Tag Archiv für Münster

RPC


Con-Bericht RPC 2008

Zum zweiten Male findet zur Zeit die RPC statt, sie wird gegen 18 Uhr enden. Hmm.. sollte es möglich sein, dass der Conbericht so früh ist, weil es dort viele PCs mit Internetanschluss gibt? Leider nein, ich sitze bereits wieder zu Hause. Weshalb ich allerdings so früh zu Hause bin, das ist eine ganz besondere Geschichte.

Wie gesagt war zum zweiten Male die Halle Münsterland in Münster Schauplatz der RPC, der sog. Role-Play Convention. Die RPC nimmt insoweit eine Sonderstellung ein, dass hier sowohl 'Pen-n-Paper-Rollenspieler als auch Computerspieler als auch LARPer angesprochen werden.

Die Idee ist interessant, und es ist manchmal überraschend, wo die Teilbereiche sich überschneiden, und wir groß die Überlappung ist. Die Synergie-Effekte sind immer willkommen, und helfen auch bei der Vernetzung der drei Teilgebiete.

Im Einzelnen gab es

  • eine Halle mit Computer-Rollenspielen, von World of Warcraft bis Drakensang war so ziemlich alles vertreten, was in Europa Rang und Namen hat. In der – manchmal recht lauten – Halle traten unter anderem auch Blind Guardian bei der Präsentation von Sacred 2 auf, was die Veranstaltung für die Fans der Krefelder Gruppe ein besonderes Sahnehäubchen aufsetzte.
  • Im Freigelände waren eine Menge LARPer und LARP-Ausrüster zu finden sowie eine Reihe Zelte für Autorenlesungen und Workshops. Das Angebot an Workshops und Lesungen war auch ziemlich umfangreich, wie ein Blick in das Programmheft bestätigte.
  • Auf der Pen-and-Paper-Seite war ebenfalls ein großes Aufgebot an Händlern und Herstellern zu finden, von den ″großen″ Ulisses und Pegasus, bis hin zu den ganz Kleinen wie zum Beispiel Nova oder das IndiePortal.
  • Auch der Tabletopbereich war gut abgedeckt mit unter anderem Turnieren für Warmachine.

Im Rollenspielbereich war auffallend, dass mE auf der RPC mehr Rollenspielrunden angeboten wurden als auf den 'echten' Rollenspielcons, die ich dieses Jahr bereits besucht habe. Viele Anbieter gaben noch kleine Zugaben dazu (zum Beispiel eine CD mit der 'Freeware‘-Version von Nova, oder Ulisses-Spiele, die ein Rollenspielturnier austragen ließen, mit als Gewinnen grüne Wege-Bände.

Auch die Toiletten, gerade bei Großcons immer ein kritisches Thema, waren zu allen Zeiten, da ich sie sah, sauber und aufgeräumt. Auch hier können sich manch andere Cons eine Scheibe von abschneiden.

Minus

Natürlich gibt es immer auch ein paar Nachteile, ein paar Sachen, die eventuell anders besser gewesen wären. Zum Beispiel war zu hören, dass die Autorenlesungen zum größten Teil vor beinahe leeren Zelten stattfanden; hier scheint der Wille des Congehers, ein paar Schritte extra zu laufen, sehr eingeschränkt. Für die Lesungen müßte man sich wohl eine andere Möglichkeit einfallen lassen.

Das zweite, was ein wenig den 'Fluss' unterbrach, war die Anordnung der Hallen. In gerader Reihe waren da die Rollenspielhalle, das Forum Nord mit Eingang und Verpflegungsständen, die Computerhalle, das Forum Süd mit Spieltischen für Rollenspieler und eine Halle mit Tischen für Tabletopper, eine Aktionsfläche für LARP-Kämpfer, sowie einigen Kleinverlagen und Indie-Promotern. Diese letzte Halle wurde auch von vielen Rollenspielern nur durch Zufall gefunden, da ihr Weg in der Regel bereit bei den Computerspielen endete. Für zukünftige Jahre wäre vielleicht zu überlegen, die Rollenspielhallen zusammen zu fassen, damit derartige 'Hab ich nicht gefunden‘-Effekte vermindert werden.

