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Erstverkaufstag

FUK! von Mannifest Games

(Update 09.09.19: Die PDF ist bei DriverThru verfügbar, Link zugefügt)

In den letzten Jahren sind eine ganze Reihe kleiner Rollenspielverlage auf dem Markt erschienen. So hat sich System Matters inzwischen vor allem im Bereich Indie/Erzählspiel und OSR etabliert, der Verlag Heinz Tüffers bietet mit Ultima Ratio ein SF-Rollenspiel an… und einer der jüngsten Neuzugänge auf dem Markt dürfte der Verlag Mannifest Games sein. Nein, das ist kein Tippfehler: Der Eigentümer dieses Verlagen heißt ganz einfach Manfred, kurz „Manni“. Auch das Logo des Verlags stellt ganz einfach sein Gesicht dar.

Auf den Markt gekommen ist der Verlag mit dem Rollenspiel „No Return“, das wir hier besprochen hatten. Und ab dem heutigen Tag steht noch ein anderes, kleines Rollenspiel im Sortiment des Verlages, das gefühlt eher als Bier-und-Brezel-Rollenspiel eingeordnet werden müsste. Dadurch ist es dann auch ziemlich einsteigerfreundlich geworden. Allerdings könnte der Titel ein wenig gewöhnungsbedürftig sein.

Das kleine Büchlein (64 Seiten DIN A5, als PDF knapp fünf MB groß) ab heute über den Webshop des Verlages bzw. über DriveThru erhältlich. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass zumindest bei letzterem eventuelle amerikanische Kunden, die über das Heft stolpern, sich an dem Namen stoßen könnten. Das Rollenspiel heißt nämlich FUK! – was allerdings auch kein Schreibfehler ist: es ist eine deutsche Abkürzung und es fehlt kein C!

Jeder der drei Buchstaben steht selbst wieder für zwei Begriffe: das F für frei und flexibel, das U für unkonventionell und universal, und das K schließlich für kreativ und kartenbasiert. Was heißt das wiederum?

Beginnen wir ganz hinten: Kartenbasiert heißt nicht, dass man für das Spiel, wie beispielsweise für Schloss Falkenstein, einen Satz Spielkarten benötigt; man benötigt für jeden Teilnehmer Karteikarten, am besten im A7-Format (dazu kommen dann noch, wie bei Rollenspielen üblich, Stifte und sechsseitige Würfel – mindestens einen, im Spiel wird etwa ein Dutzend je Spieler empfohlen).

Die Kreativität wiederum zeigt sich in erster Linie darin, dass das Spiel grundsätzlich in jedem beliebigen Setting stattfinden kann: bei der Charaktererstellung (hierüber später mehr) gibt es zwar eine Liste mit acht Basis-Eigenschaften, für die Fertigkeiten eines Charakters dann allerdings keine vorgegebenen Fertigkeiten-Listen , wie man sie von den meisten Rollenspielen kennt. Diese muss man – bevorzugt natürlich passend zum geplanten Setting – frei auswählen und bezeichnen hierüber später mehr.

Universal heißt genau das, was es im Rollenspielbereich meistens bedeutet: ich kann mit dem Regelsatz grundsätzlich jedes beliebige einzelne Setting bespielen. Eine Kombination mehrerer verschiedener Settings wie bei TORG wäre natürlich ebenfalls möglich, müsste dann aber definiert werden, wenn man das Setting bestimmt.

Unkonventionell gibt sich das Spiel sicherlich. Da dürfte allerdings in erster Linie die Fertigkeitenliste betreffen vund ielleicht auch die grafische Gestaltung. Für einen guten Teil der Illustrationen werden nämlich bevorzugt Bilder eines bestimmten Charakters verwendet, der mich rein optisch an Tank Girl erinnert – und dabei nicht so sehr an den Film, sondern an die Hauptfigur im Comic, wenn man sie unter die Dusche gestellt hat.

Flexibel als nächstes landet wieder im gleichen Bereich wie das universell, beschreibt allerdings auch, dass das System sehr flexibel darauf eingehen kann, wenn mein Charakter etwas ungewöhnliches versucht. Für den begrenzten Platz gibt das System sogar meiner Meinung nach ziemlich viele Hinweise und Tipps, wie man als Spielleiter auf unerwartete Situationen reagieren kann.

Auch das frei schließlich dürfte sich auf diese breiten Einsatzmöglichkeiten beziehen. Allerdings wird das System in der PDF-Form bei DriveThru gratis angeboten.. (Genau genommen:PWYW). Eine „offene Lizenz“ für eigene, FUK!-basierte Produkte habe ich jedenfalls nicht gefunden.

