FINI! Wer sich dafür oder für capio interessiert, kann in Halle 5 auf Stand A109 fündig werden.Im "normalen" Spielwarenladen könnte das Finden schwierig werden.

Hersteller biwo spiele
Autor Otmar Bettscheider und Karin Herrmann
Künstler k.A.
Spieler 2-4
Denken 7
Glück 2
Geschicklichkeit 4
Preis ca. 24,95 €

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