(In)Security

Was ebenfalls nicht glücklich geregelt war, war die Frage der Nacht. Es war zwar groß ein Pokerturnier angekündigt, das dann doch nicht stattfand, aber es kann ja immer vorkommen, dass etwas ausfällt.

Schon etwas unangenehmer war die Tatsache, dass zwischen 7 und 9 Uhr die ganze Halle Münsterland geschlossen wurde ″um mit dem Besen durch das Haus zu gehen″. Aber auch damit konnte man leben, immerhin war das frühzeitig angekündigt worden.

Wirklich ärgerlich war jedoch, dass der Wachdienst arg übereifrig zu Gange ging. Wenn bei einer der Spielrunden in der Nacht jemand ein paar Minuten weg’dusselte' (was auf Rollenspielcons gar nicht so ungewöhnlich ist), kamen sie sofort an um die betreffenden zu wecken und anzuhalten, nicht zu schlafen. Hierbei wurde ich mit den Worten ″Wenn müde, setz Dich in Deinen Wagen und fahr nach Hause″ wachgemacht. Einmal abgesehen davon, dass die Heimfahrt nur mal eben rund 200 Kilometer wäre (und ich ja am nächsten Tag noch mit einigen Leuten sprechen wollte) ist auch der Ratschlag, wenn man übermüdet sei, solle man doch bitteschön autofahren, mehr als zweifelhaft. Hierauf hingewiesen, hieß es dann ″Dann setz Dich in Deinen Wagen und schlafe da″.

Ein sehr sinnvoller Vorschlag, wenn man bedenkt, dass das Parkhaus, in dem der Wagen stand, um drei Uhr nachts abgeschlossen war, so dass niemand hinein konnte. Wer seinen Wagen unbedingt haben musste, verkündete ein Schild, konnte für Tagesgebühr plus zehn Euro die Ausfahrt erkaufen. Leider war nirgendwo ein Hinweis zu finden, was denn gewesen wäre, wenn man den Schlüsselwart angerufen hätte, um im Wagen zu schlafen, also gar nicht wegzufahren.

Rollenspieler sind ein etwas eigenes Völkchen, und es waren einige Rollenspieler noch im Forum Süd, die so ziemlich alle etwas gegen die Form und den Tonfall des Sicherheitsdienstes einzuwenden hatten. Auch stieß einigen sauer auf, dass der Sicherheitsdienst grundsätzlich schwarze Lederhandschuhe anzog, wenn ein Rollenspieler zu ermahnen war.

Das nächste Problem mit der Security war dann, dass sie während der Arbeit in der Halle rauchte. Die großen Rauchverbotsschilder an den Wänden wurden großzügig ignoriert, genau wie das gesetzliche Rauchverbot in öffentlichen Räumen, das mit dem Vermerk ″Wir haben Hausrecht, wir dürfen das bestimmen″ weggewischt wurde. Zu Beginn wurde, nachdem die Spieler sich beschwert hatten, tatsächlich draußen geraucht, aber später sah man wieder Raucher in Security-Uniform in der Halle.

In der Zwischenzeit hatte die Security allerdings auch noch eine Gruppe von drei Spielern, die sich über die RPC als solche, über die RPC im Vergleich zu anderen Cons und einige Spiele auf der RPC unterhielten (und zu denen auch der Schreiber dieser Zeilen gehörte) aufgefordert, das Forum Süd zu verlassen, weil man ja nicht spiele. Als daraufhin einer der Diskutierer ein Kartenspiel aus der Tasche holte und wir mit einem vierten Spieler begonnen, das Spiel zu spielen, konnte Security nicht viel machen.