Ein Charakter wird in diesem Spiel auf insgesamt 13 Karteikarten dargestellt. Auf die ersten zwölf dieser Karten schreibt man als Spieler jeweils zunächst einmal eine Fertigkeit, die der Charakter haben soll.
Hierzu gibt es, wie gesagt, keine vorgegebene Fertigkeitenliste, man muss sich diese selber für den eigenen Charakter ausdenken. Dabei kann natürlich leicht etwas gedoppelt werden: ob ich eine Fertigkeit jetzt Erste Hilfe, Wundversorgung, Medizin o. ä. nenne, macht ja im Endeffekt für das Spiel keinen großen Unterschied. Jede dieser insgesamt zwölf Fertigkeiten (eine je Karteikarte) kombiniert man dann auf der Karte mit einer von acht vorgegebenen Eigenschaften, die sozusagen die „Stats“ des Systems bilden: Intelligenz, Willenskraft, Wahrnehmung, Charisma, Geschick, Beweglichkeit, Stärke und Konstitution. Welche Eigenschaft ich mit der Fertigkeit verknüpfen, ist mir als Spieler überlassen – es sollte nur ein wenig Sinn machen. Außerdem gehört auf die Karte eine kurze schriftliche Begründung, wieso ich in dieser Fertigkeit eben besonders gut bin: bei der ersten Hilfe könnte das sein, dass ich beispielsweise als Krankenpfleger arbeite, oder auch als Sicherheitsbeauftragte einer großen Firma auch für deren Erste-Hilfe-Abteilung verantwortlich bin o. ä. Insgesamt darf allerdings auf den zwölf Fertigkeitenkarten jede Eigenschaft maximal vier mal mit einer Fertigkeit verknüpft werden.

Wenn ich jetzt meine zwölf Fertigkeiten-Eigenschaften-Verknüpfungen festgelegt habe, nehme ich noch eine dreizehnte Karteikarte – für diese gibt es auch fertige Karteikarten im Workshop des Herstellers, weil sie etwas komplizierter zusammenzustellen sind – als sozusagen „Haupt-Charakterzettel“.Auf diese Karte kommt natürlich zunächst einmal der Name des Charakters, dazu kommen die acht Eigenschaften. Jede dieser Eigenschaften hat einen Grundwert von eins, auf diesen wird dann außerdem noch addiert, wie oft diese Eigenschaft auf den Fertigkeiten-Karten genannt wird. Somit erhält man dann einen Wert von 1 bis 5, weil ja jede Eigenschaft nur viermal auf den Fertigkeitenkarten genannt werden darf. Insgesamt beträgt die Summe der Eigenschaften daher 20 – achtmal der Basiswert von eins und insgesamt zwölf Erwähnungen auf Fertigkeiten-Karten. Außerdem werden noch ein paar abgeleitete Werte berechnet: Angriffswert, Verteidigungswert, Fernkampfwert, Gesundheit und – je nach Setting – Zauberwert. Dieser „Zauberwert“ kann dann auch abhängig vom Setting für andere Dinge verwendet werden: Machtfähigkeiten bei Star Wars, PSI, soziale Auseinandersetzungen, da kann man dann auch eine Menge eigener Kreativität verwenden.

Das Würfelsystem erinnerte nicht nur mich an das von Shadowrun: es werden Würfelpools zusammengestellt, mit denen dann gewürfelt wird – jede fünf oder sechs ist ein Erfolg. Von diesen Erfolgen wird wiederum eine bestimmte Anzahl abgezogen, abhängig von der Schwierigkeit.

Dieser Würfelpool wird wie folgt zusammengestellt: der Spielleiter bestimmt zwei Eigenschaften, die für die geplante Aktion wichtig sind (zum Beispiel für das Klettern Stärke und Konstitution). Die Summe dieser beiden Eigenschaften des Spielers bildet die Basis des Pools. Sollte einmal tatsächlich nur eine Eigenschaft notwendig werden (Kraft beim Heben eines schweren Fallgitters) wird dieser Wert doppelt gerechnet (also Stärke plus Stärke) Aißerdem kann man sich dann noch seine Fertigkeiten durchsehen, ob da irgendetwas bei ist, was mir bei der aktuellen Aufgabe hilft. Das muss nicht einmal unbedingt direkt die Fertigkeit sein: Wewnn ich es dem Spielleiter – und den anderen Spielern – glaubhaft erklären kann, dürfte das auch reichen. Wer also beispielsweise die Fertigkeit Autofahren hat, könnte für einfache Aufgaben in der Ersten Hilfe auf die Idee kommen, den EH-Kurs, den man für den Führerschein machen musste, anzuführen. Für diese Fertigkeit kann man dann, je nachdem, wie speziell sie für die aktuelle Aufgabe relevant ist, einen Bonus von 2-5 Würfel erhalten. (Und nein, liebe Munchkins, man kann nur eine einzelne Fertigkeit hier anwenden, auch wenn ich eine Karte mit Erste Hilfe, eine andere mit Medizinstudium und noch eine dritte als Bundeswehrsanitäter mit mir herumschleppe)