Als wir dann kurz vor sieben aufgefordert wurden zu gehen, waren wieder Security-Mitglieder beim Rauchen zu sehen. Als ich (rein zu Beweiszwecken, sollte die Behauptung, dass Mitglieder der Security hätten geraucht, abgestritten werden) hiervon ein Foto machte, forderte der Security-Mitarbeiter, das Foto zu löschen, da es seine Privatsphäre verletze. Auf meine Einwände, als Security-Mitglied sei er immerhin in gewissem Maße eine Person des öffentlichen Interesses, vor allem, wenn es ums Rauchen gehe, antwortete Security mit einem Hausverbot für den Fotografen (also mich) sowie für einen Bekannten, der ebenfalls zu der Gruppe gehörte, die dem früheren 'Rauswurf durch das Auspacken eines Spiels entgangen war.

Auch der Versuch, bei Wiedereröffnung der RPC mit vernünftigeren Leuten zu sprechen, scheiterte. Security hat zwar meinen Namen und meine Adresse eingefordert, aber kein Security-Mitglied hat sich bemüßigt gefühlt, mir auch nur mit der Nennung seines Namens ansatzweise entgegenzukommen. Mehr noch: Als am Haupteingang um 9 Uhr das Hausverbot erneut, diesmal von einem anscheinend höher in der Hierarchie stehenden Mitarbeiter erneut ausgesprochen wurde, weigerte sich auch dieser, mir seinen Namen zu nennen. Statt dessen hieß es nur, er vertrete die Messegesellschaft, und diese Information müsse mir genügen. Auch die Bitte, den Veranstalter der RPC, Herrn Kuschel, hinzuzuholen oder mir zumindest seine Telefonnummer zu nennen, damit ich ihn anrufen könne, wurde mir mit dem Kommentar abgelehnt, das habe mich nicht zu interessieren.

Als ich dann versuchte, von anderen Messeausstellern die Telefonnmmer von Herrn Kuschel zu erfragen, reagierte Mister Unbekannt sofort, indem er mich auch des Grundstücks verwies.

Als es mir gegen alle Widerstände der Security dann schließlich doch gelang, Herrn Kuschel am Telefon zu erreichen, meinte der nur, er könne da nichts machen, da habe er kein Recht etwas zu zu sagen.

Fazit

Der folgene Text war mein erstes Fazit, das sich durch die Reaktion von Herrn Andre Kuschel teilweise erledigt hat.

Nach diesen Erlebnissen kann meine Empfehlung nur zweigeteilt sein.

Zum einen: die einzigartige Kombination aus Pen-n-Paper, LARP und CRPG und die hierdurch entstehenden Effekte rechtfertigen meiner Meinung nach sogar den recht hohen Preis.

Was allerdings meine Erlebnisse mit der Security angeht, ist zur Zeit die Empfehlung das genaue Gegenteil. Man stelle sich vor, man bezahlt den Eintritt für beide Tage, und wird nach dem ersten so des Hauses verwiesen. Als Pressevertreter hatte ich den Eintritt vom Veranstalter frei, ansonsten wäre ich wohl auch über das verlorene Geld ziemlich sauer…

Stattdessen sieht mein Fazit nunmehr wie folgt aus:

Durch die einmalige Kombination von LARP, CRPG, Tabletop und PnPRPG entstehen Synergie-Effekte, die diese Convention zu einem Muss für jeden Rollenspieler, egal welcher spezifischen Couleur, machen. Auch der relativ hohe Preis sollte da nicht abschrecken – der RPC lohnt sich.

Veranstaltung

RPC

Ort

Halle Münsterland, Münster

Eintritt

10 € für einen Tag, 15 für beide Tage

Teilnehmer

23.500

Dauer

Samstag 10 bis Sonntag 18 Uhr (wenn man nicht vorher hinausgeworfen wird)

P.S.: Ich bitte meine Stammleser, den ungewohnt persönlichen Ton zu entschuldigen, in dem dieser Artikel abgefasst wurde. Man könnte sicher den Artikel vom Ton her 'neutraler' machen, aber in diesem Fall spiegelt er eben meine ganz persönlichen Erfahrungen wieder, die (hoffent- und sicherlich) nicht allgemeingültig sein dürften.