Schließlich gibt es noch Bonuswürfel, wenn ich geeignetes Werkzeug oder andere Ressourcen einsetzen kann.

Besonderes Augenmerk verdienen hierbei natürlich Waffen und Rüstungen, die im Kampf eingesetzt werden. Hier gibt es relativ umfangreiche Listen, mit welcher Waffe wie viele Bonuswürfel erreicht werden. Die Listen sind hierbei teilweise auch augenzwinkernd beschrieben: so finde ich bei den Nahkampfwaffen das „mystische Powermetal-Barbaren-Zweihandschwert der totalen Zerstörung“, bei den Wurfwaffen „Mirmir, Hammer des Donnergottes“ oder auch bei den Rüstungen einen „Handschuh mit Klunkern“, einen metallenen Handschuh, auf dem sechs Edelsteine angebracht sind – so etwas habe ich doch kürzlich schon einmal gesehen? Wo war das nur? *schnipps*

Diese Waffen und Rüstungen haben natürlich auch ihre Auswirkungen im Kampf. Der läuft grundsätzlich so, dass Angreifer und Verteidiger auf ihren Angriffs- bzw. Verteidigungswert (mit Boni aus Fertigkeiten, Ressourcen usw.) würfeln, wenn der Angreifer Erfolge übrig hat, sind dies Schadenspunkte, die eventuell auch noch von Punkten durch die Waffe erhöht werden – und von den Rüstungen abgehalten werden können – und wer die Hälfte seiner Gesundheit verliert, hat üble Nachteile. Schließlich stirbt man, wenn der aktuelle Gesundheitswert auf minus(doppelte Konstitution) fällt. Wie endgültig das ist, hängt natürlich vom gewählten Setting ab.

Über Settings gesprochen: insgesamt ein gutes halbes Dutzend Seiten des Heftes werden vom „UPD“ (Unicorn Police Department) eingenommen, einem Setting, das mich ein wenig an eine Mischung aus Meinem Kleinen Pony und Tenchi Muyo GXP erinnert, mit einem Schuss He-Man.

Hier bekämpft die Einhorn-Polizei die dunkel gekleidete Hexe Amara
Pura, die mit ihren Bürokraten versucht, den Bonbon-und-Zuckerwatte-Wald der Einhörner zu erobern.

Alles in allem hat mir das ganze System ziemlich gut gefallen. Gerade für die Gelegenheiten, da nicht die ganze Gruppe zusammenkommen kann und man „schnell mal eben“ einen Ersatz benötigt, ist es recht gut geeignet, auch, weil die Charaktererstellung überraschend einfach und flott von der Hand geht.

Kurze Anmerkung: zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses für diesen Artikel sollte FUK! eigentlich schon bei DriveThru gelistet sein. Leider habe ich es dort noch nicht finden können. Sobald es dort erscheint, werde ich in den entsprechenden Link nachliefern.

HerstellerMannifest Games
AutorJohannes Burkhardt
Manfred „Manni“ Altenschmidt
KünstlerManfred „Manni“ Altenschmidt
SpielerRPG
DenkenRPG
GlückRPG
GescvhicklichkeitRPG
Preis in €17,95 (gedruckt)
2,50 (100 Karteikarten „13. Karte“)
PWYW (PDF)

FUK! bei DriveThru

Ein Kommentar

  1. rillenmanni sagt:

    Drivethrurpg hat mE öfter Probleme mit der frühzeitigen Indizierung neuer Inhalte. Dh falls Du noch einen Direktlink auf das Produkt (hier: FUK!) hast, dann wird der funktionudeln. Auch in der Verkaufsrangliste sollte PUK! irgendwo zu finden sein. Nur erfolgreich suchbar ist das Produkt nicht.

    Danke für die Rezi! :)

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